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Mein Landleben Auslösereize

Wie sich trotz Frühlingswetter das Weihnachtsgefühl bei ihr eingestellt hat, erzählt Anke Weber in ihrer aktuellen Kolummne.

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Wenn einem Aschenbrödels Nüsse vor die Füße fallen, ist ganz sicher Weihnachts-Magie im Spiel.

Quelle: Weber

Von Anke Weber

Das eigene Weihnachtsgefühl verändert sich von Jahr zu Jahr. Jedenfalls bei mir. Der erste Einschnitt in meinem Weihnachtsgefüge war das Jahr, nachdem ich von zu Hause ausgezogen war. Ich gehörte plötzlich zu diesen Driving-home-for-Christmas-Leuten. Das wurde mein Auslöse-Reiz. Dieses Lied, das bei mir normalerweise niemals auf einer Playlist landen würde, erweckte in mir das Jetzt-ist-Weihnachten-Gefühl. Ich konnte mich darauf verlassen, dass es auf dem Weg zu meinen Eltern im Radio gespielt wurde. Auf irgendeinem Sender wird es Heiligabend immer gespielt.
Vor ein paar Tagen hörte ich das Lied auf dem Weg zum Einkaufen. Auf meiner Liste standen alle Sachen, die meine Tochter mag. Und während ich Schokoladeneis und Datteln in meinen Einkaufswagen lud, war meine Tochter auf der Autobahn unterwegs – nach Hause. Ich fragte mich, ob sie vielleicht auch gerade „Driving home for Christmas“ gehört hatte und ob sie dabei neuerdings ebenfalls ganz weihnachtsweich wird. Für mich sind manche Dinge einfach mit Weihnachten verknüpft. Filme wie „Der kleine Lord“ oder „Drei Nüsse für Aschenbrödel“. Auch Glühwein. Wir machten uns an jenem Abend Glühwein. Und der Ofen war an. Aber wir kämpften mit der Wärme. Uns war definitiv zu heiß. Deshalb ließen wir den Ofen ausgehen und stiegen auf Kaltgetränke um. Aber wie kann man ein Alster trinken, während der kleine Lord über den Bildschirm reitet? Und wie passt es zu Weihnachten, dass sich seit ein paar Tagen an allen Dachfenstern in meinem Haus Brummer tummeln? Also diese dicken Fliegen. Woher kommen die plötzlich? Es muss einen Auslösereiz gegeben haben. Wahrscheinlich die frühlingshaften Temperaturen. Ich lasse sie im Vorbeigehen frei. Fenster auf, Brummer schwärmen aus, Fenster wieder zu. Das Problem: Brummer freilassen gehört nicht zu meinen Weihnachts-Auslösereizen. Ebensowenig wie wandernde Kröten. Und ich schwöre, ich habe neulich nachts welche gesehen. Oder waren es doch nur Blätter?
Ich fragte mich ernsthaft, wie ich bei all den Frühjahrs-Auslösereizen zu meinem Weihnachtsgefühl kommen sollte. Ins Auto setzen und „Driving home for Christmas“ in Dauerschleife hören war so eine Idee. Aber dazu kam es zum Glück nicht. Vorher fielen mir Aschenbrödels Nüsse direkt vor die Füße. Wie in der Szene mit dem Kutscher. Ich bin sicher, dass die Nüsse ganz allein für mich bestimmt waren. Ein echtes Weihnachtswunder – es gab nämlich die doppelte Portion: Sechs Nüsse. Und ich glaube fest daran, dass mir jede Nuss einen Wunsch erfüllen wird. Zu gegebener Zeit, versteht sich. Also mehr Weihnachten geht ja wohl nicht.

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Neue SN-Kolumne: Mein Landleben
  • Landleben ist trendy . Neuerdings hat sogar der Stadtmensch seine Liebe zum Land entdeckt und blättert sich sehnsüchtig durch die Hochglanz-Magazine. Anmutig schimmern da die Tautropfen auf prallen Beeren und die hochwertige Rosenschere mit Holzgriff liegt im aufgeräumten Schuppen.
  • Etwas anders stellt sich das Landleben in den Augen unserer Autorin Anke Webe r dar. Die SN-Journalistin hat schon immer auf dem Land gelebt und sieht in jeder üppig blühenden Blume auch den Dreck unter den Fingernägeln. Ihre Eindrücke vom Leben zwischen Steinhuder Meer, Deister und Wesergebirge schildert sie ab sofort jeden Sonnabend in der neuen SN-Kolumne „Mein Landleben“.