Volltextsuche über das Angebot:

1 ° / -6 ° wolkig

Navigation:
Showtime

Karneval in Bremen Showtime

In ihrer Heimat gibt es keinen Karneval. Doch begeistert üben jugendliche Flüchtlinge unter anderem aus Afghanistan und Syrien schon seit Tagen auf Hochtouren, um den Bremer Samba-Karneval am Wochenende zu eröffnen.

Voriger Artikel
Infotag an der Schlaffhorst-Andersen-Schule
Nächster Artikel
Gefährlicher Smalltalk

Eine große Bühne für eine kunterbunte Truppe: Die menschliche Pyramide gehört zu den Highlights der Karnevals-Performance, die morgen aufgeführt wird.

Quelle: epd

Bremen/Oldenburg. Zusammenspiel ist gefragt. Und Mut zur großen Geste. Bunte Hüte fliegen durch die Luft, vielleicht noch etwas zaghaft. „Ihr müsst höher werfen, damit die Leute überhaupt etwas sehen können“, ruft Ines Rosemann von der Oldenburger Zirkusschule „Seifenblase“ in den Saal. Die Regieanweisung kommt nicht nur auf Deutsch, sondern auch auf Französisch und Englisch.

 Zusammen mit jugendlichen Flüchtlingen und jungen Leuten aus Deutschland probt sie die Eröffnung des 30. Bremer Samba-Karnevals, der am morgigen Sonnabend auf dem Marktplatz der Hansestadt startet. „Der große Circus“ lautet das Motto des Spektakels, das erstmals auch mit Flüchtlingen inszeniert wird.

 Die jungen Ausländer sind aus Afghanistan, Algerien, Somalia, Guinea, Gambia und Syrien vor Krieg, Verfolgung und wirtschaftlicher Not nach Deutschland geflüchtet, ganz alleine, ohne Familie. Nun üben sie für einen Ablauf, der ihre volle Konzentration fordert. Schon, weil sich die Beteiligten entweder radebrechend oder nur mit Händen und Füßen untereinander verständigen können.

Aber das ist hier kein Problem. „Wir wollen gemeinsam eine Show machen“, freut sich Nima Zegnali auf den Sonnabend. „Und ich hoffe, dass es eine gute Show wird“, betont der 17-Jährige. Paula Mühlmeyer von der Zirkusschule „Jokes“ findet, dass das schon ganz gut klappt. „Wir machen alles zusammen, zeigen uns gegenseitig, wie es geht, das hat eine große Tiefe“, schwärmt die 18-Jährige und beschreibt ihr Gefühl von der Zusammenarbeit in dem internationalen Ensemble: „Als ob wir uns schon länger kennen. Vielleicht läuft es deshalb so gut.“

 Trotzdem: Noch liegt viel Arbeit vor der Gruppe, an der sich außer Jugendlichen aus Oldenburg auch Aktive der Bremer Zirkusschule „Jokes“ beteiligen. „Die Idee zu der gemeinsamen Aktion ist im Sommer vergangenen Jahres entstanden“, erläutert Katharina Witte von der Initiative „Bremer Karneval“. Sie ist regelmäßig für die Choreografie zur Eröffnung des Spektakels zuständig, das sich selbst als mittlerweile größter Samba-Karneval in Deutschland sieht.

 Mit lautstarken Samba-Rhythmen und Maskentanz statt Kamellen und Pappnasen wollen die Bremer ihrem Publikum einheizen – zur Jubiläumsausgabe mit „unbegleiteten minderjährigen Flüchtlingen“, wie die jungen Leute offiziell heißen. Ihnen schauen dann nach Schätzungen der Organisatoren etwa 30000 Gäste am Rande der Straßen zu, wenn sich der Samba-Umzug vom Marktplatz ins Szeneviertel Ostertor schlängelt. Knapp 1900 Aktive wollen nach Bremen kommen, um als Sambatrommler, Maskenträger und Stelzenläufer die Stadt aufzumischen.

 Und der Circus eignet sich bestens als verbindendes Element, sagt Regisseurin Witte. „Kultur macht stark, Circus macht stark“, meint sie und lässt keinen Zweifel daran, dass die Eröffnungsszene trotz Sprachproblemen klappen wird: Der Clown Carlito inszeniert auf dem Bremer Marktplatz eine Zirkus-Vorstellung mit Gewichthebern, Seiltänzern, Akrobaten und Jongleuren.

 „Ich mag Zirkus“, begeistert sich Mohamed Kader (17) aus Algerien für den Ablauf, der noch nicht so richtig sitzt. Die Hüte fliegen noch immer nicht hoch genug, die Gesten könnten noch etwas größer sein, der Kreistanz etwas runder. Aber mit jeder von Sambarhythmen begleiteten Probe wird es besser. Die menschliche Pyramide stemmen die Nachwuchs-Akrobaten schon ziemlich sicher. Lächeln inklusive.

„Beim Theater spielt Sprache eine wichtige Rolle, hier funktioniert der Zugang vor allem über den Körper – das hilft uns“, sagt Teamerin Rosemann. Dazu seien Zusammenspiel und Disziplin gefragt, ergänzt Katharina Witte. „Der Spaß kommt von selbst. Und am Ende steht das Gefühl: Ich kann was, ich habe was bewirkt.“

 Die Zeit bis zur großen Show wird jetzt noch fleißig geprobt. Schließlich warten morgen Zehntausende gespannt auf die Premiere, die nach dem letzten Schlag der Domglocken punkt 12 Uhr auf dem Marktplatz der Hansestadt beginnt. Eine große Bühne für die kunterbunte Truppe. epd

Voriger Artikel
Nächster Artikel

Möchten Sie uns zu diesem Artikel Ihre Meinung sagen? Dann schicken Sie uns einen Leserbrief.

Leserbrief schreiben