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Schöner Regen

Mein Landleben Schöner Regen

Ich habe nichts gegen Sommer-Regen. Wirklich nicht. Aber wenn er in Ausmaß und Dauer dem November-Regen Konkurrenz macht, kann das schon aufs Gemüt schlagen.

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Schließlich haben wir hier in Norddeutschland nur begrenzt Sommer. Ich hatte mir schon ausgemalt, wann ich vorzugsweise im See schwimmen wollte. Morgens, vor zehn Uhr. Also vor den Ferienkindern, die nach zehn Uhr das Areal für sich einnehmen. Theoretisch könnte ich da jetzt auch nachmittags meine Bahnen ziehen, ohne jemandem zu begegnen. Ebenso gut kann ich mich aber auch in den Pfützen vor meiner Haustür vergnügen. In Berlin schwimmen die Leute ja inzwischen regelmäßig über die Straßen, besonders Unterführungen scheinen dafür gute Voraussetzungen zu bieten. Tatsächlich sieht das auf den Videos im Internet auch ganz lustig aus. Also habe ich beschlossen, ebenfalls das Beste aus diesem Dauerregen zu machen und mir zu überlegen, welche Vorteile mir das Wetter so bietet.

Zuallererst freue ich mich natürlich, dass ich meinen neuen Regenmantel mal tragen kann. Den hatte ich mir zu Beginn des Sommers gekauft, eigentlich speziell für einen Festival-Besuch. Aber unter den gegebenen Umständen war es eine wirklich nachhaltige Anschaffung. Sowieso sehe ich jetzt ständig Menschen in Regenjacken. Sogar die gelben Friesennerze, die lange Zeit niemand mehr anziehen wollte, sind wieder Trend. Abgesehen davon muss ich gerade nicht den Rasen mähen. Er ist zwar mega lang, aber viel zu nass. Und das Auto sieht auch immer schön gewaschen aus. Wie kam ich eigentlich darauf, den Regen doof zu finden? Ach ja – der Hund. Er schüttelt sich jetzt nach dem Spaziergang immer ausgiebig im Flur. Wenn dieser Dauerregen vorbei ist, muss ich wohl dringend streichen. Und dann sind da noch die Mücken. So richtig kalt ist es ja nicht und da finden die es super, die Pfützen zu ihrem Brutgebiet zu erklären, sich emsig zu vermehren und anschließend direkt in mein Schlafzimmer zu fliegen.

Aber ich wollte ja gar nicht über die Nachteile des Regens lamentieren. Obwohl – wenn ich an die schönen Partys denke, zu denen ich dieses Wochenende eingeladen bin, dann möchte ich echt heulen. Eine Hochzeit und ein runder Geburtstag. Natürlich beides für bestes Wetter geplant. Mit Tanzboden unter freiem Himmel, Feuerstelle und allem, was im Sommer romantisch und schön ist. Ich bange mit den Gastgebern, gucke immer wieder auf die Wettervorhersage und hoffe noch. Aber egal. Gefeiert wird. So oder so. Ich werde einfach im Regen tanzen.

Von Anne Weber

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Neue SN-Kolumne: Mein Landleben
  • Landleben ist trendy . Neuerdings hat sogar der Stadtmensch seine Liebe zum Land entdeckt und blättert sich sehnsüchtig durch die Hochglanz-Magazine. Anmutig schimmern da die Tautropfen auf prallen Beeren und die hochwertige Rosenschere mit Holzgriff liegt im aufgeräumten Schuppen.
  • Etwas anders stellt sich das Landleben in den Augen unserer Autorin Anke Webe r dar. Die SN-Journalistin hat schon immer auf dem Land gelebt und sieht in jeder üppig blühenden Blume auch den Dreck unter den Fingernägeln. Ihre Eindrücke vom Leben zwischen Steinhuder Meer, Deister und Wesergebirge schildert sie ab sofort jeden Sonnabend in der neuen SN-Kolumne „Mein Landleben“.