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Mein Landleben Farben sammeln

Vom Feld weht ein Hauch Mai herüber. Der Winterraps strömt an milden Tagen betörenden Duft aus. Aber von den Bäumen fällt November und breitet sich als bunter Blätter-Teppich vor mir aus. Ich bin verwirrt.

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Wenn draußen alles verblüht ist –eine Blume aus Herbstblättern.

Quelle: Anke Weber

Diese Frühjahrs-Beduftung will so gar nicht zu den nach Süden ziehenden Gänsen passen. Und auch nicht zu der Temperatur. Abgesehen davon sprießen auf manchen Feldern in ordentlichen Reihen kleine grüne Halme. Wie soll ich mich da auf die kalte Jahreszeit einstellen?

Der Gang in den Supermarkt hilft ein bisschen. Wenn ich Lebkuchen sehe, denke ich automatisch an Winter. Und seit die Uhr umgestellt wurde, ist es mit dem Wintergefühl auch etwas einfacher geworden. Man fällt ja am Nachmittag schon ganz locker in so eine Art Winterstarre. Draußen wird es dunkel, obwohl der Abend noch gar nicht begonnen hat. Also Feierabend, oder?

Meine Leistungskurve fällt bei Einbruch der Dämmerung jedenfalls zuverlässig ab. Egal, wie spät es ist. Damit ich überhaupt etwas schaffe, muss ich jetzt früher aufstehen. In Wirklichkeit ist es natürlich gar nicht früher. Nur die Uhr gaukelt mir das vor. Insofern ist alles geblieben wie es war. Mein Bio-Rhythmus funktioniert einwandfrei. Leider kann mein Verstand nicht mithalten.

Sofa-Zeit ab 19 Uhr?

Das schlechte Gewissen meldet sich, wenn ich um 19 Uhr schon Lust bekomme, mich vor den Fernseher zu setzen. Mein Körper hat natürlich recht. Und zum Glück habe ich mich dank digitaler Technik auch vom 20-Uhr-Fernsehprogramm unabhängig gemacht. Aber darf ich wirklich schon um 19 Uhr so faul sein? Das bekomme ich mental einfach nicht geregelt.

Deshalb habe ich mir jetzt Hand- und Bastelarbeiten verordnet. Wie früher. Da war der Winter auch für die Handarbeiten am Ofen zuständig. Ich flicke kaputte Hosen und nähe Knöpfe an. Das ist schon ein bisschen gemütlich und trotzdem noch produktiv. Und weil die Näharbeiten schon fast abgeschlossen sind, wende ich mich jetzt den ernsthaften Arbeiten zu. Ich sammle Farben. Davon kann man im kahlen und farbarmen Winter ja nie genug haben. Am liebsten würde ich ja den Raps-Duft über Winter mit in mein Wohnzimmer nehmen.

Aber daraus wird wohl nichts. Ich habe auch keine Idee, wie ich die Blüten konservieren könnte. Alternativ habe ich bunte Herbstblätter gesammelt und mir daraus eine Blume gebastelt. Sie duftet zwar nicht so umwerfend, dürfte mich farbtechnisch aber ganz locker durch die graue Jahreszeit bringen. Sogar, wenn der Winterraps schon längst Vergangenheit ist.

Anke Weber

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Neue SN-Kolumne: Mein Landleben
  • Landleben ist trendy . Neuerdings hat sogar der Stadtmensch seine Liebe zum Land entdeckt und blättert sich sehnsüchtig durch die Hochglanz-Magazine. Anmutig schimmern da die Tautropfen auf prallen Beeren und die hochwertige Rosenschere mit Holzgriff liegt im aufgeräumten Schuppen.
  • Etwas anders stellt sich das Landleben in den Augen unserer Autorin Anke Webe r dar. Die SN-Journalistin hat schon immer auf dem Land gelebt und sieht in jeder üppig blühenden Blume auch den Dreck unter den Fingernägeln. Ihre Eindrücke vom Leben zwischen Steinhuder Meer, Deister und Wesergebirge schildert sie ab sofort jeden Sonnabend in der neuen SN-Kolumne „Mein Landleben“.