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Neue Bräuche braucht das Land!

Landkreis / Verbindung zwischen Weihnachten und Silvester Neue Bräuche braucht das Land!

Silvester soll es knallen. Bei den meisten jedenfalls. Mich lässt Silvester ziemlich kalt. Bin ich irgendwo eingeladen, dann gehe ich hin. Ansonsten reicht mir auch das Sofa. Etwas anders verhält es sich mit Weihnachten. Von übertriebenem Glitzerglanz und Backwahnsinn bin ich weit entfernt, dennoch zieht die Weihnachts-Magie, je näher das Fest rückt, auch mich in ihren Bann.

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Weihnachtsbaumkugeln als Zielscheibe: Daraus könnte ein stimmungsvoller Weihnachtsbrauch auf dem Land werden. 

Quelle: Weber

Von Anke Weber

Landkreis. Ich schwanke zwischen geschenkpapierknisternder Vorfreude und Genervtsein, zwischen Gemütlichkeit und dem Doch-noch-mal-in-die-Stadt-Gehetze. Ich möchte auf den Weihnachtsmarkt, aber es darf bitte nicht zu voll sein. Geschenke möchte ich in Ruhe aussuchen, gerate dann kurz vor Weihnachten – wie die meisten Menschen – doch wieder in Zeitnot. Aber es gibt einen Brauch, der meinem Weihnachts-Zwiespalt exakt gerecht wird: Glitterballshooting.

Glitterballshooting ist gleichermaßen stimmungsvoll und zerstörerisch. Ein Freund von mir hat mich vor Jahren erstmals zu dieser lustigen Veranstaltung eingeladen. Er ist Künstler. Und richtig gute Künstler haben ja oft auch richtig gute Ideen. Zu diesen gehört für mich auf jeden Fall auch das Glitterballshooting von Hannes Malte Mahler. Es geht ganz einfach: Ein großer Weihnachtsbaum wird in passenden Räumlichkeiten aufgestellt. In diesem Jahr war es die Kestnergesellschaft in Hannover, also ein Kunstmuseum.

Dann kommen die Gäste, bekommen ein Luftgewehr in die Hand gedrückt und dürfen abwechselnd so lange auf die Christbaumkugeln schießen, bis die ganze Installation zur Strecke gebracht ist und der Baum am Boden liegt. Am Anfang sieht alles sehr feierlich aus – ein stattlicher Tannenbaum mit ganz vielen Kugeln und Glitzer. Am Ende sieht alles sehr destruktiv aus – ein zerfledderter Baum und sehr viele bunte Scherben. Aber so ist Weihnachten. Ganz genau so. Deshalb ist es die ehrlichste Vorweihnachtsfeier, die ich kenne. Und deshalb lasse ich es nicht Silvester knallen, sondern kurz vor Weihnachten.

Dieses Jahr habe ich keine Kugel getroffen. Obwohl ich Jagdscheininhaberin bin und gar nicht so schlecht schießen kann. Tatsächlich habe ich meinen Jagdschein aber mehr wegen der Hundeausbildung gemacht, und jagdlich geschossen habe ich seit vielen Jahren nicht mehr. Ich bin also aus der Übung. Außerdem war eine Fernsehkamera auf die schießenden Gäste gerichtet. Das hat mich irritiert, denn ich war gar nicht scharf darauf, mich am nächsten Tag mit meinen gescheiterten Versuchen in einer regionalen Sendung zu entdecken.

Da stand ich nun ein bisschen verloren im Kunsttrubel, sah den Weihnachtskugeln beim Zersplittern zu und dachte mir, dass diese Veranstaltung doch eigentlich aufs Land gehört. In eine Scheune mit Strohballen. Und wieso muss eigentlich erst ein Künstler kommen und diese geniale Idee haben? Es gibt doch auch Schützenvereine!

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Neue SN-Kolumne: Mein Landleben
  • Landleben ist trendy . Neuerdings hat sogar der Stadtmensch seine Liebe zum Land entdeckt und blättert sich sehnsüchtig durch die Hochglanz-Magazine. Anmutig schimmern da die Tautropfen auf prallen Beeren und die hochwertige Rosenschere mit Holzgriff liegt im aufgeräumten Schuppen.
  • Etwas anders stellt sich das Landleben in den Augen unserer Autorin Anke Webe r dar. Die SN-Journalistin hat schon immer auf dem Land gelebt und sieht in jeder üppig blühenden Blume auch den Dreck unter den Fingernägeln. Ihre Eindrücke vom Leben zwischen Steinhuder Meer, Deister und Wesergebirge schildert sie ab sofort jeden Sonnabend in der neuen SN-Kolumne „Mein Landleben“.