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Glücksklee

Mein Landleben Glücksklee

Als Kind war ich ganz scharf darauf, vierblättrige Kleeblätter zu finden. Meine Schwester hatte in dieser Disziplin großen Erfolg. Ich fand niemals welche, obwohl ich mir beim Suchen viel mehr Mühe gab.

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Landkreis. Irgendwann war ich wie besessen, endlich auch so ein Kleeblatt zu finden und je mehr ich suchte, desto frustrierter wurde ich. Eines Tages muss ich mich dann wohl ganz von dem Gedanken verabschiedet haben, jemals ein vierblättriges Kleeblatt zu finden. Jedenfalls suchte ich nicht mehr. Und ich greife auch Silvester niemals zu, wenn es den Glücksklee überall in den Läden gibt. Gekaufter Glücksklee würde mir nicht diese Finder-Freude bereiten.

Vor einigen Jahren fand ich dann ein winziges vierblättriges Kleeblatt in meinem Flur. Ich glaube, dass es das erste vierblättrige Kleeblatt meines Lebens war und dafür, dass es in meinem Flur lag, gab es nur eine Erklärung – es muss unter den Pfoten meines Hundes geklebt haben. Ich habe es fotografiert und gepresst und fühlte mich, als hätte ich den ungewöhnlichsten Vier-Kleeblatt-Fund der Menschheitsgeschichte gemacht.
Danach fand ich nie wieder ein vierblättriges Kleeblatt – bis vor ein paar Wochen. Mein Hund schnüffelt manchmal sehr ausdauernd am Wegesrand. Das gibt mir viel Zeit, mich umzusehen. Ich entdecke dabei komische Käfer, Holzstücke, Blindschleichen und interessante Pflanzen.

Neulich fiel mein Blick auf ein vierblättriges Kleeblatt. Ich pflückte es und trug es wie ein Heiligtum nach Hause. Einige Tage später fand ich beim Hundespaziergang erneut vierblättrigen Klee. Die Fundstellen lagen nah beieinander. Tage später fand ich wieder eines. Und kurz darauf nochmals.
Was war passiert? Hatte sich meine Wahrnehmung verändert? Hatten meine Augen plötzlich eine Vier-Kleeblatt-Suchfunktion entwickelt? Ich wunderte mich und stellte nun fast wöchentlich frischen vierblättrigen Klee auf meinen Schreibtisch.

Diese Woche stand ich erneut am Wegesrand, sah meinem Hund beim Schnüffeln zu und fand ein vierblättriges Kleeblatt. Ich bückte mich und pflückte es. Direkt daneben sah ich ein zweites und pflückte es ebenfalls. Und dann sah ich direkt daneben noch eines, noch eines und noch eines. Ich war auf eine Klee-Pflanze gestoßen, die mindestens zu einem Viertel Vierblatt-Klee produzierte. Sofort stellte ich die Pflanze unter meinen persönlichen Arten-Schutz. Es ist nun keine Frage mehr: Mein Hund zeigt mir den Weg des Glücks. Anke Weber

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Neue SN-Kolumne: Mein Landleben
  • Landleben ist trendy . Neuerdings hat sogar der Stadtmensch seine Liebe zum Land entdeckt und blättert sich sehnsüchtig durch die Hochglanz-Magazine. Anmutig schimmern da die Tautropfen auf prallen Beeren und die hochwertige Rosenschere mit Holzgriff liegt im aufgeräumten Schuppen.
  • Etwas anders stellt sich das Landleben in den Augen unserer Autorin Anke Webe r dar. Die SN-Journalistin hat schon immer auf dem Land gelebt und sieht in jeder üppig blühenden Blume auch den Dreck unter den Fingernägeln. Ihre Eindrücke vom Leben zwischen Steinhuder Meer, Deister und Wesergebirge schildert sie ab sofort jeden Sonnabend in der neuen SN-Kolumne „Mein Landleben“.