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Das Besenstrich-Prinzip

Mein Landleben Das Besenstrich-Prinzip

Das Frühjahr kündigt sich an und als wäre ich programmiert, reagiere ich auf die immer gleiche Weise. Ich habe plötzlich das Gefühl, sofort alles aufräumen und säubern zu müssen.

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Diese verflixten Eier

Charme des Verfalls – hinter dem Schuppen ist Unordnung erlaubt.

Quelle: Anke Weber

Mein Landleben. Das ist ein ganzer Haufen Arbeit. Vor allem deshalb, weil ich die letzten Monate die sprichwörtliche Winterruhe zelebriert habe. Wände müssen gestrichen, Regale geputzt, Ecken gereinigt und der Garten muss in einen der Sonne würdigen Zustand versetzt werden.

Ein riesengroßer Arbeitsberg

Es gibt auch tausend Dinge zu reparieren. Zum Beispiel meine Gartenbank, auf der ich beim nächsten kräftigen Sonnenschein wieder sitzen möchte. Leider ist sie zusammengekracht. Am letzten Banksitz-Tag vor dem Winter. Zusammengekracht unter meinem Nachbarn und mir. Nun ist Eile geboten. Wir wollen ja wieder Kaffee trinken. Und zwar auf unserem Stammplatz – auf meiner Bank. Und während ich im Kopf eine Liste der zu erledigenden Dinge erstelle, wird mir ganz anders. Der Arbeitsberg scheint kaum zu bewältigen. Bestandsaufnahme. Das geht leicht. Listen schreiben kann ich. Eine Weile stehe ich hinter dem Schuppen im Garten, wo sich Blumentöpfe und Tonröhren stapeln. Zusammen mit dem Laub fast schon zu einem Gesamtobjekt verschmolzen. Muss man das überhaupt aufräumen? Wahrscheinlich leben da auch Tiere. Diese Ecke streiche ich wieder von der Liste. Begründung: Biotope dürfen nicht zerstört werden.

"Besenstrich für Besenstrich"

Im Laufe meiner Begehung finde ich viele Gründe, Dinge wieder von der Liste zu streichen. Wände streichen – macht man besser im Sommer, wenn man besser lüften kann, weil es draußen warm ist. Einige Arbeiten entferne ich also mit guten Ausreden von der Liste. Aber was ist mit den Regalen, Blumenbeeten, und der Klinke an der Gartenpforte? Ich erinnere mich an den Straßenfeger in dem Buch „Momo“. Der ging nach dem Prinzip „Besenstrich für Besenstrich“ vor. Immer eine Sache nach der anderen. Erleichtert werfe ich meine Liste in den Ofen. Ich werde es machen wie der Straßenfeger. Immer nur an den nächsten Besenstrich denken. Sonst wird man ja irre. Weber

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Neue SN-Kolumne: Mein Landleben
  • Landleben ist trendy . Neuerdings hat sogar der Stadtmensch seine Liebe zum Land entdeckt und blättert sich sehnsüchtig durch die Hochglanz-Magazine. Anmutig schimmern da die Tautropfen auf prallen Beeren und die hochwertige Rosenschere mit Holzgriff liegt im aufgeräumten Schuppen.
  • Etwas anders stellt sich das Landleben in den Augen unserer Autorin Anke Webe r dar. Die SN-Journalistin hat schon immer auf dem Land gelebt und sieht in jeder üppig blühenden Blume auch den Dreck unter den Fingernägeln. Ihre Eindrücke vom Leben zwischen Steinhuder Meer, Deister und Wesergebirge schildert sie ab sofort jeden Sonnabend in der neuen SN-Kolumne „Mein Landleben“.