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Wallnuss-Gedächtnis

Mein Landleben Wallnuss-Gedächtnis

Sind Walnüsse gut für das Gehirn? Anke Weber bleibt in ihrer Landleben-Kolummne den Beweis schuldig.

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Verhelfen Walnüsse wirklich zu einer besseren Gehirnleistung?

Quelle: Anke Weber

Von Anke Weber

Ich sammele gerne. Steine am Strand, Pilze im Wald und im Herbst kann ich auch an Kastanien nicht vorbeigehen. Das Kastaniensammeln hat für mich keinerlei Nutzen. Ich bastele keine Kastanienmännchen, ich verkaufe die Kastanien nicht an Jäger und ich stecke sie mir nicht in die Hosentasche, um mich vor Rheuma zu schützen. Aber so eine frische Kastanie fühlt sich einfach gut an.
Im Moment bin ich allerdings ganz wild auf Walnüsse. Die kann man auch sammeln und das Ganze hat sogar einen Nutzen. Ich füttere damit nämlich die Eichhörnchen in meinem Garten. Letztes Jahr hat der Vorrat nicht gereicht und ich habe zum Ende des Winters oft Walnüsse im Supermarkt gekauft. Wahrscheinlich wären die Eichhörnchen auch ohne diese teure Fütterung ausgekommen. Aber ich wollte einfach nicht auf den Spaß verzichten, sie zu beobachten.
Deshalb habe ich mich jetzt gefragt, wo ich frühzeitig einen Walnuss-Vorrat für die Eichhörnchen sammeln könnte. Und während ich noch so darüber nachdachte, bekam ich eine Gelegenheit. Es war einer dieser Tage, an denen man eine Menge Arbeit hat und am Ende alles Mögliche gemacht hat – nur nicht die Fenster geputzt oder die Steuer erledigt. Ich wollte nur schnell etwas abholen und saß dann lange auf einer Terrasse in der Sonne – bei Menschen, mit denen man sich einfach wohlfühlt. Mit denen es unkompliziert ist. Und mit denen es Spaß macht, auf Terrassen zu sitzen und geplante Arbeiten nicht zu verrichten. Direkt an der Terrasse gab es auch einen Walnussbaum. Und ich durfte sammeln. Zu Hause habe ich die Nüsse zum Trocknen ausgebreitet. Und natürlich probiert. Bei den frischen Nüssen ist es kompliziert. Man muss erst knacken und dann möglichst noch die Haut vom Kern abziehen, weil es sonst etwas bitter schmeckt. Als Kind habe ich mich mit dieser Fummelarbeit stundenlang beschäftigt. Auch an dem besagten Tag saß ich schließlich auf der Gartenbank und zog den frischen Walnusskernen die Haut ab. Viel Arbeit für winzige Stückchen Genuss.
Ich dachte darüber nach, dass die Walnuss optisch eine starke Ähnlichkeit mit dem Gehirn hat. Angeblich soll sie sogar eine positive Wirkung auf das Gehirn haben. Denkvermögen und so. Ob das stimmt, weiß ich nicht. Jedenfalls war meine Tätigkeit – das Abziehen der Walnusskern-Haut und das Nachdenken über die Walnuss – so meditativ, dass ich völlig die Zeit vergaß. Nicht nur die Zeit – auch einen Termin. Also entweder ist die Wirkung der Walnuss auf das Gedächtnis ein Mythos. Oder ich brauche dringend noch mehr Walnüsse.

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Neue SN-Kolumne: Mein Landleben
  • Landleben ist trendy . Neuerdings hat sogar der Stadtmensch seine Liebe zum Land entdeckt und blättert sich sehnsüchtig durch die Hochglanz-Magazine. Anmutig schimmern da die Tautropfen auf prallen Beeren und die hochwertige Rosenschere mit Holzgriff liegt im aufgeräumten Schuppen.
  • Etwas anders stellt sich das Landleben in den Augen unserer Autorin Anke Webe r dar. Die SN-Journalistin hat schon immer auf dem Land gelebt und sieht in jeder üppig blühenden Blume auch den Dreck unter den Fingernägeln. Ihre Eindrücke vom Leben zwischen Steinhuder Meer, Deister und Wesergebirge schildert sie ab sofort jeden Sonnabend in der neuen SN-Kolumne „Mein Landleben“.