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Oma Trudchen und die Maus

Erinnerung Oma Trudchen und die Maus

Von meinen vier Großeltern erinnere ich mich nur an die Mutter meiner Mutter, Oma Trudchen. Sie war eine Persönlichkeit im wahrsten Sinne des Wortes.

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Oma Trudchen (rechts) auf einem Bild von 1942.

Quelle: pr.

Von Ute Coltzau

Eine schöne, starke Frau, geistig und körperlich. Sie war gelernte Kindergärtnerin gewesen, hatte ein Seniorenheim geleitet und einem Pastor den Haushalt geführt. In einem Theaterstück durfte sie die Hauptrolle spielen, die Königin Luise.

Ich liebte Oma Trudchen. Leider starb sie schon, als ich vier Jahre alt war. Ihr Herz hatte die Flucht 1944 von Frankfurt/Oder bis ins Alte Land bei Hamburg nicht durchgehalten. Als ich mit meiner Mutter auf der Beerdigung an ihrem Grab stand, war ich nicht zu trösten. Am Abend zeigte mir meine Mutter einen leuchtenden Stern und sagte: „Das ist Oma Trudchen.“ Da war ich getröstet. Noch Jahre danach suchte ich oft einen besonders leuchtenden Stern und fühlte mich meiner Oma nahe.

Ein lustiges Erlebnis habe ich noch in Erinnerung. Meine Oma, meine Mutter und ich waren als Flüchtlinge bei einer Bauersfamilie untergekommen, die uns liebevoll aufnahm. Uns wurde eine Kammer zugewiesen, in der wir schliefen. Eines Abends ging Oma Trudchen früh ins Bett. Plötzlich ertönte aus der Kammer ein entsetzter Schrei. Meine Mutter und ich stürzten herbei. Wir sahen meine Oma mit einer toten Maus in der Hand, die sie am Schwanz hielt. Sie hatte die Maus in ihrem Bett gefunden. Ich sagte bittend: „Oma, gib sie mir!“ Das tat Oma Trudchen nicht, sondern sie rannte mit der Maus hinaus. Meine Mutter lachte, und ich verstand die ganze Aufregung nicht, denn Ekel kannte ich damals noch nicht. Ich liebte Tiere, und die Maus war doch ein Tier.

Oma Trudchens warmherzige Art, mit der sie mich liebte, fühle ich noch jetzt in meinem Herzen.

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