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Fahrrad-Liebe

Mein Landleben Fahrrad-Liebe

Ein neues altes Fahrrad hat mein Herz erobert. Es ist mir in den Schoß gefallen, nachdem meine Tochter auf der Suche nach einem Oma-Fahrrad für ihren Studien-Wohnsitz war. Mein Mann und ich fragten herum. Wir waren sicher, dass so ein Modell im Bekanntenkreis zu finden sein müsste. Doch irgendwie kam die Sache nicht so recht voran.

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Also kauften wir eines auf dem Gebrauchtmarkt im Internet – ein Schnäppchen. Günstig, fast unbenutzt und optisch perfekt. Mission erfüllt. Als das Fahrrad längst in Benutzung war, häuften sich plötzlich die Angebote aus dem Bekanntenkreis. Quasi jeder fand nun doch noch ein verstaubtes Rad in irgendeiner Ecke. Zwei dieser Räder landeten bei uns. Alte Modelle. Retro. Es war klar, dass eines das Ersatzteil-Lager für das andere sein würde. Aber mein Mann nimmt sich solcher Projekte manchmal gerne an. Es dauerte nicht lange und er präsentierte mir ein Retro-Rad wie von meiner Oma. Aus zwei Rädern hatte er eines gemacht. Lediglich ein passendes Rücklicht fehlte. Ich stieg auf. Meine Probefahrt dauerte eine halbe Stunde. Eigentlich musste ich noch für das Abendessen einkaufen. Aber die Lust, weiter mit meinem Rad durch die Natur zu radeln, hatte mich gepackt. Also machte ich gleich noch eine Tour. Die Luft war warm und um mich herum wirbelten Mähdrescher Korn-Duft in die Luft. Die Landschaft lag ruhig in der rötlichen Abendsonne. Unterwegs hielt ich an einer Pferdekoppel und pflückte Gräser und Blumen. Zurück fuhr ich durchs Dorf. Dort traf ich auf eine Bekannte, die hinter dem Gartenzaun in der Erde wühlte. Sie bewunderte mein Fahrrad und schnitt mir eine Hortensie ab, die sich wunderschön in meinen Wildblumen-Strauß fügte. Außerdem gab sie mir frisch geerntete Tomaten. Das Abendessen war gesichert. Vor der Garage des übernächsten Hauses standen drei Männer um einen defekten Rasenmäher herum. Sie besprachen das Problem bei einem Bier. Ich kannte einen von ihnen und weil mein Fahrrad ihr Interesse erregt hatte, hielt ich an. Natürlich bekam ich ein Bier und erzählte die Geschichte meines Retro-Rades. Für einen Moment sah es so aus, als würde ich sogar noch ein passendes Rücklicht abstauben können. Ein solches fand sich in der Sammlung des Garagen-Besitzers dann aber doch nicht.
Trotzdem habe ich beschlossen, von nun an häufiger mal eine Runde durch Feld und Dorf zu radeln. Das hat sehr viele positive Aspekte – zum Beispiel die Bewegung an der frischen Luft und das Naturerlebnis. Außerdem Information durch Zaungespräche. Und wenn ich mal wieder Zutaten für das Abendessen brauche, dann radele ich einfach durchs Dorf. Irgendwer hat doch immer eine Zucchini übrig.  
Von Anke Weber

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Neue SN-Kolumne: Mein Landleben
  • Landleben ist trendy . Neuerdings hat sogar der Stadtmensch seine Liebe zum Land entdeckt und blättert sich sehnsüchtig durch die Hochglanz-Magazine. Anmutig schimmern da die Tautropfen auf prallen Beeren und die hochwertige Rosenschere mit Holzgriff liegt im aufgeräumten Schuppen.
  • Etwas anders stellt sich das Landleben in den Augen unserer Autorin Anke Webe r dar. Die SN-Journalistin hat schon immer auf dem Land gelebt und sieht in jeder üppig blühenden Blume auch den Dreck unter den Fingernägeln. Ihre Eindrücke vom Leben zwischen Steinhuder Meer, Deister und Wesergebirge schildert sie ab sofort jeden Sonnabend in der neuen SN-Kolumne „Mein Landleben“.