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November-Blockade

Mein Landleben November-Blockade

November, du miese Sau! Kalt, neblig, ungemütlich, unwirtlich, nass, windig und grau. Ja, ich will dich beschimpfen. Wen sonst? Der Februar ist ja gerade nicht zugegen. Wie soll man sich in diesem schwermütigen und dunklen November nur Lust und Laune bewahren?

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Unersetzlich

Grau und neblig – der November ist ein trübsinniger Geselle.

Quelle: Anke Weber

Landkreis. Von Anke Weber

Weil ich ein unglaublicher Frostköttel bin, habe ich mir angewöhnt, sämtliche Schritte vor die Tür zu reduzieren. Die Schwelle, mich dem November unter freiem Himmel auszuliefern, ist so hoch, dass ich Dinge vor mir herschiebe, um nicht ins Kalte zu müssen. Es gab zum Beispiel ein paar perfekte Tage für die Grabpflege. Ich weiß nicht, worauf ich gewartet habe. Jedenfalls nicht auf besseres Wetter. Der Realistin in mir war vollkommen klar, dass es keine positive Steigerung geben würde. Irgendwie hoffte ich vielleicht darauf, die Kälte an einem anderen Tag angenehmer zu finden. Das passierte natürlich nicht. Und deshalb fuhr ich erst unter der Last meines schlechten Gewissens zum Friedhof. Zu diesem Zeitpunkt war die Erde gefroren und ich ackerte mich regelrecht ab.

Das Laub war verschwunden

Außerdem war da noch die Sache mit dem Laub. Das wollte ich längst beseitigt haben, aber es war ja so kalt. Und dann das Wunder – das Laub war verschwunden. Komplett vom Schnee bedeckt. Astrein. Thema erledigt. Ich konnte einfach im Warmen bleiben. Allerdings nur ganz kurz. Dann kam das Laub wieder zum Vorschein. Also habe ich mich nach einem Hundespaziergang zusammengerissen und geharkt. Das war nicht einfach, weil mein junger Hund immer in den Rechen gebissen und jede Hark-Bewegung quasi unmöglich gemacht hat. Dennoch entstanden riesige Laubhaufen. Bis mein Nachbar kam. Zum Glück. Ich hatte nämlich sowieso keine Lust mehr. Als der Nachbar wieder fuhr, dämmerte es bereits. Ich fragte mich, wie lange es wohl gut gehen würde, mit meinen Laubhaufen und dem Wind, ging aber trotzdem ins warme Haus. Nur einmal guckte ich noch aus dem Fenster – auf der Suche nach dem Supermond. Aber natürlich war der Himmel grau verhangen. Blöder November.

Warten auf das Monatsende

Am nächsten Morgen stürzte sich mein Hund voller Spielfreude mit seinem Ball in meine Laubhaufen. Ganz ohne Wind sah mein Garten aus, als hätte ich nie geharkt. Es war Zeit für einen heißen Kakao auf dem Sofa. Wahrscheinlich bleibe ich da auch, starre auf das Laub und warte, dass der November endlich endet. Diese Kälteblockade samt daraus folgendem Ärger über mich selbst macht einfach keinen Spaß. Aber ich hege noch Hoffnung in Sachen Laub. Vielleicht schneit es ja bald wieder. Ist ja schließlich November.

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Neue SN-Kolumne: Mein Landleben
  • Landleben ist trendy . Neuerdings hat sogar der Stadtmensch seine Liebe zum Land entdeckt und blättert sich sehnsüchtig durch die Hochglanz-Magazine. Anmutig schimmern da die Tautropfen auf prallen Beeren und die hochwertige Rosenschere mit Holzgriff liegt im aufgeräumten Schuppen.
  • Etwas anders stellt sich das Landleben in den Augen unserer Autorin Anke Webe r dar. Die SN-Journalistin hat schon immer auf dem Land gelebt und sieht in jeder üppig blühenden Blume auch den Dreck unter den Fingernägeln. Ihre Eindrücke vom Leben zwischen Steinhuder Meer, Deister und Wesergebirge schildert sie ab sofort jeden Sonnabend in der neuen SN-Kolumne „Mein Landleben“.