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Die neuen Influencer

SNack Die neuen Influencer

Es dauert keine vier Minuten, da pirschen sich die ersten Jugendlichen auf dem Stuttgarter Schlossplatz an die Zwillinge Lisa und Lena heran. „Dürfen wir ein Foto?“ Klar. Dürfen sie, auch bei unserer Verabredung. Dann Gekicher und Selfies. Die blonden Mädchen sind 14 Jahre alt und Stars. Im Netz.

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Lisa und Lena erreichen mit ihren Fotos und Videos Millionen Fans.

Quelle: dpa

Sie posen zu Playback-Videos. Teenies kennen Lisa und Lena meist von den Clips auf ihren Handys. Andere Leute, besonders ältere, fragen: Was machen die eigentlich? Die Antwort könnte lauten: Die Schülerinnen laufen sich warm für eine noch größere Karriere auf dem Markt der Internet-Aufmerksamkeit. Soziale Netzwerke wie YouTube, Instagram und und Co. haben neue Namen hervorgebracht. Die Promi-Landschaft wandelt sich. Social-Media-Helden vermarkten ihre Bekanntheit. Firmen entdecken deren Werbewert. Lisa und Lena haben da viel Potenzial.

Die zwei kommen auf mehr als fünf Millionen Abonnenten oder Fans bei der Fotoplattform Instagram. Aufgebaut in nicht mal einem Jahr. „Das ist halt echt krass“, sagt Lisa. Lena ergänzt: „Dass den Leuten das so gefällt, das ist schon cool.“ Die Zahnspangen blitzen auf. Bei beiden. Synchron.

Über 9,4 Millionen Fans weltweit

Der Kick jedoch sind die Auftritte des Duos bei der international erfolgreichen App musical.ly. Über 9,4 Millionen Fans weltweit gucken dort bei ihnen zu. Für ihre bis 15 Sekunden langen Selfie-Musikclips mit Hits von Weltstars wie Rihanna, Taylor Swift und anderen erfinden sie Choreographien, tanzen und bewegen ihre Lippen zum Songtext. Mal am Strand, mal mit Donuts in den Händen, mal mit Blumen im Haar.

Die Zwillinge aus Baden-Württemberg sind typisch für das neue Phänomen. Der Name: Influencer. Das Wort kommt vom englischen „influence“, Einfluss. Lena und Lisa haben in ihrer Freizeit Filmchen fürs Netz gebastelt. Erstmal zum Spaß – andere fanden’s gut.

Berühmt ist heute also nicht nur, wer als Popmusiker oder Kino-Schauspieler Leistung abliefert. Sondern auch jemand, der viele Likes und Herzchen von Nutzern in den Netzwerken bekommt.

Etwa für Schminktipps oder Playback-Videos. Lisa und Lena imitieren Songs, wie es kleine Mädchen mit der Haarbürste als Mikrofon im Badezimmer machen. Aber perfekt. Geld verdienten sie damit aktuell nicht, sagt ihr Manager. Könnten sie aber.

Preis der Stars steigt mit der Zahl ihrer Fans

Denn Unternehmen machen sich die Reichweite von Internetstars für ihre Werbung verstärkt zunutze. Marken buchen Influencer für Produkte. Diese stellen Hinweise darauf ins Netz oder erwähnen sie in Videos. Agenturen vermitteln Influencer. Der Preis der Stars steigt mit der Zahl ihrer Fans und weitergeschickten Beiträge. Wer die junge Generation Selfie erreichen will, braucht Werbung, die auf dem Smartphone funktioniert. Und der Markt für mobile Werbung wuchs zuletzt um mehr als 760 Prozent.

Influencer, das können Models, Blogger, Moderatoren, Comedians und Computerspieler sein. Oder einfach Schüler. Manche setzen sich auf Instagram mit „Duckface“ (Enten-Schnute) und Bikini in Szene, andere lassen sich zu Konzerten einladen und packen „Geschenke“ von Luxusmarken aus.

Anders als Popstars wie Justin Bieber (22) und Taylor Swift (26) wirken Influencer wie Lisa und Lena nicht unerreichbar. „Die Influencer haben mittlerweile besonders bei der Jugend dieses Gefühl eines Freundes“, sagt der YouTuber Aaron Troschke (27). „Die zeigen sich privat.“

Eine Frage der Generation

Doch warum kommt das Geplapper von Social-Media-Idolen bei jungen Leuten überhaupt so gut an? Das sei eine Frage der Generation, sagt Bersch. In den 80er Jahren hätten die Eltern auch kein Verständnis für den Musiksender MTV gehabt.

Wenn Sie mit einer Marke eine bestimmt Zielgruppe erreichen wollen, müssen Sie auf die neuen Plattformen gehen und dort die richtige Sprache treffen.“ Junge Influencer, also Meinungsmacher, gab es übrigens schon immer, sagt Bersch. In jeder Schulklasse. dpa

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