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„Es war magisch“ - Mando Diao vertonen schwedische Gedichte

Musik / Neues Album „Es war magisch“ - Mando Diao vertonen schwedische Gedichte

Nix mit „Dance With Somebody“: Das neue Album der schwedischen Rocker von Mando Diao taugt in Diskotheken nur als Rausschmeißer. Dafür bleibt man lieber auf dem Sofa. Dann verzaubert es.

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 Björn Dixgard von der schwedischen Alternative-Rock-Band Mando Diao tritt am 05.06.2011 beim Musikfestival „Rock im Park“ in Nürnberg (Mittelfranken) auf.

Quelle: Daniel Karmann dpa

Stockholm (dpa).  Mando Diao sind inzwischen wohl reich und berühmt genug, um sich was zu trauen. Das hat die Band aus Schweden mit ihrem neuen Album „Infruset“ getan. Darauf sind zehn Balladen in ihrer Muttersprache - vertonte Gedichte des schwedischen Lyrikers Gustaf Fröding (1860-1911), eines psychisch kranken Alkoholikers mit Frauenproblemen.
Wer die vorherigen Alben der Band um die Sänger und Gitarristen Björn Dixgård und Gustaf Norén kennt, weiß um die Vielseitigkeit der skandinavischen Musiker. Mando Diao haben auch früher schon langsame, melodische Stücke gemacht. Als Ohrwurm im Kopf bleiben aber meist die tanzbaren Popsongs wie die bislang erfolgreichste Single „Dance With Somebody“ vom letzten Studio-Album „Give me Fire!“. Ohrwürmer verbreiten die Schweden mit ihrer neuen Platte nicht - dafür aber eine irrsinnig spannende Stimmung.
Dabei hatte die Band zunächst weder Zeit noch Muße, sich mit Frödings Lyrik zu beschäftigen. „Wir hätten die Lieder nie geschrieben, wenn eine gute Freundin uns nicht um einen Gefallen gebeten hätte“, sagt Norén. Zum 100. Todestag von Fröding bat sie die Band, ein Lied des berühmten Dichters zu vertonen. Norén konnte nicht Nein sagen. Er sah sich die Zeilen an. „Es war, als hätten wir Gold gefunden“, sagt er, „ein bisschen wie in einem Disneyfilm, wenn die Fee Pinocchio mit ihrem Zauberstab berührt.“
Dixgård und Norén brauchten zwei Wochen, bis sie alle Lieder für das Album zusammen hatten. „Es war magisch, wie schnell und leicht die Songs aus den Gedichten entstanden“, sagt Norén. So leicht, dass Mando Diao das Album am Anfang nicht ernstnehmen konnten, meint er. „Man denkt immer, dass man Zeit und Mühe und Schweiß reinstecken muss, wenn man etwas Großes schaffen will.“
„Infruset“ ist keine leichte Kost. Es ist traurig, schwermütig und langsam - kein Wunder. Fröding schrieb mit klaren, kalten Worten über die Angst vorm Tod, Hass und Leidenschaft, Abtreibung, die Jugend und das Älterwerden. Das scheint bei Mando Diao in Stücken wie „Snigels Visa“ und „En ung mor“ durch. Dabei verbreiten die Sänger mit ihren klagenden Stimmen eine so intensive Atmosphäre, dass man die Luft anhalten will. In „Titania“ stimmt Dixgårds Schwester Linnea mit ein.
Dass „Infruset“ so einen tiefgründigen Eindruck macht, liegt sicher auch daran, dass die Schweden in der Sprache Frödings zu Hause sind. „Du musst nicht viel nachdenken, wenn du auf Schwedisch singst“, sagt Norén. „Wenn du auf Englisch singst, gibt es so viele Dinge, über die du dir Gedanken machen musst, weil es nicht deine Muttersprache ist.“ Das Album an sich, findet Norén, sei aber alles andere als Schwedisch. Inspiriert etwa von Marvin Gaye, Simon & Garfunkel oder Neil Young. Genau richtig für den Herbst.

Für Partynächte taugt es dagegen so gar nicht. Wer die Füße nicht stillhalten kann, muss auf das nächste Album der Schweden warten. Das soll dann auch wieder auf Englisch sein. „Wir haben versucht, es simpel und minimalistisch zu halten, und sehr energiegeladen“, sagt Norén. Klingt nach Mando Diao.

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