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Mit Spaß beregnet

Mein Landleben Mit Spaß beregnet

Es war heiß. Endlich Sommer. Mein Hund fand auch alles heiß. Nicht nur die Temperaturen. Vielmehr eigentlich die Hitze der Nachbarhündin. Beide Umstände machen Hundespaziergänge schwierig. Ich musste dringend meine Routine ändern.

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Keine Chance, dieser Beregnungsanlage zu entkommen.

Quelle: Anke Weber

Temperaturbedingt begann ich, das für diese Aktivität einzig akzeptable Zeitfenster zu nutzen – den frühen Morgen. Und wegen der läufigen Hündin, vor deren Revier mein Rüde jedes Mal bockig stehen blieb und sich nicht mehr vom Fleck bewegte, machte ich einen Bogen um den besagten Hof. Einfach mal andere Wege gehen – die beste Strategie, um Abwechslung in den Alltag zu bringen. Bequemlichkeit verhindert ja oft die schönsten Erlebnisse. Aber manchmal wird man gezwungen, die Bequemlichkeit aufzugeben.

Mich haben Sommerhitze und eine läufige Hündin jedenfalls vom bequemen Hundepfad auf einen neuen Weg geführt. Die Morgensonne bot mir ein selten romantisches Bild, indem sie spektakulär durch die Baumwipfel schien. Mein Hund, endlich halbwegs dem Dunstkreis der läufigen Gefährtin entronnen, trabte entspannt neben mir her. Auf dem Rückweg brannte die Sonne bereits auf der Haut.

Sowieso hatte sich hinter unserem Rücken einiges getan. Ich hörte Stimmen jenseits des hohen Maisfeldes. Zur Sicherheit nahm ich meinen Hund an die Leine. Plötzlich schoss vor mir eine Wasser-Fontaine hoch. Jemand hatte eine Beregnungsanlage angestellt. Der riesige Wasserstrahl bewässerte nicht nur das Feld, sondern auch ein langes Stück Straße. Es gab keine Chance, das Straßenstück trocken zu passieren.

Der Hund blickte halb neugierig, halb ängstlich auf den rotierenden Strahl. Ich wartete den günstigsten Augenblick ab und rannte mit dem Rüden an der Leine los. Während mir klar war, dass der Wasserstrahl uns irgendwo erwischen würde, war mein Hund völlig ahnungslos. Erschrocken machte er einen Satz nach vorne, als sich der Wasserschwall über uns ergoss. Ich schlitterte über den Asphalt und schürfte mir wie ein Kleinkind Knie, Hände und Ellbogen auf. Vorsichtig untersuchte ich meine Wunden. Dann wässerte uns die Fontaine erneut.

Wir waren komplett durchnässt. Also war alles sowieso egal. Ich befreite den Hund von der Leine, zog meine Schuhe aus und hüpfte unter den heftigen Duscheinheiten der Beregnungsanlage herum. Dieses kleine Erlebnis war der größte Spaß des ganzen Tages. Und jedes Mal, wenn ich meine verschorften Knie ansehe, muss ich grinsen. Das Ändern der Routine hatte mich mit einem ganzen Schwall Kinderspaß beregnet und erfrischt. Weber

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Neue SN-Kolumne: Mein Landleben
  • Landleben ist trendy . Neuerdings hat sogar der Stadtmensch seine Liebe zum Land entdeckt und blättert sich sehnsüchtig durch die Hochglanz-Magazine. Anmutig schimmern da die Tautropfen auf prallen Beeren und die hochwertige Rosenschere mit Holzgriff liegt im aufgeräumten Schuppen.
  • Etwas anders stellt sich das Landleben in den Augen unserer Autorin Anke Webe r dar. Die SN-Journalistin hat schon immer auf dem Land gelebt und sieht in jeder üppig blühenden Blume auch den Dreck unter den Fingernägeln. Ihre Eindrücke vom Leben zwischen Steinhuder Meer, Deister und Wesergebirge schildert sie ab sofort jeden Sonnabend in der neuen SN-Kolumne „Mein Landleben“.