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Drang nach Schönheit

Makel sind ok Drang nach Schönheit

Zu klein, zu dick, zu viele Pickel: Die Pubertät macht vielen Jugendlichen zu schaffen. Man fühlt sich hässlich und ist der festen Überzeugung, dass alle Anderen das genauso sehen.

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Das Gefühl, zu klein, zu dick, zu pickelig zu sein, kennen viele Teenager.

Quelle: dpa

Nicht selten führt das zu Depressionen oder Essstörungen. Wie eine Schlange, die sich häutet, findet man sich in der Pubertät mit einem veränderten Äußeren wieder. Man fühlt sich plötzlich zu dick, zu groß und von Akne entstellt.

Der eigene Körper erscheint plötzlich fremd und ungewohnt. Dazu kommt häufig noch ein mangelndes Selbstwertgefühl, man ist unsicher, launisch und fühlt sich missverstanden. „In der Pubertät messen wir dem Spiegelbild eine ungeheure Bedeutung bei“, sagt Regina Konrad, Psychotherapeutin für Jugendliche. „Der Spiegel zeigt einem selbst allerdings nicht das, was die anderen sehen. Mit sich selbst ist man viel kritischer.“

Besonders junge Mädchen seien von der krankhaften Vorstellung eingenommen, dass sie beispielsweise zu dicke Oberschenkel, einen zu kleinen Busen oder zu viel Hüftspeck haben. Mit Make-Up oder Kleidung wird versucht, die vermeintlichen Makel zu kaschieren. In ihrer Berliner Praxis hat die Psychotherapeutin immer wieder junge Patienten, die über ihr Aussehen klagen.

Eine davon ist die 16-jährige Lisa. Für sie ist es extrem anstrengend, mit den ständigen Selbstzweifeln und der Unsicherheit zu leben. „Man kommt mit der Umgebung überhaupt nicht mehr klar. Man fühlt sich unwohl in der eigenen Haut, die irgendwie nicht mehr die eigene ist.“ Häufig ist sie auch unglücklich, weil sie nicht versteht, was mit ihr los ist und weil sie sich so alleine fühlt.

Wie auch bei anderen Mädchen, hängt ihr Zimmer voll mit Postern von bekannten Models. Das lädt zum täglichen Vergleich mit den scheinbar makellosen Frauen ein. „Dass die Bilder retuschiert sind, wird dabei völlig ausgeblendet“, sagt Regina Konrad. Auch soziale Netzwerke verstärken bei Jugendlichen den Drang nach Aufmerksamkeit und Schönheit. In jeder Situation werden nun Selbstporträts geschossen, um sie dann zu veröffentlichen und möglichst viele „Gefällt-mir“-Angaben zu bekommen. Ganz egal ob bei Facebook, Twitter oder Instagram: So schnell bekam man noch nie Aufmerksamkeit und Komplimente von Menschen, die man im echten Leben meistens nur flüchtig kennt.

Diese Erfahrung hat auch Sami Slimani gemacht. Der 24-Jährige ist einer der bekanntesten deutschen YouTube-Stars. Mit selbst gedrehten Videos steht er über einer Million Abonnenten mit Ratschlägen und Lebenstipps zur Seite. „Die Medien inklusive der Modebranche geben uns ein Schönheitsideal vor, welches so einfach nicht realistisch ist“, sagt Slimani.

Doch nicht nur soziale Netzwerke unterstützen den Drang nach Schönheit. Auch durch Werbung werden Jugendliche extrem beeinflusst, weiß Veit Rößner. Der Dresdener Jugendpsychiater bekommt in seiner Klinik immer häufiger mit, dass bereits achtjährige Mädchen Shopping als ihr Hobby angeben. „Auch Jugendzeitschriften stellen das Aussehen immer stärker in den Vordergrund.

Es wird dort immer mehr Werbung für Schönheitsprodukte gemacht, das prägt.“ Er sieht das Problem vor allem darin, dass viele Teenager immer passiver werden. Statt zum Beispiel Sport im Verein zu betreiben, seien die Hobbys oft Shoppen und Computerspiele. Wer dagegen mehrmals in der Woche einem Hobby nachgeht, habe weniger Zeit, sich mit seinem Äußeren zu beschäftigen. Er rät Jugendlichen deswegen, nicht so streng mit sich zu sein und sich eine Beschäftigung zu suchen, die sie erfüllt.

Sich selbst wieder als hübsch empfinden zu können, ist aber gar nicht so einfach. Slimani war als Kind sehr schüchtern und hatte nur wenig Selbstbewusstsein. Er empfiehlt Jugendlichen: sich selbst eingestehen, dass Makel total okay sind, Perfektion nicht die wahre Schönheit ist und jeder Mensch seine Eigenheiten hat. „Gerade wenn du über deinen Schatten springst, erreichst du Dinge, die du vorher nicht erahnt hättest.“

Jugendliche sollen nicht einfach wegschauen, wenn sie bemerken, dass ein Freund leidet. Stattdessen sollten sie ihn unterstützen und ihm zeigen, was es alles Positives an ihm gibt. „Man sollte dem Freund immer zur Seite stehen und Mut zusprechen“, sagt Slimani. Hilfreich ist es auch, ihm von eigenen Selbstzweifeln zu erzählen und ihn wissen zu lassen: Du bist damit nicht allein. dpa

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