Volltextsuche über das Angebot:

11 ° / 6 ° Sprühregen

Navigation:
Drei Nüsse für Eichhörnchen

Mein Landleben Drei Nüsse für Eichhörnchen

Seit einigen Jahren füttere ich die Eichhörnchen in meinem Garten. Der Futterkasten hängt an einer Eiche auf dem nördlichen Teil meines Grundstückes. Ich kann ihn von der Küche aus beobachten, und wenn ich zur richtigen Zeit einen Kaffee koche, dann sehe ich auch ein Eichhörnchen.

Voriger Artikel
Kids und gelbe Enten
Nächster Artikel
Ewige Winternächte

Gewohnheit: Das Eichhörnchen hat einen Stamm-Futterkasten. 

Quelle: pr.

Seit meine Tochter nicht mehr zur Schule geht, koche ich den Kaffee selten zur richtigen Zeit. Manchmal bin ich zu früh und es ist noch dunkel, manchmal bin ich zu spät und das Eichhörnchen hat die täglichen drei Nüsse schon verspeist. Deshalb habe ich mir einen zweiten Eichhörnchen-Futterkasten angeschafft und ihn direkt vor meinem Bürofenster aufgehängt. Bisher hat sich das Eichhörnchen auf diesem südlichen Teil des Grundstückes nicht blicken lassen. Aber bisher gab es hier auch keine Nüsse.

Ich war zuversichtlich, dass es die neue Futterstelle bald entdecken würde. Doch statt des Eichhörnchens kamen die Meisen. Traurig pickten sie an die Futterkasten-Scheibe, die sie von den Nüssen trennte. Allein das Eichhörnchen wäre in der Lage gewesen, den Deckel des Kastens zu öffnen. Die Meisen gierten hungrig vor dem winzigen Schaufenster – nicht ahnend, dass sie die Nüsse sowieso nie würden knacken können. Dieses Futter-Drama konnte ich nicht mit ansehen. Ich entfernte die Scheibe und erfreute die Meisen mit Vogelfutter. Die Nüsse ließ ich liegen.

Der Busch vor meinem Bürofenster hat jetzt Flughafen-Charakter. Sogar der Eichelhäher ist schon einmal gelandet und hat versucht, ein komplettes Meisenbällchen abzutransportieren. Hat nicht geklappt. Während ich also täglich mehrfach Vogelfutter auf dieser südlichen Grundstücks-Seite nachfülle, sind die Nüsse hier immer noch unberührt. Deshalb habe ich dem Eichhörnchen jetzt eine Nuss-Spur gelegt. Vom Nord-Futterkasten zum Süd-Futterkasten. Wie bei Hänsel und Gretel. Aber das Eichhörnchen ignoriert den Walnuss-Weg. Stur bleibt es bei seinen alten Gewohnheiten und holt sich nur die Nüsse aus dem Nord-Kasten.

Dabei wartet doch ein neues Nuss-Paradies auf das Eichhörnchen. Aber das Tier kommt nicht auf die Idee, mal um die Ecke zu gucken. Und je länger ich darüber nachdenke, desto mehr komme ich zu dem Schluss, dass ich im kommenden Jahr mal häufiger um die Ecke gucken werde. Wer weiß, was für Überraschungen da überall auf mich warten.

Von Anke Weber

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Möchten Sie uns zu diesem Artikel Ihre Meinung sagen? Dann schicken Sie uns einen Leserbrief.

Leserbrief schreiben
Neue SN-Kolumne: Mein Landleben
  • Landleben ist trendy . Neuerdings hat sogar der Stadtmensch seine Liebe zum Land entdeckt und blättert sich sehnsüchtig durch die Hochglanz-Magazine. Anmutig schimmern da die Tautropfen auf prallen Beeren und die hochwertige Rosenschere mit Holzgriff liegt im aufgeräumten Schuppen.
  • Etwas anders stellt sich das Landleben in den Augen unserer Autorin Anke Webe r dar. Die SN-Journalistin hat schon immer auf dem Land gelebt und sieht in jeder üppig blühenden Blume auch den Dreck unter den Fingernägeln. Ihre Eindrücke vom Leben zwischen Steinhuder Meer, Deister und Wesergebirge schildert sie ab sofort jeden Sonnabend in der neuen SN-Kolumne „Mein Landleben“.