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Deutschland mit anderen Augen sehen

Bückeburg / Austauschprogramm Deutschland mit anderen Augen sehen

Zu Hause ist sie Einzelkind, während ihres Austauschjahres in den USA hat sie gleich vier Geschwister dazubekommen. Mira Esser (18) hat ein Jahr lang an einer High School in Michigan, etwa 45 Minuten Autofahrt von Detroit entfernt, gelebt. Möglich gemacht hat das ein Projekt des Bundestages, das Parlamentarische Patenschafts-Programm (siehe Kasten). Die Bundestagsabgeordnete Katja Keul (Grüne) hat Mira aus vielen Bewerbern als Stipendiatin herausgesucht.

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Viel zu erzählen: Mira Esser (links) sieht Katja Keul zum ersten Mal nach ihrem Austauschjahr wieder.

Quelle: kil

Von Kirsten Elschner. Bückeburg/Michigan. Für zwölf Monate hat die Schülerin aus Bückeburg ihr Schaumburger Schulleben gegen den „High School Spirit“ einer staatlichen Schule der USA eingetauscht, dort Halloween, Weihnachten, Silvester und den ganz normalen Alltag erlebt. „Ich wollte die Werte und Kulturen kennenlernen und selbst mal ein Teil davon sein“, erzählt Mira über ihre Motivation, sich auf das Abenteuer Amerika einzulassen.

Wieder zurück in Deutschland, sagt sie, hat sie jetzt einen ganz neuen Blickwinkel auf ihr eigenes Land gewonnen. „Bevor ich in die USA geflogen bin, hatte ich Angst, dass mir die Amerikaner oberflächlich begegnen könnten“ – ein Klischee, das sich nicht bestätigt hat. Im Gegenteil. „Auf einmal kommen mir die Leute hier viel oberflächlicher vor. Hier grüßt einen keiner auf der Straße, den man nicht kennt.“

Auch an der High School hat sie viele Dinge ganz anders erlebt als zu Hause. „Die Schüler identifizieren sich richtig mit ihrer Schule. Wenn man bei uns ein Schulsweatshirt anzieht, würde man schon komisch auffallen.“ In Michigan hat sie einen ganz anderen „Spirit“ erlebt. Zu großen Sportereignissen wie Football fiebert die ganze Schule mit, es gibt Paraden mit Musik durch die Schule, bei denen auch die Lehrer mitmachen – insgesamt machen die Lehrer einfach mehr Witze, verkleiden sich auch an Halloween. „Und wenn man mal mit Jogginghose und nassen Haaren in die Schule kommt, sagt keiner was.“

Die größte Herausforderung bestand für Mira darin, alle Ansprüche zu erfüllen, die Familie, Freunde in den USA und zu Hause an einen stellen. „Die Familie hat dort einen hohen Stellenwert.“ In ihrer Gastfamilie mit vielen Geschwistern hat sich die Austauschschülerin sehr wohl gefühlt. Dass die Familie religiös war und jeden Sonnabend in die Kirche ging, war für Mira neu, aber okay. Auch, dass man erst ab 21 Alkohol trinken durfte, hat Mira nicht eingeschränkt, was sie selbst ein wenig überrascht hat. Allerdings durfte sie als Austauschschülerin auf keine Partys von älteren Freunden gehen, weil es dort Alkohol hätte geben können.

Englisch zu sprechen, war für sie kein großes Problem. „Es war immer mein Lieblingsfach. Aber es hat mich überrascht, wie viele Wörter aus dem Alltag man nicht kennt“. Nach kurzer Zeit habe sie in Englisch geträumt und mit sich selbst gesprochen.

Jetzt muss sie die 11. Klasse wiederholen. So ganz angekommen ist sie manchmal aber noch nicht wieder in Deutschland. „Ich hatte an der High School jeden Tag so viel zu tun.“ Nach dem Unterricht stand meist noch Sport auf dem Programm, Cross Country oder Cricket. Dagegen ist der Alltag in Schaumburg manchmal glatt langweilig.

Stipendium vom Bundestag

Das Parlamentarische Patenschafts-Programm (PPP) ist ein gemeinsames Programm des Deutschen Bundestags und des Kongresses der US, das jährlich rund 360 Schülern ermöglicht, ein Jahr lang in Amerika zur Schule zu gehen. Ungefähr gleich viele Amerikaner kommen jeden Sommer nach Deutschland. Als Stipendiaten des PPP leben sie in Gastfamilien, besuchen Schulen oder absolvieren Praktika in Betrieben. Zugleich sollen sie junge Botschafter für die politischen und kulturellen Werte ihres Landes sein. Teilnehmen können Schüler von 15 bis 17 Jahren sowie junge Berufstätige und Auszubildende bis 24 Jahre.

Die Bewerbungsfrist für das Programmjahr 2014/15 ist abgelaufen. Ab Mai 2014 kann man sich voraussichtlich wieder für das Programmjahr 2015/16 bewerben. Kontakt bekommt man am besten über die Regionalbüros der heimischen Abgeordneten.

Mehr Informationen gibt es im Internet unter der Adresse www.bundestag.de/bundestag/europa_internationales.

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