Volltextsuche über das Angebot:

2 ° / -8 ° wolkig

Navigation:
Stadt, Land, Schützenfest

Mein Landleben Stadt, Land, Schützenfest

Der Mai ist gekommen. Damit ist auch die Saison der Schützen- und Volksfeste eröffnet. In der Stadt läuft das so: Eine Gruppe von Menschen verabredet sich, drängelt über ein großes Areal mit vielen Buden und alle essen alles durcheinander. 

Voriger Artikel
Giersch-Gemüse
Nächster Artikel
Reviersehnsucht

Thai Food, Döner, Champignons aus der Pfanne, Crêpes oder Zuckerwatte. Anschließend wagt sich ein Teil der Gruppe in den Skyfall, die Wilde Maus oder den Höllenblitz. Der andere Teil der Gruppe bleibt vor dem Fahrgeschäft stehen und hält Taschen. Nach dieser Phase ist dem einen Teil der Gruppe schlecht, dem anderen langweilig. Weiter geht es in das nächste große Partyzelt. Dort ist es echt eng. Alle tippen Nachrichten ins Handy. Frage: Wo seid ihr? Denn es gibt viele Zelte und die Freunde, die man jetzt zu treffen gehofft hatte, sind im Zelt am anderen Ende des Platzes. Also laufen alle wieder los und versuchen sich in der Mitte zu treffen. Allerdings fragen dann wieder Freunde von Freunden: Wo seid ihr? Und die Reise beginnt erneut. Am Ende sind alle erschöpft, genervt oder beides. Bier haben sie kaum getrunken – die Schlangen vor den Theken waren zu lang. Oder das Bier zu teuer. Am nächsten Morgen trinken sie Latte Macchiato im In-Café um die Ecke.
Auf dem Land beginnt ein Fest damit, dass sich alle Urlaub nehmen. Vorher und nachher. Dann wird Grünes geholt. Mit dem Trecker aus dem Wald. Das ist die erste große Party. Außerdem backen die Frauen Kuchen und die Männer bauen das Zelt auf. Oder mähen den Platz. Oder schreiten ihn ab, um zu sehen, ob alles in Ordnung ist. Mit Schlendern über den Platz wird sich an den Festtagen nämlich nicht lange aufgehalten. Eine Bratwurst, eine Rose schießen und dann geht es ins Zelt. Handys bleiben zu Hause. Die könnten sonst verloren gehen. Verabreden muss man sich nicht – es gibt nur ein Zelt und da sind sowieso alle. Wenn gegen Morgen der Saal ausgefegt wird, gehen alle, die noch laufen können, zum Spiegeleier braten. Alle Frauen, deren Herd verschont bleibt, atmen am nächsten Morgen auf. Die anderen schaben die Kruste vom Ceranfeld.
Der Morgen beginnt mit einem Bier. Dann gehts weiter. Scheiben aufhängen, Suppe löffeln und nicht an Morgen denken. Insgesamt bietet so ein Fest im Dorf Gesprächsmaterial für die nächsten zwei Wochen. Gelegenheit für entsprechenden Tratsch bietet sich reichlich. Besonders jenen, die ihre Tortenplatte nicht beschriftet haben oder mit dem Fahrrad gekommen sind. Sie verbringen die nächsten Tage damit, ihr Hab und Gut zu suchen. Beides findet sich wieder an. Spätestens beim nächsten Fest.

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Möchten Sie uns zu diesem Artikel Ihre Meinung sagen? Dann schicken Sie uns einen Leserbrief.

Leserbrief schreiben
Neue SN-Kolumne: Mein Landleben
  • Landleben ist trendy . Neuerdings hat sogar der Stadtmensch seine Liebe zum Land entdeckt und blättert sich sehnsüchtig durch die Hochglanz-Magazine. Anmutig schimmern da die Tautropfen auf prallen Beeren und die hochwertige Rosenschere mit Holzgriff liegt im aufgeräumten Schuppen.
  • Etwas anders stellt sich das Landleben in den Augen unserer Autorin Anke Webe r dar. Die SN-Journalistin hat schon immer auf dem Land gelebt und sieht in jeder üppig blühenden Blume auch den Dreck unter den Fingernägeln. Ihre Eindrücke vom Leben zwischen Steinhuder Meer, Deister und Wesergebirge schildert sie ab sofort jeden Sonnabend in der neuen SN-Kolumne „Mein Landleben“.