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Diese verflixten Eier

Mein Landleben Diese verflixten Eier

 Das Osterfrühstück mit der Familie bereitet mir Kopfzerbrechen. Und das liegt an den Ostereiern. Oder genauer: an den Hühnereiern. Sie sind nämlich verschieden groß. Und meine Familie ist verschieden speziell.

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Ich selbst liebe gefärbte Eier am Ostersonntag. Schon als Kind waren sie mir wichtiger als die Schokoladeneier. Allerdings hatten es meine Oma und meine Mutter als hausinterne Osterhasen ziemlich leicht. Wir alle fanden hartgekochte Eier völlig in Ordnung, geplatzte Eierschalen störten uns nicht und im Eiweiß verlaufene Ostereier-Farbe betrachteten wir als Kunstwerk. Ich nahm sogar extra die geplatzten Eier, weil ich die bunten Fluss-Landschaften auf dem Eiweiß so faszinierend fand.

 Heute ist es komplizierter. Ein Teil meiner Familie hat Ostereier-Farben-Angst. Es hat etwas mit Zusatzstoffen zu tun. Die besagten Leute essen nur natürlich gefärbte Eier. Seitdem färbe ich mit Zwiebelschalen und Rote-Beete-Saft. Sieht ganz nett aus, befriedigt aber nicht meine Sehnsucht nach knallbunten Eiern. Deshalb färbe ich weitere Eier mit handelsüblicher Ostereier-Farbe. Der Teil der Familie, der diese Eier isst, hat allerdings eine andere Macke und findet entweder hart- oder weichgekochte Eier widerlich. Im Laufe der Jahre habe ich herausgefunden, wessen Ei wie lange kochen muss. Vorausgesetzt, das Ei hat eine bestimmte Größe. Hat es aber nie. Sogar nach klein, mittel und groß sortierte Eier variieren innerhalb der Kartons. Abgesehen davon bekomme ich die Eier vom Nachbarn und dessen Hühner geben sich keinerlei Mühe, zuverlässige Ei-Größen zu legen.

 Viele Töpfe und Farben wären also notwendig, damit jeder aus der Familie die von ihm geliebte Eier-Konsistenz und -Farbe vorfindet. Und damit sich die Eier gut pellen lassen. Das ist nämlich ein weiterer Kritikpunkt an mir. Dass sich meine Eier nie ordentlich pellen lassen. Mir wurden diesbezüglich Fehler beim Eierkochen unterstellt. Hauptsächlich ging es dabei um das Abschrecken. Inzwischen habe ich rund um die Eier-Pell-Freundlichkeit recherchiert. Frische Eier – und die vom Nachbarn sind immer frisch – lassen sich schlechter pellen. Das verschafft mir Genugtuung. Aber immer noch keine Erleichterung bezüglich meiner bevorstehenden Aufgabe.

 Ehrlich gesagt nerven die mich alle mit ihren Eier-Ansprüchen. Deshalb nutze ich meine Entscheidungsgewalt als Osterhasen-Oberhaupt und serviere dieses Jahr einfach Rührei. Nur für mich färbe ich ein paar Eier mit der schlimmen Farbe. Die verstecke ich dann einfach. Das machen Osterhasen schließlich so.

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Neue SN-Kolumne: Mein Landleben
  • Landleben ist trendy . Neuerdings hat sogar der Stadtmensch seine Liebe zum Land entdeckt und blättert sich sehnsüchtig durch die Hochglanz-Magazine. Anmutig schimmern da die Tautropfen auf prallen Beeren und die hochwertige Rosenschere mit Holzgriff liegt im aufgeräumten Schuppen.
  • Etwas anders stellt sich das Landleben in den Augen unserer Autorin Anke Webe r dar. Die SN-Journalistin hat schon immer auf dem Land gelebt und sieht in jeder üppig blühenden Blume auch den Dreck unter den Fingernägeln. Ihre Eindrücke vom Leben zwischen Steinhuder Meer, Deister und Wesergebirge schildert sie ab sofort jeden Sonnabend in der neuen SN-Kolumne „Mein Landleben“.