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Mit Fröschen schwimmen

Mein Landleben Mit Fröschen schwimmen

Mein Mann hat einen Teich. Einst war er zum Schwimmen ideal. Ein paar Pflanzen drum herum und viel klares Wasser. Die Kinder hatten großen Spaß mit dem Teich. Im Winter mit Schlittschuhen. Im Sommer mit Boot und Luftmatratze. Auch geschwommen sind sie. Und vom Steg gesprungen. Selbst den Erwachsenen diente das kleine Gewässer bei Hitze zur Abkühlung.

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Die Kinder wurden größer, gingen lieber in Schwimmbäder. Aus dem Teich wurde ein Biotop. Heute leben Frösche und Molche dort. Zum Schwimmen lädt mich der Teich nicht mehr ein. Aber ich lege mich gerne zum Fotografieren auf die Lauer. Jetzt, im Sommer, dösen Frösche auf den Steinen in der Sonne. Oder warten auf vorbeifliegende Nahrung. Wenn ich mich dem Teich nähere, sehe und höre ich all die verkappten Prinzen ins Wasser springen. Plopp, plopp, plopp.

Mein kleiner Hundewelpe ist daran sehr interessiert. An Wasser allerdings weniger. Deshalb gebe ich mir viel Mühe, ihn an das Element heranzuführen. Mein Mann meinte, ich könne ja eine Runde im Teich schwimmen. Dann würde der Hund schon folgen. Empört erklärte ich, dass man in dem Teich schon lange nicht mehr schwimmen könne. Um dem Welpen das Wasser dennoch schmackhaft zu machen, habe ich mich stattdessen auf den Steg gesetzt und mit den Füßen im Wasser geplanscht.

Sofort ahmte mich der kleine Rüde nach und versuchte, seine Pfote ins Wasser zu tunken. Den Abstand zwischen Steg und Wasseroberfläche zu berechnen, versäumte er. Kopfüber plumpste er ins Wasser. Mein Ziel war erreicht – er schwamm. Und quiekte. Deshalb musste ich ihn retten. Schnell rannte ich zu einer flachen Stelle, um ihn an Land zu ziehen. Dabei rutschte ich ab und landete ebenfalls im Wasser. Wer hatte eigentlich behauptet, dass man in dem Teich nicht schwimmen kann?

Der Hund macht seitdem einen Bogen um den Teich. Mir dagegen hat die Abkühlung gut gefallen. Neue Prinzen sind nicht zum Vorschein gekommen. Aber am Ufer stand längst einer, der uns beide gerettet hat. Obwohl wir etwas modrig gerochen haben. Das nennt man wohl Liebe.

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Neue SN-Kolumne: Mein Landleben
  • Landleben ist trendy . Neuerdings hat sogar der Stadtmensch seine Liebe zum Land entdeckt und blättert sich sehnsüchtig durch die Hochglanz-Magazine. Anmutig schimmern da die Tautropfen auf prallen Beeren und die hochwertige Rosenschere mit Holzgriff liegt im aufgeräumten Schuppen.
  • Etwas anders stellt sich das Landleben in den Augen unserer Autorin Anke Webe r dar. Die SN-Journalistin hat schon immer auf dem Land gelebt und sieht in jeder üppig blühenden Blume auch den Dreck unter den Fingernägeln. Ihre Eindrücke vom Leben zwischen Steinhuder Meer, Deister und Wesergebirge schildert sie ab sofort jeden Sonnabend in der neuen SN-Kolumne „Mein Landleben“.