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Gülle-Ekstase

Mein Landleben Gülle-Ekstase

Die Landschaft hält viele Hindernisse bereit, wenn man sie mit einem noch nicht fertig erzogenen Hund durchwandert.

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Bei Gülle-Alarm und zur Brut- und Setzzeit geht es nur mit Leine vor die Tür.

Quelle: Anke Weber

Mein Landleben. Mein Hund geht jetzt schon bei Fuß und kommt, wenn ich ihn rufe. Aber nur, wenn rundherum nichts Interessanteres zu entdecken ist. Deshalb bevorzuge ich Wege mit guter Sicht. Tauchen Tiere oder Menschen auf, bleibt mir genug Zeit, die begrüßungsfreudige Dogge anzuleinen und sie mit Abstand am bewegten Material vorbeizuführen. Vorausschauend wandere ich also durch die Natur und sorge dafür, dass der Rüde in Griffweite ist. Im Vorausschauen bin ich Profi. Beim Vorausriechen versage ich dagegen jämmerlich.

Im Vergleich zum Hund ist der Mensch ja ein Geruchs-Legastheniker. Olfaktorische Hindernisse sind daher tückisch. So wie neulich, als sich mein Hund mit einem Sprung in das nächste Gebüsch verabschiedete, zu Boden warf und wälzte. Ich ging sofort zu ihm und nahm ihn an die Leine. Dennoch konnte ich nicht verhindern, dass er auch noch seine Schnauze samt Halsband und Leinen-Ansatz an einem Haufen rieb, der zwar harmlos aussah, sich aber als stinkende Quelle erwies. Das Junghund-Fell war großflächig mit Tierkot beschmiert und roch erbärmlich. Während ich sonst ganz scharf darauf bin, dass mein Hund auf Tuchfühlung neben mir geht, hatte ich den elendig langen Rückweg Mühe, den plötzlich anschmiegsamen Rüden von mir fern zu halten. Trotz sofortiger Waschung verfolgte mich eine Spur Restgeruch bis zum nächsten Tag. Zum Glück sind olfaktorische Überraschungen recht selten. Abgesehen von der Stink-Falle, in der ich mich aktuell befinde.

Es geht um frisch gejauchte Flächen am Hunde-Spazierweg. Mit einem beherzten Doggensprung werden sie von meinem Hund erobert. Er wälzt sich genüsslich auf ihnen und achtet akribisch darauf, jeden Millimeter seines Körpers mit dem gülledurchtränkten Erdboden in Berührung zu bringen. Die anschließende Wäsche ist mäßig erfolgreich. Auch die Wahl eines anderen Weges ist nicht hilfreich, da sich an jedem Weg mindestens eine gejauchte Fläche befindet. Einzige Rettung gegen erneute Gülle-Ekstase mit rituellen Wälzungen: Die Leine. Dank der Zwangsübungen in Leinenführigkeit bin ich jetzt natürlich bestens auf den Leinenzwang im Zuge der Brut- und Setzzeit vorbereitet. Trotz der Leine bleibt aber ein bisschen Restangst vor dem Doggensprung auf die nächste Gülle-Wiese – mein Hund kann nämlich sehr mitreißend sein.

Anke Weber

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Neue SN-Kolumne: Mein Landleben
  • Landleben ist trendy . Neuerdings hat sogar der Stadtmensch seine Liebe zum Land entdeckt und blättert sich sehnsüchtig durch die Hochglanz-Magazine. Anmutig schimmern da die Tautropfen auf prallen Beeren und die hochwertige Rosenschere mit Holzgriff liegt im aufgeräumten Schuppen.
  • Etwas anders stellt sich das Landleben in den Augen unserer Autorin Anke Webe r dar. Die SN-Journalistin hat schon immer auf dem Land gelebt und sieht in jeder üppig blühenden Blume auch den Dreck unter den Fingernägeln. Ihre Eindrücke vom Leben zwischen Steinhuder Meer, Deister und Wesergebirge schildert sie ab sofort jeden Sonnabend in der neuen SN-Kolumne „Mein Landleben“.