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Ostern und die Eier

Mein Landleben Ostern und die Eier

Bald ist Ostern. Ein Fest, über das man sich so manche Gedanken machen kann. Einmal abgesehen davon, dass Ostern zeitlich nach dem Mondkalender gefeiert wird und es irgendwie merkwürdig ist, dass sich so konkrete Daten wie Sterbetage Jahr für Jahr verschieben, kam ich früher auch mit den Hasen und den Eiern nicht so richtig klar.

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Hühner-Idylle auf dem Kleinbauernhof. 

Quelle: Weber

Als Kind hatte ich dieses Buch mit dem Titel „Die Häschenschule“. Damals glaubte ich, dass Osterhasen die Eier anmalen. Woher die Eier kamen, das wusste ich - mein Opa hatte Hühner. Aber wie die Hasen an die Eier kamen und diese transportierten, blieb mir ein Rätsel.

Später half ich meiner Mutter und meiner Oma beim Färben der Eier. Das muss ungefähr zu der Zeit gewesen sein, als ich auch meinen Glauben an den Weihnachtsmann verlor. Danach hatte ich es kapiert. Vor Ostern müssen sehr viele Menschen sehr viele Eier bemalen. Und sehr viele Hühner sehr viele Eier legen. Denn Ostern dreht sich alles um das Ei. Überwiegend auch um das Schokoladen-Ei. Aber eben auch um das Hühner-Ei. Fast jeder macht bei dieser Fest-Symbolik mit. Ich sowieso. Mein Vater und ich haben früher ein wahres Wettessen veranstaltet und tatsächlich bin ich in der Lage, an den beiden Ostertagen jeweils bis zu zehn Hühnereier zu verspeisen. Ein festbedingter Ausnahmezustand, da ich Eier sonst nur sehr sparsam verwende. Ich kaufe sie bei den Bauern um mich herum. Dort, wo ich die Hühner im Garten scharren sehe. Aber man muss ja auch mal über den Tellerrand schauen. Ich weiß also sehr wohl, dass nicht alle Hühner in dieser Kleinbauern-Idylle leben. Dass es aber noch ein Leben nach der Legebatterie gibt, wusste ich nicht. Davon hat mir neulich eine Bekannte erzählt.

Diese Bekannte hat selbst ein paar Hühner. Alles ehemalige Legehennen, die normalerweise am Ende ihrer Karriere, der sogenannten Ausstallung, auf dem Schlachthof gelandet wären. Denn Legehennen werden nach etwa einem Jahr in Großbetrieben ausgemustert. Die Hühner legen dann nicht mehr genug Eier und werden durch neue Legehennen ersetzt. Die Initiative „Rettet das Huhn“ übernimmt von Großbetrieben die ausgemusterten Hennen und vermittelt sie an Leute weiter, die den Hühnern noch einen schönen und artgerechten Lebensabend bieten. Im Gegenzug legen die Hennen auch noch ein paar Eier. Allerdings nicht mehr so viele wie zuvor. Jedenfalls überlege ich jetzt, da ich sowieso schon weiß, dass Ostern viel mehr mit Hühnern als mit Hasen zu tun hat, ob ich zu Ostern nicht einfach mal ein paar Hühner rette.

Von Anke Weber

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Neue SN-Kolumne: Mein Landleben
  • Landleben ist trendy . Neuerdings hat sogar der Stadtmensch seine Liebe zum Land entdeckt und blättert sich sehnsüchtig durch die Hochglanz-Magazine. Anmutig schimmern da die Tautropfen auf prallen Beeren und die hochwertige Rosenschere mit Holzgriff liegt im aufgeräumten Schuppen.
  • Etwas anders stellt sich das Landleben in den Augen unserer Autorin Anke Webe r dar. Die SN-Journalistin hat schon immer auf dem Land gelebt und sieht in jeder üppig blühenden Blume auch den Dreck unter den Fingernägeln. Ihre Eindrücke vom Leben zwischen Steinhuder Meer, Deister und Wesergebirge schildert sie ab sofort jeden Sonnabend in der neuen SN-Kolumne „Mein Landleben“.