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Kids und gelbe Enten

Mein Landleben Kids und gelbe Enten

Ein großes Nachrichtenmagazin veröffentlicht im Internet regelmäßig missglückte Prüfungs-Antworten von Schülern. Obwohl die Antworten eher ein trauriges Bild abgeben, will ich beim Lesen immer spontan Lehrerin werden, weil die Gedankengänge der Schüler irgendwie erfrischend sind.

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Wie heißen die Nachkommen des Rehs?

Quelle: Weber

Vor so viel Phantasie ziehe ich den Hut.

 Dass die Jugend besonders im Bereich Biologie und Natur eine erstaunliche Wahrnehmung an den Tag legt, ist kein Geheimnis. Zwar denken Stadtkinder nicht wirklich, dass Kühe lila sind, dennoch sind viele der Überzeugung, dass Enten gelb und Mehl und Kartoffeln Getreidesorten sind. Wirklich verwirrend scheinen aber bestimmte Begriffe für Schüler zu sein. Und an dieses Phänomen erinnere ich mich selbst auch noch sehr gut. Deshalb finde ich es gar nicht so merkwürdig, dass ein Grundschüler meint, das ungeborene Kind im Mutterleib wäre ein „Sombrero“.

 Grenzwertiger ist da schon der Berufsschüler, der glaubt, dass „Salmonellen“ die kleinen Fische auf seiner Pizza seien. Aber auch ich hatte noch als Erwachsene Schwierigkeiten mit einigen Begriffen der deutschen Sprache. Besonders, als ich plötzlich mit Jägern in Berührung kam. Die hatte ich früher nur mit zugehaltenen Ohren vom Fenster aus beobachtet. Und plötzlich war ich mitten zwischen ihnen und wunderte mich, warum sie mit dem Hund „Schweiß“ aufspüren wollten, wenn sie ein Tier angeschossen hatten.

 Schweiß? Ich fragte mich damals tatsächlich, ob angeschossene Tiere so stark schwitzen. Heute frage ich mich eher, warum in der Jagd so sehr um die klare Benennung herumgetänzelt wird. Warum heißt es nicht einfach Blut? Ist Blut zu anstößig? Und wer hat sich diese merkwürdige Umschreibung für einen Reh-Arsch ausgedacht: „Spiegel“?

 Ich bin für Klarheit in der Sprache. Und Deutschlands Schüler offenbar auch. Auf die Frage „Wie heißen die Nachkommen des Rehs?“ antwortete ein Fünftklässler am Gymnasium: „Reh-Kids.“ Ich finde das logisch. Der Junge kann einfach gut Englisch. Und irgendwie erscheint „Reh-Kids“ ja auch intelligenter als „Bambi“. In Sachen Ideenfindung bei der Beantwortung von Fragen bekommen die Schüler von mir jedenfalls die Bestnote. Hoch lebe die Phantasie.

 Allerdings wirft die Phantasie auch viele Fragen auf. Seit ich dieses in englischer Variante neu buchstabierte Wort für Reh-Nachkommen im Kopf habe, denke ich die ganze Zeit über das gleichklingende Pärchen nach und frage mich: Sind Kids und Kitz jetzt eigentlich ein Teekesselchen?

von Anke Weber

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Neue SN-Kolumne: Mein Landleben
  • Landleben ist trendy . Neuerdings hat sogar der Stadtmensch seine Liebe zum Land entdeckt und blättert sich sehnsüchtig durch die Hochglanz-Magazine. Anmutig schimmern da die Tautropfen auf prallen Beeren und die hochwertige Rosenschere mit Holzgriff liegt im aufgeräumten Schuppen.
  • Etwas anders stellt sich das Landleben in den Augen unserer Autorin Anke Webe r dar. Die SN-Journalistin hat schon immer auf dem Land gelebt und sieht in jeder üppig blühenden Blume auch den Dreck unter den Fingernägeln. Ihre Eindrücke vom Leben zwischen Steinhuder Meer, Deister und Wesergebirge schildert sie ab sofort jeden Sonnabend in der neuen SN-Kolumne „Mein Landleben“.