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Pubertierende Jahreszeit

Landleben-Kolumne Pubertierende Jahreszeit

Letztes Wochenende habe ich sehr ordentlich alle meine Uhren auf Sommerzeit umgestellt. Ganz klar, dass ich daraufhin auch ein bisschen Sommerzeit erwartet habe. Irgendetwas muss mit dem Lieferservice nicht gestimmt haben. Es kam nämlich Herbst. Mit Sturm und Regen.

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Es gibt kein schlechtes Wetter. Nur schlechte Kleidung.

Quelle: Anke Weber

Tickt die Atomuhr in Braunschweig nicht richtig? Oder wer hat sich da jetzt geirrt? Also im Moment bedeutet Sommerzeit für mich nur, dass ich mich um sieben Uhr abends frage, wann es endlich dunkel wird, damit ich diese trübe Suppe da draußen und das windige Gezerre an den Bäumen nicht mehr ansehen muss.

Ich selbst stand diese Woche zwei Mal mit dem Auto vor umgestürzten Bäumen. Eine Tanne im Nachbarort und ein Apfelbaum kurz vor meinem Haus. Beide lagen quer über der Straße und beide Male musste ich wenden und einen Umweg fahren. Die Feuerwehr war auch an jeder Ecke mit der Motorsäge im Einsatz. Immerhin gibt es jetzt auf jeden Fall genug Material für das Osterfeuer. Auf meinem eigenen Grundstück liegt auch wieder genug Feuerholz. Da haben die Stürme mir auf jeden Fall eine Menge Arbeit abgenommen. Sogar der morsche Eichen-Ast, den ich schon längst aus Sicherheitsgründen hatte absägen wollen, liegt fein säuberlich zerteilt auf dem Erdboden. Insofern will ich mich nicht beklagen.

Nun hoffe ich nur, dass es wenigstens nicht mehr schneit. In manchen Orten lag diese Woche nämlich eine geschlossene Schneedecke. Für meinen Wohnort habe ich das abbestellt. Obwohl, man kennt das ja: Schnee zu Ostern. In manchen Jahren gibt es beim Osterfeuer ja sogar Glühwein. Und der April macht sowieso, was er will. Manchmal stimmen diese Wetterweisheiten ja auch. Ich habe mal nachgelesen. Theoretisch könnte das Wetter auf einen sonnigen Juni schließen lassen. Ist aber nicht immer so. Und hilft den Kindern jetzt in den Osterferien auch nicht weiter.

Bleibt nur der Spruch: Es gibt kein schlechtes Wetter. Nur schlechte Kleidung. Diese Übergangszeit erinnert mich jedenfalls ein bisschen an das Dasein zwischen Kindheit und Jugend. Nicht Fisch. Nicht Fleisch. Jahreszeit in der Pubertät. Aber was fängt man damit an? Ich habe beobachtet, dass Jungen und Mädchen diese Phase überwiegend auf ihren Betten liegend in abgedunkelten Zimmern verbringen. Vielleicht keine schlechte Idee. Also ich mache das jetzt auch. Und lasse einfach die Rollläden herunter. Ein paar Kerzen dazu. Fertig ist das Fest. Ich glaube, ich habe im Süßigkeiten-Fach sogar noch einen Schokoladen-Weihnachtsmann. Passt doch. Von Anke Weber

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Neue SN-Kolumne: Mein Landleben
  • Landleben ist trendy . Neuerdings hat sogar der Stadtmensch seine Liebe zum Land entdeckt und blättert sich sehnsüchtig durch die Hochglanz-Magazine. Anmutig schimmern da die Tautropfen auf prallen Beeren und die hochwertige Rosenschere mit Holzgriff liegt im aufgeräumten Schuppen.
  • Etwas anders stellt sich das Landleben in den Augen unserer Autorin Anke Webe r dar. Die SN-Journalistin hat schon immer auf dem Land gelebt und sieht in jeder üppig blühenden Blume auch den Dreck unter den Fingernägeln. Ihre Eindrücke vom Leben zwischen Steinhuder Meer, Deister und Wesergebirge schildert sie ab sofort jeden Sonnabend in der neuen SN-Kolumne „Mein Landleben“.