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Reviersehnsucht

Mein Landleben Reviersehnsucht

Ich war in Berlin. Muttertags-Erlebnis mit meiner Tochter. Ich bin mit dem Auto gefahren. Das bin ich so gewohnt. Ich liebe mein Auto. Es macht frei. Jedenfalls auf dem Land.

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Großstadt-Impressionen: Für Landmenschen aber keine neue Heimat.

Quelle: Weber

Mein Landleben. In der Stadt macht es unfrei. Ich wollte es plötzlich nicht mehr anrühren. Froh, einen akzeptablen Parkplatz gefunden zu haben, hatte ich keinerlei Motivation, das Such-Prozedere erneut auf mich zu nehmen. Also kaufte ich U-Bahn-Tickets und wühlte mich durch Menschenmassen und noch mehr Hunde.

Während die Leute auf dem Land ihre Hunde wegen der Brut- und Setzzeit gerade brav an der Leine führen, gibt es so etwas wie Leinenzwang in Berlin scheinbar nicht. Alle Hunde laufen ohne. Ganz brav und nah beim Besitzer. Sogar ohne Reviergehabe anderen Hunden gegenüber. Quasi hundikulti. Vielleicht, weil so ein Stadthund gar kein eigenes Revier hat. Oder weil er ständig Angst hat, seinen Besitzer aus dem Blick zu verlieren.
Jedenfalls war ich beeindruckt von dieser friedlichen Hundewelt. Auch von den Graffitis überall. Ein farbenfrohes Pendant zum Blüten-Meer auf dem Land. Leider ohne Fliederduft. Wirklich inspirierend war allerdings das Essen in Berlin. Es gibt dort Nahrungsmittel an Marktständen, deren Namen ich nicht aussprechen kann. Manche Gerichte habe ich probiert. Irgendwas aus Korea. Und Mäckish. Das hört sich komisch an, ist aber lediglich ein Sandwich. Aus Schweden. Manchmal heißen die Dinge eben nur anders. Etwas verwundert haben mich die Essenszeiten der Berliner. Ich kenne das aus meiner Kindheit und Jugend so: Frühstück am Wochenende um zehn Uhr. Spätestens. Egal, wie lange man auf der Party war. Denn um zwölf Uhr musste man schon wieder für das Mittagessen bereit sein. Dann Kaffee und Kuchen um drei. Und Abendessen um sechs. Ich esse inzwischen eher flexibel. Dachte ich. Bis ich am Sonntagnachmittag um 5 Uhr in Berlin Kaffee und Kuchen wollte. Alle aßen Brötchen, Käse, Lachs und gekochte Eier. Frühstück! Um fünf Uhr nachmittags. Was haben die Leute vorher gegessen? Oder sind sie echt erst gegen fünf Uhr nachmittags aufgestanden? Und was haben ihre Hunde so lange gemacht?

Das alles habe ich mich auf der Rückfahrt gefragt. Bei Magdeburg fühlte ich mich mit Blick auf blühenden Raps fast schon zu Hause. Reviersehnsucht. Bei Hannover schlug mein Herz höher. Und als ich in meinen kleinen Feldweg fuhr, freute ich mich über einen völlig freien Straßenrand zum Parken. Beim Aussteigen Fliederduft und Blumenbunt. Die Geräuschkulisse: Vogelgezwitscher und Wind, der durch Gräser streicht. Am nächsten Morgen Frühstück vor zehn Uhr. Ich bin wohl doch ein Landei.

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Neue SN-Kolumne: Mein Landleben
  • Landleben ist trendy . Neuerdings hat sogar der Stadtmensch seine Liebe zum Land entdeckt und blättert sich sehnsüchtig durch die Hochglanz-Magazine. Anmutig schimmern da die Tautropfen auf prallen Beeren und die hochwertige Rosenschere mit Holzgriff liegt im aufgeräumten Schuppen.
  • Etwas anders stellt sich das Landleben in den Augen unserer Autorin Anke Webe r dar. Die SN-Journalistin hat schon immer auf dem Land gelebt und sieht in jeder üppig blühenden Blume auch den Dreck unter den Fingernägeln. Ihre Eindrücke vom Leben zwischen Steinhuder Meer, Deister und Wesergebirge schildert sie ab sofort jeden Sonnabend in der neuen SN-Kolumne „Mein Landleben“.