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Spaghetti-Kürbis und Pellkartoffeln

Mein Landleben Spaghetti-Kürbis und Pellkartoffeln

Ich komme mir vor wie ein Einsiedler. Rund um mein Waldhaus passiert grundsätzlich nicht viel. Ein paar Pferde, Katzen und Igel laufen herum, manchmal fährt ein Trecker vorbei und von Zeit zu Zeit gibt es Zaungespräche mit Nachbarn oder Postboten.

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Geringsten Aufwand in der Küche ermöglicht der Spaghetti-Kürbis.

Quelle: Weber

Jetzt ist es noch stiller geworden. Meine Tochter ist in Australien. Als berufstätige Mutter bin ich es gewohnt, meinen Tag im Dauerlauf zu verbringen. Taxi-Einsätze für meine Tochter und Dienstleistungen wie Essen kochen, Wäsche waschen oder Fahrrad reparieren haben viel Zeit gefressen. Das alles fällt jetzt weg.

 Drastisch reduziert hat sich besonders der Aufwand für die Zubereitung von Nahrungsmitteln. Ich bin Fan von einfachen Gerichten. Meine Tochter liebt die Abwechslung. Aber so allein im Haus, kann ich mich ganz ausleben. Meine Speisekarte gleicht der meines Opas früher. Pellkartoffeln. Pellkartoffeln. Und Pellkartoffeln. Zum Frühstück Müsli. Zwischendurch Avocado auf Knäckebrot. Zeitaufwand in allen Fällen: unter fünf Minuten. So langsam werde ich ein bisschen kauzig. Das Brettchen kann man doch noch mal benutzen, oder? Um eine komplette kulinarische Verwahrlosung zu verhindern, suche ich nach weiteren einfachen Rezepten. Ein Volltreffer war der Spaghetti-Kürbis. Eine Freundin aus Stuttgart schwärmte von diesem Kürbis, der mir völlig unbekannt war. Obwohl man hier vor Ort von Kürbis-Scheunen erschlagen wird, gibt es weit und breit nicht den kleinsten Spaghetti-Kürbis.

 Ich bestellte mir einen bei dem Marktstand meines Vertrauens. Der Markt-Mann gab mir eine Anleitung mit auf den Weg: Ich sollte den Spaghetti-Kürbis kochen wie ein Ei. Nur länger. Genau eine Stunde lang. Vorher sollte ich mit einem Nagel ein Loch in den Kürbis pieksen. Auch wie bei einem Ei. Nur größer. Anschließend in der Mitte aufschneiden, Kerne entfernen und das Fruchfleisch mit der Gabel aus der Schale kratzen. Auf diese Weise bilden sich die Kürbis-Spaghetti. Etwas Tomatensoße oder Pesto dazu. Fertig. Es funktionierte und schmeckte wunderbar. Doch die Aktion mit dem Nagel und der große Topf für einen ganzen Kürbis – das war mir zu aufwendig. Eine simplere Variante musste her. Ich teilte den Kürbis in zwei Hälften, entfernte die Kerne und legte ihn, mit Alufolie abgedeckt, in den Ofen. Eine Stunde. Ich tippte mal auf 220 Grad. Alles war perfekt. Geschmacklich sogar noch besser.

 Seit ich diese Pellkartoffel-Alternative gefunden habe, fühle ich mich nicht mehr ganz so kauzig. Der Spaghetti-Kürbis ist jetzt voll mein Freund. Aber bevor ich anfange mit ihm zu sprechen, kommt hoffentlich meine Tochter wieder.

Von Anke Weber

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Neue SN-Kolumne: Mein Landleben
  • Landleben ist trendy . Neuerdings hat sogar der Stadtmensch seine Liebe zum Land entdeckt und blättert sich sehnsüchtig durch die Hochglanz-Magazine. Anmutig schimmern da die Tautropfen auf prallen Beeren und die hochwertige Rosenschere mit Holzgriff liegt im aufgeräumten Schuppen.
  • Etwas anders stellt sich das Landleben in den Augen unserer Autorin Anke Webe r dar. Die SN-Journalistin hat schon immer auf dem Land gelebt und sieht in jeder üppig blühenden Blume auch den Dreck unter den Fingernägeln. Ihre Eindrücke vom Leben zwischen Steinhuder Meer, Deister und Wesergebirge schildert sie ab sofort jeden Sonnabend in der neuen SN-Kolumne „Mein Landleben“.