Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -6 ° wolkig

Navigation:
Müll aufspüren

Mein Landleben Müll aufspüren

Es dauert nicht mehr lange, dann führen die Gemeinden wieder ihre Frühjahrsputz-Aktionen durch und Freiwillige befreien Wälder und Feldränder vom Müll.

Voriger Artikel
Matsch mit Glückspotenzial
Nächster Artikel
Frühlingsgefühle

Müllsammeln macht Spaß.

Quelle: Anke Weber

Mein Landleben. Mein Hund hat schon mal angefangen und stöbert beim Spaziergang sämtliche Taschentücher und Plastikfetzen auf. Während ich sinniere, ob das eigentlich erwünschtes Verhalten ist, wundere ich mich, wie viel Müll die Leute in der Natur verteilen. Normalerweise trage ich beim Spazierengehen keine Müllsammel-Behälter bei mir. Wohin also mit den verwitterten Handgelenks-Schonern, der verschlammten Mütze, unzähligen Plastikverpackungen und den Getränkedosen?
Meistens lege ich die Sachen an den Wegesrand, um sie auf dem Rückweg mitzunehmen und zu Hause in die Tonne zu werfen. Das findet mein junger Rüde lustig, weil er die Fundstücke dann immer neu entdecken kann. Bis zur heimischen Mülltonne brauche ich sehr viel Geduld. Besonders großes Engagement zeigt die Dogge an Bächen und Teichen. Zielstrebig findet sie jede Flasche, taucht aufopferungsvoll nach ihr und wirft mir die Beute vor die Füße. Bei der ersten verschlossenen Glasflasche dachte ich noch aufgeregt an eine Flaschenpost. Fehlanzeige. Dann kam ich auf die Idee, meinen Müllsammel-Hund zu einer Geldquelle zu machen und Flaschenpfand zu kassieren. Aber es sind alles alte Flaschen. Ohne Etikett und Pfandwert. Dennoch – ich trage auch die Flaschen nach Hause und entsorge sie. Bestmögliche Unterstützung für meinen vierbeinigen Umwelt-Aktivisten. Natürlich muss vorbildliches Hunde-Verhalten belohnt werden. Und da gibt es in den nächsten Tagen ausreichend Gelegenheit.  
Heute ist zum Beispiel der Liebe-dein-Haustier-Tag. Ich habe Dauerkraulen vorgesehen. Montag ist Gassi-gehen-Tag. Jedenfalls in Amerika. Aber wir feiern ja inzwischen sowieso alles, was die Amerikaner sich ausgedacht haben. Also plane ich eine riesige Sonder-Gassi-Runde ein. Am Dienstag folgt dann der Tag des Hundekuchens. Normalerweise endet Kuchenbacken bei mir in einer Katastrophe. Aber mein vierbeiniger Umweltschützer hat echten Einsatz verdient. Einen ganzen Nachmittag habe ich in der Küche gestanden und Hundekekse in Herzform produziert. Gekostet habe ich nicht. Aber optisch und olfaktorisch sind die Kekse ein Erfolg. Allerdings bin ich jetzt ins Grübeln über Verhältnismäßigkeit gekommen. Letztes Wochenende war ja Valentinstag und ich habe meinem Mann nur ein Herz in die Frostschicht seiner Autoscheibe gekratzt. Bin ich etwa der Beweis, dass Frauen ihre Hunde mehr lieben als ihre Männer?
Anke Weber

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Möchten Sie uns zu diesem Artikel Ihre Meinung sagen? Dann schicken Sie uns einen Leserbrief.

Leserbrief schreiben
Neue SN-Kolumne: Mein Landleben
  • Landleben ist trendy . Neuerdings hat sogar der Stadtmensch seine Liebe zum Land entdeckt und blättert sich sehnsüchtig durch die Hochglanz-Magazine. Anmutig schimmern da die Tautropfen auf prallen Beeren und die hochwertige Rosenschere mit Holzgriff liegt im aufgeräumten Schuppen.
  • Etwas anders stellt sich das Landleben in den Augen unserer Autorin Anke Webe r dar. Die SN-Journalistin hat schon immer auf dem Land gelebt und sieht in jeder üppig blühenden Blume auch den Dreck unter den Fingernägeln. Ihre Eindrücke vom Leben zwischen Steinhuder Meer, Deister und Wesergebirge schildert sie ab sofort jeden Sonnabend in der neuen SN-Kolumne „Mein Landleben“.