Volltextsuche über das Angebot:

5 ° / -3 ° wolkig

Navigation:
Vogelhunde

Mein Landleben Vogelhunde

Draußen ist es gefühlt noch geradezu warm. Jedenfalls im Vergleich zu den Vorstellungen, die der Mensch in Norddeutschland vom November hegt. Von der Vogelfütterung war ich bei diesen Temperaturen vor kurzer Zeit noch weit entfernt.

Voriger Artikel
Schuh-Freundschaft
Nächster Artikel
Kaugummiautomaten

Gut gebettelt: Endlich wieder Futter in der Box.

Quelle: Anke Weber

Obwohl die Auslagen in den Supermärkten ja geradezu ein schlechtes Gewissen suggerieren. Aber darauf springe ich nicht an – ich kaufe ja auch keine Spekulatius im August, nur weil die dann schon im Supermarkt angeboten werden. Gefüttert wurden meine Gartenvögel dann aber doch. Von meinem Vater. Der hat nämlich bei seinem Besuch neulich einen großen Karton mit Körnern, Bällchen, Ringen und sämtlicher Fütterware für Vögel mitgebracht und meine Vogelhäuschen befüllt. Zwei Tage lang herrschte turbulenter Flugverkehr vor meinem Bürofenster. Weil es draußen aber noch so mild ist und überall Äpfel, Nüsse und Beeren zu finden sind, habe ich nicht sofort Futter nachgefüllt.
Die Vögel kamen trotzdem und benahmen sich wie mein Hund – sie bettelten. Flatterten ins Vogelhaus, beschwerten sich lauthals und pickten sogar an die Fensterscheibe, um ihren Unmut zu bekunden. Als das Gezeter vor meinem Fenster so massiv wurde, dass ich mich kaum noch konzentrieren konnte, wurde ich schwach, schüttete Körner in die Häuschen und hängte Bällchen und Ringe auf. Jetzt sitzt mein Hund unter dem Vogelhäuschen und schmachtet die Meisenbällchen an. Wahrscheinlich weil einer seiner beeindruckenden Doggen-Sprünge vor einigen Tagen erfolgreich war und er ein Bällchen erobert hat. Seitdem ist er ziemlich scharf auf die Körner in Talg. Dabei kredenze ich ihm wirklich hochwertiges Hundefutter. Ob er sich seiner Identität noch nicht so richtig bewusst ist? Schließlich ist er noch jung. Wenn er sich allerdings schon am Futterhaus wie ein Vogel benimmt, könnte er dann nicht auch die Fliegen im Wohnzimmer eliminieren?
Ganz november-untypisch ist nämlich eine ganze Schar von Fliegen beim Fensterputzen ins Haus eingedrungen und tummelt sich gerne abends auf dem Sofa. Dort, in der Nähe des Ofens, wo es schön warm ist. Und genau dort gehen sie mir auf die Nerven. Bei ihnen läuft in der Identitäts-Frage scheinbar auch etwas schief. Sie beißen nämlich. Wäre dafür nicht der Hund zuständig? Was für eine verdrehte Tierwelt. Die Vögel betteln wie der Hund. Der Hund frisst Vogelfutter. Und die Fliegen beißen. Wenn das so weitergeht, dann mache ich bald eine Fliege.

Anke Weber

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Möchten Sie uns zu diesem Artikel Ihre Meinung sagen? Dann schicken Sie uns einen Leserbrief.

Leserbrief schreiben
Neue SN-Kolumne: Mein Landleben
  • Landleben ist trendy . Neuerdings hat sogar der Stadtmensch seine Liebe zum Land entdeckt und blättert sich sehnsüchtig durch die Hochglanz-Magazine. Anmutig schimmern da die Tautropfen auf prallen Beeren und die hochwertige Rosenschere mit Holzgriff liegt im aufgeräumten Schuppen.
  • Etwas anders stellt sich das Landleben in den Augen unserer Autorin Anke Webe r dar. Die SN-Journalistin hat schon immer auf dem Land gelebt und sieht in jeder üppig blühenden Blume auch den Dreck unter den Fingernägeln. Ihre Eindrücke vom Leben zwischen Steinhuder Meer, Deister und Wesergebirge schildert sie ab sofort jeden Sonnabend in der neuen SN-Kolumne „Mein Landleben“.