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Landleben-Kolumne Parallel-Welten

Ich habe ein Stück vom Winter geschwänzt und bin mit meiner Familie ins warme Afrika geflogen. Störche machen das schließlich auch. Im Gegensatz zu den Störchen habe ich aber nur einen knappen Monat ausgespart und mich fliegen lassen.

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Landleben-Kolumnistin Anke Weber

Quelle: Archiv

LANDKREIS. Von Anke Weber

Zuerst nach Namibia, dann nach Südafrika. In Namibia hatte es gerade geregnet und der Weg zu unserem ersten Ziel, einer Farm im mittleren Teil des Landes, war gesäumt von gelben Blumen am Rande des üppig grünenden Buschlandes. Hunderte bunter Schmetterlinge tummelten sich entlang des Weges an Rest-Pfützen. Abgesehen von der rostrot leuchtenden Erde, schien alles sehr vertraut. Eine Art Rapsfeld-Landschaft. Quasi Niedersachsen im Mai. Dachte ich für einen kurzen Moment. Bis ich die Paviane am Wegesrand sah.

 Auf der Farm stürmte mir eine große schwarze Dogge entgegen und schleckte mir zur Begrüßung einmal quer durchs Gesicht. Sehnsüchtig dachte ich an meinen Doggen-Rüden und lachte über meine eingesauten Klamotten. Hundeliebe hinterlässt offenbar weltweit die gleichen Spuren. Am Rande der Farm drehten sich Windräder. Noch so ein Anblick, der an Deutschlands Norden erinnerte. Sogar sprachlich gibt es in Namibia, der ehemaligen Kolonie Deutsch-Südwestafrika, keine großen Hürden zu überwinden. Wein- und Bierhäuser sowie Schwarzwälder Kirschtorte sind in Städten wie Swakopmund keine Seltenheit. Doch dann, wenige Kilometer weiter, treffen plötzlich Wüste und Meer aufeinander. „Sand“, warnt ein Verkehrsschild. Sand – wer hätte das gedacht? Da waren die Schilder am Strand von Kapstadt informativer. Sie warnten auf einem Parkplatz, man solle unter dem Auto nach Pinguinen Ausschau halten. Scheinbar legen sich diese flugunfähigen Seevögel katzengleich unter Autos. Überhaupt habe ich niemals zuvor so viele Tier-Warnschilder gesehen. Und dann plötzlich eines mit der Aufschrift: „Golfers!“ Noch eine Tierart? Ach nein, nur Golf-Spieler, die auf der Suche nach ihrem Ball plötzlich über die Straße laufen.

 Nachdem ich mich quer durch die afrikanische Landschaft fotografiert hatte, ließ ich erschöpft meine Kamera sinken und gab mich nur noch dem Farbenrausch zwischen Meer und Buschland hin. Ich dachte nicht mehr an zu Hause. Das war der Zeitpunkt, als die Heimreise schon kurz bevorstand und ich las, dass in Niedersachsen bereits die ersten Störche eingetrudelt seien. Also wenn ich Storch wäre, hätte ich den Rückflug bestimmt noch hinausgezögert.

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Neue SN-Kolumne: Mein Landleben
  • Landleben ist trendy . Neuerdings hat sogar der Stadtmensch seine Liebe zum Land entdeckt und blättert sich sehnsüchtig durch die Hochglanz-Magazine. Anmutig schimmern da die Tautropfen auf prallen Beeren und die hochwertige Rosenschere mit Holzgriff liegt im aufgeräumten Schuppen.
  • Etwas anders stellt sich das Landleben in den Augen unserer Autorin Anke Webe r dar. Die SN-Journalistin hat schon immer auf dem Land gelebt und sieht in jeder üppig blühenden Blume auch den Dreck unter den Fingernägeln. Ihre Eindrücke vom Leben zwischen Steinhuder Meer, Deister und Wesergebirge schildert sie ab sofort jeden Sonnabend in der neuen SN-Kolumne „Mein Landleben“.