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Schnuller-Alarm in der IGS

Mütter auf Probe Schnuller-Alarm in der IGS

Babys sind niedlich, Babys sind süß. Doch wie anstrengend der Alltag mit Kleinkind wirklich ist, das haben jetzt 15 Schülerinnen der IGS erfahren. Ihr Schnuller-Alarm holte sie teilweise nachts um drei Uhr aus dem Bett.

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Dreimal in der Nacht aufgestanden: Kira, Melina und Luzie (von links) mit ihren Baby-Puppen.

Quelle: mig

Obernkirchen. Es sind schon merkwürdige Geräusche, die hinter der Tür des Wahlpflichtkurses „Gesundheit und Soziales“ hervordringen. Ein Baby quengelt, dann sagt jemand: „Ich glaube, ich muss wickeln.“ Was hier vor sich geht? Jedenfalls nicht das, was man vielleicht denken könnte. Im Wahlpflichtkurs der IGS wird geübt: Wie ist das eigentlich, wenn man ein Baby hat? Was muss man tun, wie schränkt es einen ein?

Fläschchen geben, Windeln wechseln

Drei Tage und drei Nächte mussten die Teilnehmer auf einen lebensechten Simulator aufpassen. 15 verschiedene Tagesabläufe hatte der Hersteller programmiert und sich dabei an echten Kindern orientiert. Mal sind die Babys eher quengelig, dann wieder ruhig: Nur die Grundbedürfnisse sind immer gleich. Je nach Programm müssen die Puppen ihre Flasche bekommen, gewiegt oder gewickelt werden. Wird das jeweils angezeigte Bedürfnis nicht innerhalb einer gewissen Zeit erfüllt, gilt das als Fehler, der im Nachgang besprochen wird.

Immerhin: Eine echte Vernachlässigung haben Inge Wehking vom Basta Mädchen- und Frauenberatungszentrum und Andreas Woitke von der Kreisjugendpflege noch nicht erlebt. Im Gegenteil: „Die Teilnehmer gehen normalerweise sehr fürsorglich mit den Puppen um – sie wirken ja auch unglaublich echt.“

Ziel des Projektes ist es, den Schülern einen Einblick in einen anderen Alltag zu vermitteln. „Sie erfahren, wie es sein könnte, für ein Baby zu sorgen, spüren wie es ist, rund um die Uhr Verantwortung übernehmen zu müssen“, beschreibt Inge Wehking das Konzept vom Schnuller-Alarm.

Wissen, das kein Buch vermitteln kann

Ihrer Auffassung nach müsste es – ähnlich wie das Betriebspraktikum – auch ein Elternpraktikum geben, denn: „Das schlaue Schwatzen reicht da nicht, die Jugendlichen müssen selbst ihre Erfahrungen machen.“ Wehking will sich nicht anmaßen, den Teilnehmern zu sagen, wann die richtige Zeit für ein Baby ist. „Das müssen sie selbst herausfinden“, sagt sie. Das Projekt sei lediglich eine „Möglichkeit auszuprobieren, wie es denn ist, wenn man ein Baby hat.“ Diese Lebenspraxis könne kein noch so gutes Buch vermitteln, „das kann man nur in der Praxis lernen“, meint Wehking.

Woitke sieht das ähnlich. In den drei Tagen lernten die Teilnehmer viel mehr, als man ihnen theoretisch beibringen könnte. „Sie lernen, dass sie auf vieles verzichten müssen, wenn sie ein Baby haben und, dass ein Baby eben viel Zeit braucht.“

In der Regel kämen die Teilnehmer dann zum Schluss, die K-Frage nach hinten zu stellen. „Die meisten wollen erst einmal ihre Ausbildung zu Ende machen“, berichtet Wehking. Viele wollten zunächst „auf eigenen Beinen stehen, bevor sie ein Kind bekommen“. Es gebe aber auch immer wieder Mädchen, die, „wenn sie ihren Mister Right treffen“, nicht ausschließen wollten, dass „es“ passiert.

Fehlen werde einem das "kleine Ding" schon

In Bezug aufs Kinderkriegen sind sich auch die Teilnehmer dieser Gruppe ziemlich einig. „Erst einmal nicht“, lautet der Tenor. Nach der Ausbildung sei ja immer noch Zeit dafür und Kinder und Küche halten viele ohnehin für überholt. Allerdings: Fehlen werde einem das „kleine Ding“ schon, da sind fast alle einer Meinung. Manchmal sei es schon schön gewesen mit dem Baby, wenn „der Kleine“ zum Beispiel ruhig vor sich hingeschlummert habe. „Ich wusste immer, dass da jemand ist, dass da nachts jemand neben mir geatmet hat“, erzählt eine der Mütter auf Probe. „Von mir aus hätte es noch ein bisschen weiter gehen können.“

Andere haben eher negative Erfahrungen gemacht: Beim Discounter – „wenn alle zu mir hergeschaut und getuschelt haben“ – oder in der Nacht, „ich musste dreimal raus und war am nächsten morgen total übermüdet“.

Blöde Blicke beim Spaziergang

Besonders ärgerlich war es, wenn die „Eltern“ mit ihren „Babys“ draußen waren. „Die haben total blöd geguckt – ich denke, dass wohl fast alle die Puppen für echt gehalten haben und deshalb so reagiert haben“, ärgert sich Jenny. Obwohl: Ein bisschen verstehen kann sie die Reaktion schon. Immerhin seien die Schülerinnen des Wahlpflichtkurses ja erst 14 bis 16 Jahre alt – das habe sicher zu den Irritationen beigetragen.

Ein anderes Mädchen bringt es dann für die meisten Teilnehmerinnen auf den Punkt. Sie sei froh, dass sie noch kein Kind habe. „Es ist ja zuckersüß und manchmal hat es auch Spaß gemacht, aber welche Verantwortung das mit sich bringt, das ist mir erst während dieser drei Tage so richtig bewusst geworden.“ Das von „Basta“ in Kooperation mit der Kreisjugendpflege angebotene Projekt habe ihr „so richtig die Augen geöffnet“. mig

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