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Wassereis-Sehnsucht

Mein Landleben Wassereis-Sehnsucht

Ein bisschen anders habe ich mir den Sommer schon vorgestellt. Irgendwie mit mehr Sommer. Ich will nicht meckern. Von allem hatte ich schon ein bisschen.

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Quelle: Weber

Also ein bisschen auf der Gartenliege herumgelegen, ein bisschen barfuß gelaufen und ein bisschen Eis gegessen. Sogar ein bisschen Wein getrunken am Abend und dabei die Sterne angesehen. Und einmal die halbe Nacht draußen geschlafen. Aber was ist mit diesem Kindersommer, den ich in Erinnerung habe? Sind das verklärte Rückblicke? Oder brauchte man früher wirklich mehr Wassereis, um die Sommertage zu überstehen?
Zugegeben: Wenn ich ganz sachlich bleibe, waren da auch Sommerferien mit sehr viel Fernsehen - es gab Ferien auf Saltkrokan. Aber hatte ich jemals im Juli dieses Herbstgefühl und die Idee, Drachen steigen zu lassen? Neulich war wirklich gutes Drachen-Wetter. Nur die Felder waren noch nicht abgeerntet. Man hätte sich auf eine grüne Wiese stellen müssen. Insofern war das Umfeld nicht ganz perfekt. Kein Stoppelfeld weit und breit. Aber vom Sturm mit dem komischen Z-Namen waren auch schon die Äpfel vom Baum gefallen. Das sah ebenfalls sehr nach Herbst aus. Meine Tochter hatte plötzlich Lust auf heißen Kakao - und ich, die Heizung anzumachen. Beim Schreiben im Büro bekam ich kalte Fingerspitzen. Und meine Füße wollten wieder in gemütliche Wollsocken gehüllt werden. Obwohl ich Wetter-Genörgel wirklich sinnlos finde, ertappte ich mich selbst bei Nörgel-Gedanken. War da überhaupt etwas gewesen? Zwischen Maiglöckchen und Sonnenblumen? Gefühlt würde ich sagen: Nein. Aber das ist eine gemeine Lüge. Es gab ja ein paar schöne Tage. Durchaus sonnig. Sogar mal Schwimmwetter.
Dennoch: Zum Erinnern war es zu wenig Sommer. Zu flüchtig waren Sonne und Hitze. Für wahre Erinnerung braucht es schon einen Sonnenbrand oder dauerhaft vertrockneten Rasen. Oder selbstgebaute Wasserrutschen. Aber Wasserrutschen werden nicht zwischen zwei Regentagen gebaut. Erst, wenn die Hitze richtig beißt, denken sich Kinder diese Sommerabenteuer aus. Zum Beispiel zur Abkühlung unter Beregnungsanlagen herumzulaufen. Erst dann brennt sich ein Sommer in die Erinnerung. Aber sie soll ja noch kommen, die Hitze. Dieses Wochenende. Daher habe ich noch Hoffnung. Dass mir der August eine Erinnerung an diesen Sommer unter die Haut brennt.

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Neue SN-Kolumne: Mein Landleben
  • Landleben ist trendy . Neuerdings hat sogar der Stadtmensch seine Liebe zum Land entdeckt und blättert sich sehnsüchtig durch die Hochglanz-Magazine. Anmutig schimmern da die Tautropfen auf prallen Beeren und die hochwertige Rosenschere mit Holzgriff liegt im aufgeräumten Schuppen.
  • Etwas anders stellt sich das Landleben in den Augen unserer Autorin Anke Webe r dar. Die SN-Journalistin hat schon immer auf dem Land gelebt und sieht in jeder üppig blühenden Blume auch den Dreck unter den Fingernägeln. Ihre Eindrücke vom Leben zwischen Steinhuder Meer, Deister und Wesergebirge schildert sie ab sofort jeden Sonnabend in der neuen SN-Kolumne „Mein Landleben“.