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Einfach mal Trauben essen

Silvester Einfach mal Trauben essen

Silvester war früher sehr groß. Damals, als ich klein war. Und aufregend. Gleich morgens wurde die Bowle angesetzt. In einem verzierten Messing-Topf mit Glaseinsatz. Dieser Topf war wie ein heiliger Gral. Wahrscheinlich, weil er nur Silvester zum Einsatz kam und so wertvoll aussah.

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Trauben essen - in der Silvesternacht ein spanischer Brauch.

Quelle: Anke Weber

Landkreis. Von Anke Weber

Die einzigen Früchte in unserer Bowle waren Mandarinen aus der Dose, von denen ich naschen durfte. Auch die Kräcker für die Party-Spieße waren für mich etwas Besonderes. Weil ich weder Käse noch Weintrauben mochte, spießte ich Mandarinen auf meine Kräcker.

Kulinarisch scheint mir das heute recht zweifelhaft und ich habe diese Kombination nie wieder ausprobiert. Aber natürlich weiß ich, warum ich mir die Kräcker nicht einfach pur in den Mund geschoben habe. Ich fand die bunten Spieße toll. Mit ihnen habe ich abends sogar meine Erdnuss-Flips aufgespießt. Die Knabbersachen, zu denen auch die Party-Edition mit Brezeln und Fischchen gehörte, war für mich das wahre Silvester-Highlight. Abgesehen von den Luftschlangen, die ich über Lampen und Tische pustete.

"Nie schien mir die Silvesternacht so prunkvoll wie ihr Ruf"

Knaller und Raketen waren mir dagegen suspekt und die Tatsache, dass man sich für diesen Akt in die Kälte begeben muss, ist für mich bis heute ein Grund, darauf zu verzichten. Inzwischen habe ich viele Silvester erlebt. Auf großen Partys oder mit Raclette auf Hütten. Aber nie schien mir die Silvesternacht so prunkvoll und spektakulär wie ihr Ruf. Und was soll das alles überhaupt?

Wenn man den Silvester-Brauch genauer unter die Lupe nimmt, stößt man auf den Glauben an böse Geister, die in der Silvesternacht mit lautem Spektakel vertrieben werden sollten. Da hätte ich natürlich ein paar Ideen, welche Geister des Jahres 2016 ich gerne verscheuchen würde. Vielleicht sollte ich also doch viel Lärm machen. Muss ja nicht unbedingt Böllerkrach sein. Mein Mann hat zu Weihnachten von einem reisenden Freund eine afrikanische Trommel geschenkt bekommen. Das müsste doch auch funktionieren.

Mit jedem Glockenschlag eine Weintraube

Dazu die Feuerschale im Garten entzünden, um das kommende Jahr zu erhellen. Und da ich inzwischen auch Weintrauben mag, werde ich es wie die Spanier machen. Sie haben einen wunderbaren Brauch und essen mit jedem Glockenschlag zu Mitternacht eine Weintraube, wobei sie mit jeder Traube einen Wunsch verbinden. Zwölf Glockenschläge, zwölf Wünsche – für jeden Monat des kommenden Jahres einen. Also jetzt freue ich mich doch auf die Silvesternacht. Das eröffnet ja ganz neue Perspektiven. Wenn ich das richtig verstanden habe, kann ich quasi in einer Nacht mit dem Verzehr von zwölf Trauben die ganze Welt retten.

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Neue SN-Kolumne: Mein Landleben
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