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Spuren-Analyse

Mein Landleben Spuren-Analyse

Manchmal, wenn Regen oder Wind alle Spuren der Vortage verwischt haben, bin ich morgens die Erste, die einen sandigen Feldweg betritt. Jedenfalls der erste Mensch. Tiere waren schon vor mir da. Rehe, Hasen, Vögel. Sogar Katzen.

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Wer war hier unterwegs? Ein Dachs?

Quelle: Anke Weber

Oft denke ich mir Geschichten zu den Spuren aus. Warum verläuft eine Rehspur ganz geradlinig und gerät plötzlich aus der Form? Etwas scheint passiert zu sein. Das Reh hat sich erschrocken. Aber warum? Wenn keine zweite Spur auf einen Feind hinweist, gerate ich lange ins Grübeln.

Ab und zu frage ich mich auch, was Spaziergänger über die Pfotenabdrücke meiner Dogge denken. Ob sie einen Wolf vermuten? Oder bemerken sie die Abdrücke im Sand gar nicht? Wenn ich Reifenspuren oder Fußabdrücke ohne Begleithund sichte, drehe ich um und nehme einen anderen Weg.

Vielleicht war das ein Jäger auf dem Weg zum Ansitz und ich will mich ja nicht unbeliebt machen. Ohne weitere Absprachen klappt auf dem Sandweg die Koexistenz aller Beteiligten. Jedenfalls bilde ich mir das ein. Auch wir Hunde-Besitzer wissen um unsere Vorlieben und Unzulänglichkeiten. Wenn es mit unseren Hunden nicht passt, verschwindet einer von uns im Wald oder nimmt eine Abzweigung.

Unbekannte Spuren

Zwei Spuren sind jedoch zu einem Rätsel geworden. Neulich nachts hat vor unserer Tür ein Tier geheult. Die läufige Hündin aus der Nachbarschaft? Oder gibt es noch andere Tiere, die solche Geräusche machen? Unsere Dogge schien uninteressiert und blieb ruhig. Am nächsten Tag entdeckten wir Kratzspuren an unserem Torpfosten. Als ich kurz darauf auf meinem sandigen Spazierweg unterwegs war, sah ich eine mir unbekannte Spur. Meine amateurhafte Einschätzung – irgendwas zwischen Hund und kleiner Bär. Für einen Hund war es zu krallig. Bären gibt es hier nicht.

Vielleicht ein Marder? Aber dessen Pfoten machen irgendwie niedlichere Abdrücke. Ein Waschbär? Gibt es Waschbären in meiner Nähe? Bestand vielleicht sogar ein Zusammenhang zwischen diesen Pfotenabdrücken und den nächtlichen Geräuschen vor der Tür? Ich kniete mich auf den Boden und machte Fotos. Dann eilte ich nach Hause und machte einen Spurenabgleich im Internet. Inzwischen bin ich ziemlich sicher, dass es ein Dachs gewesen sein könnte. Leider waren später niemals wieder ähnliche Abdrücke zu sichten.

Allerdings bot der Sandweg in letzter Zeit auch immer ein wildes Spuren- Durcheinander. Das ist der einzige Grund, warum ich mich doch ein bisschen auf den Winter freue. Beim ersten Schnee werde ich mich sofort auf Spurensuche begeben. Und vielleicht kann ich dann ja auch das Rätsel um die Kratzspuren an unserem Torpfosten lösen.

Anke Weber

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Neue SN-Kolumne: Mein Landleben
  • Landleben ist trendy . Neuerdings hat sogar der Stadtmensch seine Liebe zum Land entdeckt und blättert sich sehnsüchtig durch die Hochglanz-Magazine. Anmutig schimmern da die Tautropfen auf prallen Beeren und die hochwertige Rosenschere mit Holzgriff liegt im aufgeräumten Schuppen.
  • Etwas anders stellt sich das Landleben in den Augen unserer Autorin Anke Webe r dar. Die SN-Journalistin hat schon immer auf dem Land gelebt und sieht in jeder üppig blühenden Blume auch den Dreck unter den Fingernägeln. Ihre Eindrücke vom Leben zwischen Steinhuder Meer, Deister und Wesergebirge schildert sie ab sofort jeden Sonnabend in der neuen SN-Kolumne „Mein Landleben“.