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Mit Feentricks und Koboldgold

Irland Mit Feentricks und Koboldgold

Marvin Schildmeier studiert für vier Monate in Irland. Auf Snack berichtet er regelmäßig von seinen Erlebnissen aus der Studentenstadt Cork und Umgebung.

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Überall stößt man auf die kleinen Feenhäuschen, die sich auf den ganzen Wald verteilen.pr.

Wer sich schon immer gewundert hat, woher Kobolde all ihr Gold bekommen, was Feen so Böses im Schilde führen und warum eigentlich das Kleeblatt zum inoffiziellen Nationalsymbol des Landes geworden ist, der stößt in Irland auf ein unerschöpfliches Sammelsurium an Sagen, Legenden und Märchen, gegen die so mancher Disney-Blockbuster wie phantasielose Zeitverschwendung wirkt. Denn die Iren sind vor allem eines: begeisterte Geschichtenerzähler, die Abende damit füllen können, von ihrer keltischen Mythologie zu schwadronieren.

 Doch genauso wenig wie das, was uns zu Hause vorm Schlafengehen vorgelesen wurde, sind auch die irischen Sagen alles andere als harmlose Betthupferl.

 Während Kinder in Deutschland mit Märchen von menschenfressenden Hexen und wahnsinnigen Stiefmüttern verstört werden, bergen irische Mythen mindestens genauso viel Albtraum-Potenzial. So heißt es etwa, dass es das größte Ziel der ach so friedvollen Feen sei, Menschenkinder zu entführen. Was sie danach mit ihnen anstellen, wird getrost der Phantasie überlassen.

 Doch den Iren reicht es nicht, ihre Geschichten nur zu erzählen. Im ganzen Land lassen sie ihre alten Sagen und Legenden wieder neu aufleben. Von Koboldwanderwegen bis hin zu magischen Quellen – was von einem gewissen Faible für mystische Hirngespinste zeugt, erweist sich als beeindruckend effiziente Masche, Touristen allerhand Geld aus der Tasche zu ziehen. Dass ich tatsächlich einen verzierten Kieselstein gekauft habe, weil er angeblich von Kobolden bearbeitet worden sei, treibt mir noch immer die Schamesröte ins Gesicht.

 Bei so viel Naivität wundert es wenig, dass ein einfaches Stück Wald im berühmten Ring of Kerry, einer Region im Südwesten Irlands, kurzerhand in einen originalgetreuen Zauberwald verwandelt wurde. Was ihn so authentisch machen soll, sind unzählige kleine Feenhäuschen, die in Astgabeln, Zweigen und Büschen nur darauf warten, einen leicht zu manipulierenden Schaumburger in ihren Bann zu ziehen. Ein Schild mit der Bitte um eine Spende für die kleinen Mistviecher holt einen jedoch schnell wieder zurück in die Realität. In diesem Fall darf ich stolz berichten, dass ich dem Zauber widerstehen konnte und mein Portemonnaie brav in der Tasche gelassen habe – den hinterhältigen Feentricks zum Trotz.

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