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Mein Landleben Starthilfe

Es ist Mai und es ist endlich warm. Im Garten leuchtet alles – gelbe, violette, weiße und blaue Blüten in Töpfen und irgendwo im Rasen. Und es summt und brummt überall. Dieser Gute-Laune-Cocktail muss bewundert und eingeatmet werden. Also wandere ich immer wieder vom Schreibtisch vor die Tür und erfreue mich am Frühling.

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Zuckerwasser – Energie-Drink für entkräftete Hummeln und Bienen.

Quelle: Anke Weber

Die Haustür bleibt die meiste Zeit geöffnet. Das ist schön, aber gleichzeitig auch ein kleines Drama. Am Abend, wenn ich die Tür wieder schließe, höre ich nämlich immer noch das Gesurre und Gebrumme vieler Insekten. Es sind die, die sich im Laufe des Tages in meinen Flur verirrt haben. Vergebens versuchen sie, die geschlossene Fensterfront zu überwinden. Sogar wenn ich ihnen die Fenster öffne, bleiben sie am Glas kleben und kapieren nicht, dass die Freiheit nur einen Flug-Bogen entfernt ist.
Weil ich kein Insektengrab in meiner Fensterbank haben möchte, versuche ich die kleinen Flugtiere zu retten. Mit Hilfe von Postkarten oder Briefumschlägen weise ich ihnen den Weg ins Freie. Es ist erstaunlich, mit welcher Penetranz sie die falsche Seite der Fensterscheibe bevorzugen. Eine dicke Hummel tat mir besonders leid. Sie hockte auf der Fensterbank und schien dem Tod bereits nahe. Ich wusste, dass es sich um eine junge Königin handeln musste. Das hatte ich erst kürzlich auf der Internetseite des Naturschutzbunds Deutschland gelesen. Alle anderen Hummeln sterben nämlich im Herbst. Und deshalb ist jede Jungkönigin sehr bedeutend und trägt die Zukunft eines ganzen Hummel-Staates auf ihren Flügeln. Denn das ist im Frühjahr die Aufgabe der Jungköniginnen – einen neuen Staat zu gründen. Weil sie nach dem Winter häufig entkräftet sind, soll man ihnen mit einem Löffel Zuckerwasser wieder auf die Beine helfen. Ich habe das gemacht. Aber meine Fensterbank-Hummel hat sich immer wieder von dem Löffel weggeschleppt. Als hätte ich ihr Gift angeboten. Meine Geduld ist begrenzt. Ich ließ den Löffel mit dem Energie-Drink in der Fensterbank liegen und kehrte der Hummel den Rücken. Jeder ist seines eigenes Glückes Schmied.
Eine Weile später war die Hummel weg. Ausgeflogen, hoffe ich. Kurz fühlte ich mich selbst wie eine Königin. Möglicherweise hatte ich einen künftigen Hummel-Staat gerettet. Aber mein Glück war nur von kurzer Dauer. Am nächsten Tag hockten mehrere Bienen ausgelaugt in meiner Flur-Fensterbank. Was Königinnen wieder fit macht, musste ja wohl auch für Arbeitsbienen wohltuend sein. Sofort stellte ich einen Löffel Wunder-Elixier bereit und nach kurzer Zeit waren alle Bienen verschwunden. Also bei mir gibt es jetzt auch täglich Energie für das Volk.

Von Anke Weber

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Neue SN-Kolumne: Mein Landleben
  • Landleben ist trendy . Neuerdings hat sogar der Stadtmensch seine Liebe zum Land entdeckt und blättert sich sehnsüchtig durch die Hochglanz-Magazine. Anmutig schimmern da die Tautropfen auf prallen Beeren und die hochwertige Rosenschere mit Holzgriff liegt im aufgeräumten Schuppen.
  • Etwas anders stellt sich das Landleben in den Augen unserer Autorin Anke Webe r dar. Die SN-Journalistin hat schon immer auf dem Land gelebt und sieht in jeder üppig blühenden Blume auch den Dreck unter den Fingernägeln. Ihre Eindrücke vom Leben zwischen Steinhuder Meer, Deister und Wesergebirge schildert sie ab sofort jeden Sonnabend in der neuen SN-Kolumne „Mein Landleben“.