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Kalenderquatsch

Mein Landleben Kalenderquatsch

Bei einem Spaziergang durch den Wald bin ich vor ein paar Tagen über Glücksklee gestolpert. Es war dieser Klee, der zu Silvester überall in kleinen Töpfchen mit Schornsteinfeger oder Schweinchen verkauft wird. Noch vor zwei Wochen lagen an der Stelle nur Tannennadeln und Laub.

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Der Glücksklee blüht – das Naturjahr beginnt.

Quelle: Anke Weber

Von Anke Weber. Und plötzlich blüht dort frühlingssatt der grüne Glücksklee. Vierblättrigen Klee habe ich nicht entdeckt, aber irgendwie habe ich mich plötzlich gefragt, wie dieser Klee, der im April blüht, zu einem Winter-Glücksbringer geworden ist. Und warum der Jahreswechsel nicht viel passender im Frühling gefeiert wird.

Also ich fühle mich jedenfalls erst jetzt bereit für das neue Jahr. Noch niemals, und das beobachte ich seit Jahren, habe ich mich am ersten Januar zu einem Neustart berufen gefühlt. Ganz ehrlich – wer hat schon Lust, sich an einem grauen Wintermorgen ins Freie zu stürzen und durch die Kälte zu joggen? Ich will sowieso niemals joggen, aber ich habe am ersten Januar auch noch nie einen vergleichbaren Wunsch verspürt. Keine Anzeichen der Veränderungs- oder Neuanfangs-Lust bei mir im Winter. Absolute Fehlanzeige.

Erst wenn die Natur bereit ist, sich wieder zu entfalten, krieche auch ich aus meiner Winter-Lethargie und verspüre neuen Tatendrang. Das war dieses Jahr im März der Fall, als der Frühling mit aller Kraft über das Land hereinbrach. Sofort hatte ich ganz von selbst und ohne Kalender allerlei Vorsätze und tatsächlich auch die Energie, diese in die Tat umzusetzen. Und nun der Klee. Das muss ja wohl ein Zeichen sein.

Wer hat also ausgetüftelt, dass mitten im Winter ein neues Jahr beginnen soll? Das ist absolut unlogisch. Quasi naturentfremdet. Die gesamte Tierwelt beginnt im Frühjahr mit der neuen Zeitrechnung. Nestbau und so – alles Neuanfang. Nur wir Menschen sind mal wieder aus dem Rhythmus geraten, weil sich irgendwer was ausgedacht hat. Früher hat das neue Jahr nämlich wirklich im März begonnen. Und nichts anderes erscheint mir logisch. Tatsächlich dämmerte bei meinem Spaziergang dann auch so ein verschüttetes Wissen auf.

Da hatte mal jemand an der Zeitrechnung gedreht. Stichwort Kalenderreform des römischen Reichs. Sie gilt seit 153 nach Christi. Seitdem beginnt das neue Jahr mit dem Januar. Und seitdem ist der arme September, der ja eigentlich für die Sieben steht, erst der neunte Monat des Jahres. So ein Quatsch. Also ich werde mich jedenfalls niemals mehr zu Silvester mit irgendwelchen Vorsätzen beschäftigen. Neujahr feiere ich ab sofort nur noch, wenn ich naturgemäß dafür bereit bin – nämlich im Frühling, wenn der Glücksklee blüht.

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Neue SN-Kolumne: Mein Landleben
  • Landleben ist trendy . Neuerdings hat sogar der Stadtmensch seine Liebe zum Land entdeckt und blättert sich sehnsüchtig durch die Hochglanz-Magazine. Anmutig schimmern da die Tautropfen auf prallen Beeren und die hochwertige Rosenschere mit Holzgriff liegt im aufgeräumten Schuppen.
  • Etwas anders stellt sich das Landleben in den Augen unserer Autorin Anke Webe r dar. Die SN-Journalistin hat schon immer auf dem Land gelebt und sieht in jeder üppig blühenden Blume auch den Dreck unter den Fingernägeln. Ihre Eindrücke vom Leben zwischen Steinhuder Meer, Deister und Wesergebirge schildert sie ab sofort jeden Sonnabend in der neuen SN-Kolumne „Mein Landleben“.