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Von Monster-Partys zur heiligen Messe

Studium Von Monster-Partys zur heiligen Messe

Der Nordsehler Marvin Schildmeier studiert ein Semester lang in der irischen Stadt Cork. Auf SNack berichtet er, wie er den irischen Wahn um Halloween erlebt hat.

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 Cork im Halloween-Wahn: Unter dem Riesenmonster fällt Marvin kaum auf.

Quelle: pr.

In den Achtzigern, als Irland noch der Inbegriff des Konservativen war, haftete dem Land besonders ein Vorurteil unnachgiebig an: Böse Zungen behaupteten, die grüne Insel sei von Kopf bis Fuß katholischer als der Vatikan. Bei einer solchen Geschichte wundert man sich doch, dass Halloween heutzutage nicht als ketzerisches Götzenfest verunglimpft wird.

 Ganz im Gegenteil: Die jungen Iren feiern den 31. Oktober auf eine Weise, die dem St. Patrick’s Day ernsthafte Konkurrenz machen könnte. Schlenderte man in den vergangenen Wochen durch die Einkaufsstraßen von Cork, wurde man erschlagen von der Vielfalt an Kostüm-Shops, Grusel-Deko und Kürbisfratzen, die einen von überall her anstarrten.

 Während Halloween in Deutschland erst langsam im Kommen ist, und ich mich nicht daran erinnern kann, einmal um „Süßes oder Saures“ gebettelt zu haben, bietet es den Jugendlichen hier in Irland einen der größten Partyanlässe des Jahres – sehr zum Ärger so mancher konservativer Landsleute.

 Denn auch wenn Kirche und Halloween schon lange keine unvereinbaren Gegensätze mehr sind, rauft sich noch immer der ein oder andere besonders traditionsbewusste Katholik wutentbrannt die Haare. So passiert es schon mal, dass manch kirchliches Erbe im modernen Irland in Vergessenheit gerät. Und Halloween ist nichts weniger als ein Paradebeispiel dafür.

 Denn die logische Konsequenz von alkoholgetränkten Party-Eskapaden am 31. Oktober liegt auf der Hand: Wer am Vorabend trinkt, der kämpft am Tag darauf mit seinem Kater. Demnach dient der 1. November den Iren inzwischen als Ausnüchterungspuffer, bevor die Uni- und Arbeitstage wieder losgehen.

 Dumm ist nur, dass dieser Tag zufällig einer der höchsten katholischen Feiertage ist: Allerheiligen. Die Hälfte der Jugendlichen befindet sich während der morgendlichen Messe wohl noch im Halbdelirium.

 Bei so viel frevelhaftem Verhalten droht der All Saints’ Day, wie er im Englischen genannt wird, also tatsächlich einem Fest rund um Hexen, Monster und Alkohol zum Opfer zu fallen – als hätte die Kirche diese Bedrohung nicht schon vor Jahrhunderten festgestellt.

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