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Apfeleingeweide

Mein Landleben Apfeleingeweide

Es gibt wieder Äpfel. Rund um mich herum. Überall. Und diese Äpfel werfen viele Fragen auf. Der Apfel steckt tief in seinem Inneren nämlich voller sprachlicher Barrieren.

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Wie heißt der abgegessene Apfelrest?

Quelle: Weber

Von Anke Weber

Das wurde mir klar, als ich mit meinem Auto am Straßenrand anhielt und zwei Äpfel für meine Freundin und mich gepflückt habe. Wegzehrung quasi. Vier Kilometer weiter meinte meine Freundin, ich könne ihr den Butzen geben. Den WAS? Na, den Butzen. Sie meinte den Apfelgriebsch.
Aber ich bin mir nicht sicher, ob der hier ansässige Niedersachse versteht, was ich meine. Oder gar denkt, ich hätte etwas falsch geschrieben. Denn der Apfelgriebsch scheint eine Wortkreation meiner Familie zu sein. Aus Apfelgriebs, wie man in Schleswig-Holstein sagt, und Abbelgriebsch, wie es in Sachsen heißt. So lautete jedenfalls das Ergebnis der Internetsuche, die meine Freundin mal schnell mit ihrem Smartphone gestartet hatte.

An dieser Stelle bedauerte ich sehr, dass ich nicht zu den Menschen gehöre, die Äpfel komplett, also inklusive Kerngehäuse, verspeisen. Denn dann wäre mir vielleicht erspart geblieben, eine Wortmischung aus Sachsen und Schleswig-Holstein in meinem Sprachgebrauch gefestigt zu haben. Dies war nämlich eine schlimme Erkenntnis für mich - eine aus Niedersachsen, die mit der Überzeugung aufgewachsen ist, das reinste Hochdeutsch weit und breit zu sprechen. Das ungefähr denkt man, wenn man in Hannover zur Schule gegangen ist. Aber zurück zum Apfel und seinem abgegessenen Rest.
Etwas irritiert darüber, dass ich mich mit meiner Freundin nicht einwandfrei verständigen konnte, fragte ich später meine Tochter, wie der abgegessene Apfelrest ihrer Meinung nach heißen würde. Sie hatte keine Ahnung. Ich befürchte, ich habe ihren Sprachschatz nicht genug gefördert. Oder ihr zu wenig Äpfel gegeben. Beides finde ich gleich schlimm. Fantasie hat sie dagegen offenbar ausreichend. Sie meinte, es handele sich um einen Apfelstamm. Dann tippte sie auf Apfelinneres und schließlich auf Apfeleingeweide. So viele Wörter. Für ein bisschen Apfelrest. Und so viele Entscheidungen.

Soll ich nun Appelpietschen sagen, wie es in Niedersachsen angeblich üblich ist? Obwohl ich das Wort noch nie gehört habe? Oder Grupper - wie die Hamburger? Zur Wahl stehen auch noch Knabbel, Kitsche oder Nerps. Alles ganz lustige Wörter für so einen Apfelrest. Apfelknabbel - das gefällt mir gut. Aber ob das meine Umwelt versteht? Abgewählt habe ich auf jeden Fall die hessische Variante: Abbelkrotze. Das würde der Niedersache auf jeden Fall falsch deuten.

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Neue SN-Kolumne: Mein Landleben
  • Landleben ist trendy . Neuerdings hat sogar der Stadtmensch seine Liebe zum Land entdeckt und blättert sich sehnsüchtig durch die Hochglanz-Magazine. Anmutig schimmern da die Tautropfen auf prallen Beeren und die hochwertige Rosenschere mit Holzgriff liegt im aufgeräumten Schuppen.
  • Etwas anders stellt sich das Landleben in den Augen unserer Autorin Anke Webe r dar. Die SN-Journalistin hat schon immer auf dem Land gelebt und sieht in jeder üppig blühenden Blume auch den Dreck unter den Fingernägeln. Ihre Eindrücke vom Leben zwischen Steinhuder Meer, Deister und Wesergebirge schildert sie ab sofort jeden Sonnabend in der neuen SN-Kolumne „Mein Landleben“.