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Das Studium mitgestalten

Engagement gefragt Das Studium mitgestalten

Seit der Bologna-Reform rasen viele Studenten durchs Studium. Das Ziel: Bachelor in der Regelstudienzeit – nebenbei noch Praktika.

Mancher ist mit den Studienbedingungen unzufrieden, doch die wenigsten engagieren sich. Genau das könnte sich aber lohnen.

 Für Ronja Hesse (22) war schon in der Einführungswoche klar: Sie wollte sich in der Hochschulpolitik engagieren. „Ich habe mich sehr darüber geärgert, wie meine Einführungswoche organisiert war“, erzählt die Studentin an der Leuphana Universität Lüneburg. Bei einer Art Planspiel ging es darum, ein Konzept zur Unternehmensgründung vorzulegen. Bis zu neun Stunden täglich, kaum Pausen, strenge Abgabefristen - die Einführungswoche beschreibt sie als „Mega-Power-Programm“, bei dem zu viel Druck gemacht wurde. „Wir hatten alle noch keine Ahnung von Uni, und es ging nur um Unternehmensgründung“, bemängelt die 22-Jährige.

 Ronja wurde direkt nach der ersten Uni-Woche aktiv: Sie ließ sich ins Studierendenparlament wählen und lernte so die Arbeit des Allgemeinen Studierendenausschusses (Asta) kennen. Inzwischen ist sie Sprecherin des Astas an ihrer Universität und im vierten Semester des Bachelorstudiengangs Studium Individuale, der eine individuelle Profilbildung ermöglichen soll. Studenten können hier einen Großteil des Stundenplans frei wählen. „Das Programm der Einführungswoche ist mittlerweile etwas entschlackt worden“, sagt die junge Frau. Aber der Zustand sei noch nicht perfekt. „An dieser Front kämpfe ich seit vier Semestern.“

 Der Asta ist die Studierendenvertretung der Hochschule. Er wird in der Regel vom Studierendenparlament gewählt und ist das ausführende Organ des Parlaments. Die Wahl des Astas ist je nach Hochschule unterschiedlich organisiert. Sowohl über das Studierendenparlament als auch über den Asta kann man Einfluss auf die Hochschulpolitik nehmen.

 Themen sind oft in sogenannten Referaten organisiert – beispielsweise im Finanzreferat oder im Referat für Sozialpolitik. Darüber hinaus organisiert der Asta häufig Hilfsangebote für Studenten, etwa die Bafög-Beratung, die Selbsthilfe-Fahrradwerkstatt oder Beratung für Studierende mit Kind. Das Angebot hängt von der Hochschule ab. An manchen Universitäten gibt es anstelle des Astas einen Studentenrat (StuRa). In Bayern existieren seit einer Änderung des Hochschulgesetzes 1973 sogenannte unabhängige Studierendenschaften.

 Wer das Ehrenamt nur anstrebt, um sich zu beschweren, ist beim Asta fehl am Platz: „Man sollte eine Vorstellung davon haben, wie man eine Situation verbessern kann“, sagt Marie Dücker. Die Medizinstudentin gehört zum Vorstand des Freien Zusammenschlusses von Studentinnenschaften (FSZ) in Berlin.

 Finanziert wird die Arbeit des Asta durch den Studierendenbeitrag, den jeder Student pro Semester entrichten muss. Ein Teil dieses Beitrags kommt dann dem Asta zugute. An der Technischen Universität Berlin sind das beispielsweise 9,10 Euro von insgesamt 303,39 Euro Semesterbeitrag. Die Beträge variieren von Hochschule zu Hochschule.

 „Als Student ist man mitgestaltendes und mitbestimmendes Mitglied und nicht etwa Kunde oder Antragsteller“, sagt Stefan Grob, Sprecher des Deutschen Studentenwerks in Berlin. Daher sollte man sich einsetzen. Alarmierend findet er, dass die Beteiligung an studentischen Parlamentswahlen regelmäßig mit rund zehn Prozent extrem niedrig ausfällt. Noch deutlich weniger Studenten engagieren sich selbst in dem Gremium.

 Dass viele Studenten Desinteresse bei Studierendenparlamentswahlen zeigen, führt der Soziologe Eckhard Priller auf den Bologna-Prozess zurück. „Die Verringerung der Studienzeiten und Erhöhung der Anzahl der wöchentlichen Lehrbelastung hat zu Einschränkungen von Freiräumen für das Engagement geführt“, sagt er. dpa

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