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Nervenkitzel statt Langeweile

SNack Nervenkitzel statt Langeweile

Boule ist langweilig und nur was für alte Leute? Von wegen. Jennifer Schüler aus Exten beweist das Gegenteil. Für die 17-jährige Azubine ist Boulespielen alles andere als staubtrocken und altmodisch.

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Jennifer Schüler spielt seit rund sechs Jahren Boule und hat es bis in den Deutschen Kader geschafft.

Quelle: kil

SNack. Im Gegenteil: Jennifer verspürt sogar manchmal richtigen Nervenkitzel, wenn es in einem Turnier mal eng wird und jeder Wurf über den Sieg entscheiden kann. „Nach so einem Turniertag bin ich richtig platt“, sagt sie über ihr Hobby.

Konkurrenz aus ganz Deutschland

Angefangen hat die junge Boulerin mit etwa elf Jahren – „meine Eltern spielen auch Boule“, sagt sie. Sonst wäre sie wahrscheinlich nicht so heiß auf den Sport geworden, der bei Jugendlichen eher weniger beliebt ist. „Die meisten sagen: Das ist doch langweilig“, erlebt sie die Reaktionen von anderen jungen Leuten. Aber das hält die 17-Jährige nicht davon ab, ihrer Leidenschaft nachzugehen – mit Erfolg. Demnächst spielt Jennifer für den BV Ibbenbühren in der Bundesliga. Dort wird sie auf Konkurrenten aus ganz Deutschland treffen.

Erste Platz bei den Deutschen Meisterschaften

Einige Erfolge hat sie schon zu verbuchen: Der erste Platz in der Jugend-Team-Wertung bei den vergangenen Deutschen Meisterschaften steht zum Beispiel ganz oben auf der Liste. Und Jennifer will noch viel weiter kommen. In diesem Jahr ist sie gerade in der Auswahl des Deutschen Kaders in der Altersgruppe U 22. Die besten Spieler dürfen sogar zur Europameisterschaft – „die findet dieses Jahr in Spanien statt“, erzählt die Boulerin.

Legen und Schießen

Und Jennifers Chancen stehen nicht schlecht, denn sie ist die einzige, die nicht nur das Legen, sondern auch das Schießen beherrscht. Wo ist der Unterschied? Beim Legen versuchen die Bouler mit ihren Kugeln möglichst dicht an die kleine Kugel (das „Schweinchen“) heranzukommen. Dabei rollen die Kugeln auch mal ein paar Meter über die Bahn, bevor sie liegen bleiben. Beim Schießen kommt es auf absolute Treffsicherheit an. Es gilt, eine einzige Kugel, die in einem Kreis liegt aus unterschiedlicher Entfernung abzuschießen, also zu treffen und damit aus dem Kreis zu befördern. „Konzentration und Nervenstärke“ sind nur zwei Eigenschaften, die man Jennifer zufolge für das Boulespielen braucht. „Früher habe ich die Kugeln einfach weggeschmissen“, erzählt sie. Heute weiß sie die Kugeln zu kontrollieren. Mit der richtigen Haltung des Handgelenkes und der passenden Wurftechnik könne man Richtung, Geschwindigkeit und Co. bestimmen.

Boule bleibt erstmal ein Hobby

Das bisherige Highlight für die 17-Jährige: das große Boule-Turnier in Travemünde. An der Promenade messen sich rund 500 Teams. Da kommen Spieler aus der ganzen Welt zusammen: Aus Dänemark, Frankreich, Madagaskar,... Als Boulespieler kommt man durchaus rum in der Welt. „Eigentlich ist jedes Wochenende ein Turnier“, meint sie. Als olympische Disziplin sei Boule leider noch nicht anerkannt. Unter anderem, weil sich die silbernen Kugeln bei der TV-Übertragung schwer unterscheiden lassen. Die Farbe bleibe an dem Material der Kugeln nicht hängen, weiß Jennifer.

Vom Boule leben könne man auch als erfolgreicher Spieler nicht. Zumindest nicht in Deutschland. Boule bleibt für Jennifer also ein Hobby, das sie vor allem am Wochenende ausübt. In der Woche macht sie eine Ausbildung zur Sozialassistentin. kil

factbox

Wer hats erfunden?

Die Wurzeln von Boule gehen bis ins Römische Reich zurück: Überlieferungen zufolge hat es schon 460 vor Christus eine Empfehlung griechischer Ärzte für das Spiel mit Steinkugeln gegeben. Im zweiten Jahrhundert nach Christus ist die Rede von einem Spiel, bei dem Kugeln auf einen Ziegelstein geworfen werden. Der Verlierer musste den Gewinner auf seinen Schultern ins Ziel tragen. Ab dem Mittelalter hat sich das Spiel dann vor allem in Frankreich durchgesetzt, wo es heute sogar teilweise in der Schule unterrichtet wird. r

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