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Ewige Winternächte

Mein Landleben Ewige Winternächte

Januar und Februar – da passiert nicht viel auf dem Land. Tagsüber höre ich aus dem Wald noch die Motorsägen. Doch mit der Dämmerung stellt sich rund um mein Haus die Stille ein. Manchmal sehe ich noch einen späten Jogger im Abendrot. Kurz darauf scheint sich bereits die Nacht über die Dörfer zu senken. Sie ist im Winter wirklich lang.

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Während in der Stadt zu diesem Zeitpunkt die Menschen in die Bars, Restaurants und Kinos strömen, kehrt auf dem Land wahre Ruhe ein. Die umliegenden Dorfkneipen sind längst für immer geschlossen worden. Ein Abstecher an gesellige Theken wäre echter Aufwand. Abgesehen davon, dass ein Kneipenbesuch mit dem Auto auch den Genuss von alkoholischen Getränken ausschließt. Ich mache es also so, wie es die meisten Landmenschen während der Woche handhaben. Ich bleibe zu Hause vor dem Ofen. Dort sitze ich und denke darüber nach, was ich nun alles endlich machen könnte. Die Fotos sortieren. Das ist seit der Digitalfotografie nicht einfacher geworden. Nur, dass die Fotos nicht mehr in Schubladen liegen, sondern irgendwo auf Computer-Daten speichern. Ich könnte auch meinen Kleiderschrank ausmisten. Oder die Dinge auf dem Dachboden sortieren. Schließlich ist so ein neues Jahr auch ein Neuanfang. Da wäre es doch schön, sortiert zu starten. Aber diese Dunkelheit ist nicht gerade ein Motivations-Verstärker. Bei mir lässt sie vielmehr ein überwältigendes Feierabend-Gefühl aufkommen, das nach Sofa und TV schreit.

 Zu diesem Gefühl gesellt sich direkt das schlechte Gewissen. Ich wurde darauf geprägt, dass Fernsehen gucken verblödet. Ja, auch ein Kommunikations-Killer ist. Außerdem gefällt mir das Programm nicht. Und die Werbung nervt. Abgesehen davon gaukeln mir romantische Land-Magazine vor, dass ich abends im Feuerschein entweder stricken oder Holzfiguren schnitzen müsste. Kann ich aber beides nicht. Von meinen Nachbarn weiß ich auch nichts über vergleichbare Aktivitäten. Hinter ihren Fenstern sehe ich ebenfalls nur das Flimmern der Fernseher.

 Außerdem gucke ich ja gar kein Fernsehen, sondern Serien. Mit meiner Tochter. Ich habe mir einen Zugang bei einem dieser Video-Anbieter gekauft, die Filme und Serien per Klick aus dem Internet direkt auf den Bildschirm liefern. Zu jeder Uhrzeit und ganz ohne Werbung. Macht also gar nicht blöd. Quasi Land-Kino. Wir haben gerade eine neue Serie angefangen. Ein Glückstreffer. Sie hat sechs Staffeln! Der Winter ist gerettet. Das reicht mindestens bis März. we

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Neue SN-Kolumne: Mein Landleben
  • Landleben ist trendy . Neuerdings hat sogar der Stadtmensch seine Liebe zum Land entdeckt und blättert sich sehnsüchtig durch die Hochglanz-Magazine. Anmutig schimmern da die Tautropfen auf prallen Beeren und die hochwertige Rosenschere mit Holzgriff liegt im aufgeräumten Schuppen.
  • Etwas anders stellt sich das Landleben in den Augen unserer Autorin Anke Webe r dar. Die SN-Journalistin hat schon immer auf dem Land gelebt und sieht in jeder üppig blühenden Blume auch den Dreck unter den Fingernägeln. Ihre Eindrücke vom Leben zwischen Steinhuder Meer, Deister und Wesergebirge schildert sie ab sofort jeden Sonnabend in der neuen SN-Kolumne „Mein Landleben“.