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Schnippeldisko statt Fastfood

Slow Food Youth Schnippeldisko statt Fastfood

„Ich liebe es, zu essen. Auch, wenn man es mir nicht ansieht“, sagt Maike Senne (21) und lacht. Ihre Leidenschaft für Lebensmittel und Kochen kann die Studentin aus Hannover bei „Slow Food“ ausleben. Ein Verein für langsames Essen? „Nein. Wir essen nicht nur Schnecken im Schneckentempo“, witzelt Maike.

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Maike Senne engagiert sich beim Verein Slow Food.

Quelle: kil

Hannover. Dass Leute solche Fragen stellen, ist die 21-Jährige schon gewohnt. Über den Grundgedanken der weltweiten „Slow Food“ Bewegung könnte sie stundenlang erzählen. Hinter „Slow Food“, sagt sie, steckt viel mehr als bloß langsames Essen. Es geht um einen bewussten Umgang mit Lebensmitteln. „Das ist sozusagen eine Rückbesinnung auf die Langsamkeit und damit auch auf Qualität“, erklärt die Studentin, die in Stadthagen zur IGS gegangen, in Wulfshagen (Niedernwöhren) aufgewachsen ist und jetzt Landschaftsarchitektur und Umweltplanung studiert. „Alles wird immer schneller und fürs Mittagessen hat man vielleicht grade mal zwischen 12 und 12.30 Uhr Zeit.“ Das gemeinsame Essen an einem Tisch – „so kenne ich das von zu Hause“ – wird immer seltener. „Dabei ist Essen auch etwas Soziales – es wurden noch keine Friedensgespräche geführt ohne, dass es dabei etwas zu essen gab.“

Die Wertigkeit von Lebensmitteln wieder in den Blick zu rücken, das ist ein Ziel von „Slow Food“. Eine Möglichkeit sei es, mehr selbst zu machen und zu kochen, meint Maike. „Viele sagen immer ,dafür habe ich keine Zeit, das ist zu teuer‘. Das Argument lasse ich nicht gelten“, meint sie. „Man nimmt sich die Zeit und das Geld“. Dann kann auch ein bewusster Umgang mit Essen – jenseits der „Geiz-ist-geil-Mentalität“ – als Studentin gelingen. „Jede Party endet sowieso in der Küche. Dann kann man auch gleich zusammen kochen“, findet die 21-Jährige. Maike wohnt mit ihrem Freund zusammen, den sie ebenfalls „auf den Geschmack“ für „Slow Food“ gebracht hat, nachdem er sich bei einer Grillparty über das „miese Fleisch“ aus dem Discounter beschwert hatte. Mit ihrem BAföG kommt Maike gut aus – zweimal in der Woche geht sie auf den Wochenmarkt in Hannover. „Slow Food – das ist für mich mehr als ein Hobby“, sagt sie.

Als „radikal“ würde sie sich aber nicht unbedingt bezeichnen. Sie drängt niemanden zu „Slow Food“, freut sich aber, wenn sie anderen Appetit darauf machen kann. In der Hannoverschen „Slow Food Youth“-Gruppe ist sie seit 2014 aktiv dabei, organisiert Veranstaltungen wie den „Schnippel-Talk“, bei dem man sich zum Kochen trifft und über ein bestimmtes Thema spricht. Zum Beispiel „Teller oder Tonne“, „Essen und Religion“. Das Gemüse ist entweder von Märkten übriggeblieben, oder solches, das für den regulären Supermarkt nicht genügt, wie etwa ungerade Gurken.

Außerdem gibt es von „Slow Food“ deutschland- und weltweit Aktionen, an denen Maike teilnimmt. In Berlin gab es erst neulich eine „Schnippeldisko“. „Da kommen mehr als tausend junge Leute, um zusammen zur Musik zu kochen.“ In Hannover gibt es so etwas leider noch nicht – „aber hier bin ich auch noch ein bisschen die Einzelkämpferin“, sagt die Wahl-Hannoveranerin. Aber: Es dauert eben, etwas Neues bekannt zu machen. Das große Netzwerk des Vereins sei zudem eine super Plattform, um neue interessante Leute außerhalb der Uni kennenzulernen.

Neben der Leidenschaft für gute Lebensmittel spielt auch noch die politische Dimension eine Rolle, schildert Maike. Welche Auswirkungen hat unser Konsum zum Beispiel auf andere Länder und Kontinente? Auch dabei kann man darauf achten, dass man „sauber, fair und regional“ einkauft.

Wer hat's erfunden?

Slow Food ist eine weltweite Gegenbewegung zum Fastfood-Trend. Angefangen hat alles in Rom. Dort wurde die Organisation 1986 von Carlo Petrini und seinen Freunden mitten in den Weinbergen gegründet. In dieser Zeit brachen nämlich Proteste gegen die Eröffnung einer Filiale von McDonald’s direkt an der Spanischen Treppe in Rom aus. So fing alles an. 2006 definierte Petrini dann die Grundbegriffe der „Neuen Gastronomie“: „Buono, pulito e giusto“ – das bedeutet „gut, sauber und fair“. Nur wenn ein Essen all diese Kriterien erfüllt, sei es „Slow Food“. r

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