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SNack besucht drei junge Muslime beim Fastenbrechen

Ein ganzer Monat ohne Beleidigungen SNack besucht drei junge Muslime beim Fastenbrechen

Ein wenig nervös bin ich schon, als ich auf dem Parkplatz vor dem Gebäude der „Türkisch Islamischen Gemeine Stadthagen“ in meinem Auto sitze. Einige Männer stehen in kleinen Trauben plaudernd zusammen und Frauen gehen mit Essen in Schalen an mir vorbei. Mit Notizblock, auf dem ich mir schon ein paar Fragen zum Thema Ramadan notiert habe, und meiner Kamera in der Hand, steige ich aus und mache mich auf den Weg in die Moschee.

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Kurz vor dem abendlichen Fastenbrechen: Ercüment Katar (17, von links), Firat Celik (14) und Jugendleiter Mevlüt Ünlü (23) warten auf das gemeinsame Essen in der türkischen Gemeinde. 

Quelle: vr

Stadthagen (wr). Mevlüt Ünlü begrüßt mich freundlich und bittet mich, hinein zu kommen. Gemeinsam gehen wir in den Saal, in dem die Gemeindemitglieder gleich ihr Essen zu sich nehmen werden. Zeit für das Fastenbrechen. Mevlüt ist 23 Jahre alt und der Jugendleiter der Türkisch Islamischen Gemeinde. Derzeit ist Ramadan, der Fastenmonat der Muslime. „Es gehört eine große Portion Selbstdisziplin dazu“, erklärt mir Mevlüt, denn in diesem Monat dürfen die Muslime tagsüber weder Essen noch Trinken zu sich nehmen. Erst wenn die Sonne untergegangen ist. „Natürlich gibt es Ausnahmen,“ sagt Mevlüt. Wer krank oder schwanger sei oder andere Gründe habe, die das Fasten unmöglich machen, sei nicht verpflichtet, mitzumachen. „Allerdings sollten die Tage an denen nicht gefastet wurde, selbstständig nachgeholt werden.“
Weiter erklärt mir Mevlüt, dass das Fasten ab der Pubertät erlaubt ist. Ab dann können die Jugendlichen frei entscheiden, ob sie am Ramadan teilnehmen möchten oder nicht. Der Jugendleiter hat mit zwölf Jahren das erste Mal gefastet und erzählt, dass die erste Woche meist sehr anstrengend sei. Dann gewöhne sich der Körper an die Umstellung, das Fasten falle einem leichter.
„Ich freue mich jedes Jahr auf diese Zeit“, denn es gehe dabei nicht nur um den Verzicht, erzählt Mevlüt. „Während des Ramadans darf zum Beispiel auch nicht beleidigt werden.“ Es sei immer wieder „eine schöne Erfahrung und natürlich auch ein wichtiger Bestandteil, der zu unserem Glauben gehört“, sagt er.
Ercüment Katar ist 17 Jahre alt und nimmt ebenfalls am Ramadan teil. „In der Schule ist es am Anfang immer etwas schwer durch die Umstellung“, schildert er. „Wenn ich Sport habe, dann wird an dem Tag auch nicht gefastet“, erklärt er mir. Außerdem sagt er, dass seine Freunde Verständnis für ihn zeigten und ihn in dieser Zeit unterstützten.
Auch Mevlüt berichtet: „Wenn sich ein Freund eine Zigarette ansteckt oder etwas gegessen wird, dann werde ich oft gefragt, ob das für mich ok ist“.
Der 14-jährige Firat Celik fastet zum dritten Mal: „Als ich zwölf war, habe ich nur zwei Tage gefastet, doch mit 13 war ich dann den ganzen Monat voll dabei.“ Auch er bekommt Rückhalt von seinen Freunden. Wenn er beim Sport in der Schule nicht mehr kann, kommen die Lehrer ihm entgegen und erlauben ihm, eine Pause zu machen, denn Firat fastet auch an Tagen, an denen er Sport macht.
„Wenn jemand nicht mehr kann und doch tagsüber etwas trinkt oder isst, dann wird dies ohne weiteres von den anderen Gemeindemitgliedern akzeptiert“, meint er. „Das Fasten ist schließlich kein Zwang.“
„Darf man auch als Nicht-Muslime am Ramadan und am abendlichen Essen in der Moschee teilnehmen?“, frage ich die Jungs. „Natürlich, wir freuen uns immer über jeden, der mitmachen möchte“, sagt er.
Nach dem Abend bin ich wirklich begeistert von der Offenheit, mit der mir begegnet wurde. Alle Gemeindemitglieder, mit denen ich gesprochen habe, waren sehr freundlich und haben mich sogar dazu gebracht, zu überlegen, ob ich mich nächstes Jahr selbst einmal in Sachen Selbstdisziplin testen werde und beim Ramadan mitmache.

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