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Lametta-Wehmut

Mein Landleben Lametta-Wehmut

Der Frage, wie sich die Früher-war-mehr-Lametta-Generation das Fest trotz Arbeit und Vorbereitung beschaulich gestalten kann, geht Anke Weber in ihrer Kolummne nach.

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Anke Weber verlagert den besinnlichen Genuss auf die Vorweihnachtsabende.

Quelle: Weber

Von Anke Weber

Früher war mehr Lametta. Sagen ja immer alle. Allerdings hängt diese Mehr-Lametta-Wehmut sehr vom Alter ab. Kinder und Jugendliche empfinden das ganz anders. Sie lieben Weihnachten mit Glanz und Glitzer, mit Plätzchen-Duft und raschelndem Papier. Ihr Weihnachten ist genauso voller prickelnder Vorfreude und verklärter Romantik, wie damals das Fest derer, die nun selbst die Vorbereitungen treffen.
Ich gehöre zur Generation Früher-war-mehr-Lametta. Meine Mutter war pingelig mit den Glitzer-Streifen - sie mussten immer gleich lang sein. Die Kugeln waren silber. Die Kerzen echt. Der Weihnachtsmann klingelte an der Tür. Ich sah ihn nie. Vor der Bescherung läutete ein Glöckchen. Und im Anblick des beeindruckenden Baumes und der Geschenke wurde meine Geduld noch mit dem Gesang von „Schneeflöckchen, Weißröckchen“ auf die Probe gestellt. Unauffällig scannte ich nebenbei die Päckchen. War das Große für mich? Meine Oma bestand auf ein zweites Lied: „Stille Nacht“. Das war mir zu unfröhlich. Und dann kam noch „O du fröhliche“. Das heißt zwar so, klingt aber auch nicht fröhlicher. Wir sangen trotzdem. Schon der Generation Früher-waren-mehr-Lieder zuliebe. Sogar ein Gedicht sagte ich noch auf, bevor ich endlich die Geschenke auspacken durfte. Ich glaube nicht, dass sich das Weihnachtsgefühl der heutigen Kinder von meinem damals sehr unterscheidet. Jede Familie hat ihre eigenen Rituale, und bevor es Geschenke gibt, müssen diverse Geduldsproben überstanden werden. Keine Ahnung, woran sich die nachwachsenden Generationen eines Tages mit Wehmut erinnern werden. Aber sie werden ihre eigene Früher-war-mehr-Wehmut haben.
Die Frage ist vielmehr, wie sich die heutige Früher-war-mehr-Lametta-Generation das Fest beschaulich gestalten kann – bei all der Arbeit und Vorbereitung, die dahinter steckt. Ich habe dieses Jahr begonnen, die Vor-Festtage zu zelebrieren. Ich wandere in der Dämmerung mit dem Hund durch die Felder, beobachte die Pferde auf der Weide beim Heufressen und koche mir anschließend einen Glühwein. Damit setze ich mich vor den Ofen – heilige Abende. Und den Weihnachtsbaum stelle ich dieses Jahr auch ein bisschen früher auf. Besinnlicher Genuss für die Vorweihnachtsabende. Vielleicht lege ich mir sogar mal ein kleines Geschenk unter den Baum. Dinge, an denen ich beim Weihnachtseinkauf nicht vorbeigehen konnte. Geschenke für mich. Das wird ein Fest.

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Neue SN-Kolumne: Mein Landleben
  • Landleben ist trendy . Neuerdings hat sogar der Stadtmensch seine Liebe zum Land entdeckt und blättert sich sehnsüchtig durch die Hochglanz-Magazine. Anmutig schimmern da die Tautropfen auf prallen Beeren und die hochwertige Rosenschere mit Holzgriff liegt im aufgeräumten Schuppen.
  • Etwas anders stellt sich das Landleben in den Augen unserer Autorin Anke Webe r dar. Die SN-Journalistin hat schon immer auf dem Land gelebt und sieht in jeder üppig blühenden Blume auch den Dreck unter den Fingernägeln. Ihre Eindrücke vom Leben zwischen Steinhuder Meer, Deister und Wesergebirge schildert sie ab sofort jeden Sonnabend in der neuen SN-Kolumne „Mein Landleben“.