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Familie Wille ist nach Reinsen gezogen Die Neuen

Während die Bergkette im Hinblick auf Infrastruktur nicht viel zu bieten hat, zieht es junge Familien dennoch auf die Dörfer. In unserer Anfang des Jahres erschienen Geschichte „Schöner wohnen an der Bergkette?“ hat ein Makler erklärt, dass es kaum Leerstände auf den Dörfern gebe und die Ortsvorsteher erklärten, warum ihre Orte so lebenswert seien. Denn auch Alteingesessene denken nicht dran, ihr Heim zu verlassen, zumindest solange sie nicht müssen. In diesem Teil erzählt Familie Wille aus Reinsen über ihren neuen Lebensmittelpunkt.

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In den Harz zu fahren, kann sich Familie Wille sparen. Auf ihrem großen Grundstück in Reinsen lassen sich wunderbar Schneemänner bauen.

Quelle: col

Reinsen. Die Auffahrt hoch zum Haus der Familie Wille in Reinsen führt an einem großen Vorgarten vorbei. Richtig beeindruckend wird es allerdings ein paar Meter weiter, wenn der Blick auf den großen Garten möglich ist – „wir haben hier unseren eigenen Harz“, sagt Nadine Wille lachend. Im Februar 2016 ist die 41-Jährige mit ihrem Mann Thorsten und den beiden Kindern Ben und Laura aus der Kernstadt an die Bergkette gezogen. Genau der richtige Schritt für die Familie, wie die zweifache Mutter sagt.

Im Grunde seien sie und ihr Mann einfach den Kindern hinterher. Denn erst besuchte der heute achtjährige Ben den Kindergarten in Obernwöhren, später dann auch seine Schwester. „Dabei wusste ich, bevor Freunde mich darauf aufmerksam machten, gar nicht, dass es hier eine Kita gibt“, gibt Wille zu.

Kinder dürfen hier im Vorgarten spielen

Der Mangel an Infrastruktur – „haben wir hier überhaupt irgendwas?“ – störe sie gar nicht. Im Gegenteil, während die Kinder im alten Haus an der Lauenhäger Straße aufgrund des Verkehrs gar nicht auf den Hof durften, könne davon in Reinsen keine Rede mehr sein. Das Haus habe einer älteren Frau gehört, die ins Pflegeheim gezogen sei. Im April 2015 unterschrieb das Paar den Kaufvertrag und stemmte große Teile der Sanierung selbst. „Man kann alles am Haus verändern, aber die Lage nicht.“ Ihr Mann und sie seien beide mit einem großen Haus aufgewachsen, „und wollten das wieder haben“.

Über ihre Arbeit als Berufsbetreuerin kenne sie Reinsens Ortsvorsteherin Ute Hartmann-Höhnke. „Und sie hatte gehört, dass wir ein Haus suchen und hat uns auf dieses aufmerksam gemacht“, erinnert sich Wille.

Das Charmante an dem Leben in Reinsen? „Wir haben hier totales Landleben, obwohl wir so nah an der Kernstadt wohnen.“ Ben, „der Große“, sei gerne draußen, spiele Fußball, sei viel auf dem Mountainbike unterwegs, „und er findet das natürlich megaklasse hier“. Wille, die halbtags arbeitet, freut sich über die kurzen Wege zur Kita und der danebenliegenden Grundschule. „Beim ersten Schneefall konnte ich Laura auf dem Schlitten zur fünf Minuten entfernten Kita bringen. Und Ben genießt es, zu Fuß gehen zu können.“ Nach der vierten Klasse müssen die Kinder mit dem Bus zu weiterführenden Schulen, „das ist kein Problem“, ist die 41-Jährige überzeugt.

Die Schließung des letzten Restaurants an der Bergkette hat auch Wille mit Bedauern aufgenommen: „Toll wäre ein Tante-Emma-Laden, der sich dann auch zum Treffpunkt entwickeln könnte.“ Für ihre Familie sei dies vielleicht weniger wichtig, „wir sind schließlich sowieso immer unterwegs und kaufen zwischendurch ein, aber gerade ältere Menschen würden davon sicherlich profitieren“.

Für die humorvolle 41-Jährige ist eines ganz klar: „Ohne zwei Autos geht hier ganz nichts.“ Ihr Mann pendle täglich zur Arbeit nach Hannover; „und ich muss vormittags nach Stadthagen ins Büro und nachmittags fahre ich die Kinder durch die Gegend“. Aber auch vor Ort gebe es Angebote für die Kinder. Laura geht zum Kinderturnen und Ben hat eine Zeit lang beim TSV Bückeberg Fußball gespielt. Und bei dem Stichwort fällt Wille doch noch ein Manko ein, das ein Haus am Hang mit sich bringe: „Fußballspielen ist hier schwer.“

Spätestens um 7.30 Uhr ist der Streuwagen da

Ihre einzige Sorge im Vorfeld sei der Schnee gewesen. „Aber wir sind hier super versorgt mit Winterdienst, spätestens um 7.30 Uhr ist der Streuwagen hier.“ Und die Nachbarn seien sehr entspannt, „sowohl während unserer Umbauzeit, als wir hier auch am Wochenende Wände rausgerissen haben, als auch jetzt, wenn die Kinder laut sind.“

Das sei in ihrem Dreifamilienhaus, in dem sie in der Kernstadt gelebt hätten, nicht möglich gewesen. „Hier haben sich alle gefreut, dass eine Familie mit Kindern eingezogen ist.“ Und über noch eine Sache freue sie sich: „Wenn mein Mann und ich auf der Rentnerbank im Vorgarten sitzen, hören wir sogar den Hahn der Nachbarn krähen, zumindest wenn nicht gerade Stallpflicht herrscht.“ Und ungemein kommunikativ sei es außerdem dort, weil man mit jedem Vorbeikommenden sofort ins Gespräch komme.

Wie das Leben an der Bergkette im Alter sein werde, darüber habe sie sich noch keine ernsthaften Gedanken gemacht, gibt Wille zu. Das sei noch weit weg, „wir sind ja erst Anfang 40“. Vielleicht hätten sie und ihr Mann dann auch keine Lust mehr, ein 3000 Quadratmeter großes Grundstück zu beackern, vielleicht würden die Kinder es übernehmen. „Und wer weiß, welche Möglichkeiten es bis dahin gibt“.

col

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