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Einst lockte das Tanzlokal, heute die Natur

SN-Ortsspaziergang Einst lockte das Tanzlokal, heute die Natur

Es ist schon kurios, das erste Haus Reinsens – die alte Wassermühle – steht gegenüber Grundschule und Kita – dies wäre nicht so ungewöhnlich, wenn die Kindertagesstätte nicht in Obernwöhren liegen würde. Aber dies ist nur eine von vielen kleinen Besonderheiten des am Nordhang des Bückebergs gelegenen Ortsteils Stadthagens.

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Reinsen punktet bei Naturliebhabern nicht nur mit dem fantastischen Ausblick, sondern auch der Nähe zum Wald und viel, viel Platz.

Quelle: col

REINSEN. Auch die Einwohnerlisten der Verwaltung hinterlassen Fragezeichen, ist dort doch von Reinsen I und Reinsen II die Rede. Selbst Kenner der Kreisstadt können damit nichts anfangen. Doch Ortsvorsteherin Ute Hartmann-Höhnke, an deren Grundstück An der Bergkette der Spaziergang beginnt, weiß Rat: „Reinsen II gehörte früher zum Landkreis Grafschaft Schaumburg, Reinsen I zu Schaumburg Lippe.“

Heutzutage würden sich die Bewohner aber schon als Einheit fühlen. Im Rahmen der Gebietsreform 1974 mussten gleich zwei Zusammenlegungen bewältigt werden: Aus den beiden selbstständigen Reinsen I und Reinsen II mit eigenen Gemeindeverwaltungen und Bürgermeistern entstand ein Reinsen als Ortsteil Stadthagens.

In Reinsen lebten Ende 2016 546 Einwohner – und damit zwölf mehr als im Vorjahr. „Wir hatten knapp 70 Zuzüge in den letzten zwei Jahren“, betont Hartmann-Höhnke, nach deren Erfahrung die Nachfrage höher ist als der Bestand an Immobilien und Baugrundstücken. Die Verkaufsbereitschaft der Reinser sei gering, „die Menschen hängen an ihrem Ort“, so Hartmann-Höhnke, die selbst wieder in ihrem Elternhaus lebt. Bei einigen Häusern, an denen der Spaziergang vorbeiführt, kann die Ortsvorsteherin berichten, dass dies zwar leer stehe, die Eigentümer aber nicht verkaufen wollen, weil sie an diesem Ort hängen und sich nicht trennen wollen.

Der Preis, den man zahlen muss

„Es werden auch keine Baugebiete ausgewiesen, da gibt es nur Lückenschlüsse“. Sie sei gespalten bei der Frage, ob es eine Ausweisung geben solle. „Einerseits ist es wichtig für den Ort, dass er belebt wird. Dies wird so natürlich erschwert.“ Andererseits sei der Ort bei vielen Leuten gerade so beliebt, weil es keine Siedlungsstruktur gebe. „Man lebt hier noch auf großen Grundstücken und hat Abstand zum Nachbarn.“ Allerdings sei eine geringe Siedlungsstruktur wiederum nachteilig, weil Unternehmen (Internet, Gasleitungen, etc.) auf die Anliegerzahl gucken. „Das ist dann der Preis, den man zahlen muss.“

Für junge Familien ist natürlich die Frage der Kinderbetreuung essenziell. Neben der Kita und der Grundschule in Obernwöhren verfügt Reinsen über eine Tagespflege für unter Dreijährige, an der wir vorbeikommen. „Bis Ende der sechziger Jahre hatte der Ort noch eine eigene Grundschule, aber weil es irgendwann zu wenig Kinder gab, wurde diese aufgelöst.“ Früher habe es auch noch einige Lebensmittelgeschäfte gegeben sowie drei Kneipen. „In das Tanzlokal ,Brunkhorst’ sind sogar Besucher aus Steinhude mit zwei Bussen nach Reinsen gebracht worden. Es gibt viele ältere Menschen, die sich dort kennengelernt haben.“ Auch die ehemalige Gastwirtschaft am Bückeberg, „Zur schönen Aussicht“, werde noch heute von Besuchern bewundert. Es soll auch einen Fußballplatz gegeben haben, „aber den kenne ich auch nur aus Erzählungen“.

Während die Sportler der Bergkette heute beim TSV Bückeberge unter einem Dach zusammengeschlossen sind, haben die Feuerwehren ihre Eigenständigkeit gewahrt. „Wir sind gespannt, was der Feuerwehrbedarfsplan bringen wird. Unser Gerätehaus ist ja schon jetzt zu klein und das zweite Fahrzeug muss immer auf dem Parkplatz stehen.“ Außerdem gibt es keine gesonderten Umkleideräume für die Feuerwehrmitglieder und es fehlen weitere Parkplätze. „Die Feuerwehr ist von großer Bedeutung für unseren Ort, nicht nur, wegen des Brandschutzes und Unfallhilfe, sondern auch wegen des sozialen Zusammenhalts und der Dorfgemeinschaft.“

Für das große Fest zum 85-jährigen Bestehen der Feuerwehr hat der Wagen einen guten Dienst als Anschauungsobjekt für die Besucher erwiesen. Dort habe sich mal wieder die Vielfalt gezeigt, die den Ort so lebenswert mache. „Ich habe zwei Neubürger kennengelernt, einen Bayern und eine Ostfriesin.“ Aber auch viele Hannoveraner zögen aufgrund der niedrigen Immobilien- und Grundstückspreise an die Bergkette – „und natürlich wegen unserem Heiligtum, dem Wald“.

Paradies für Radrennfahrer

Besonders beliebt ist Reinsen – wie die gesamte Bergkette – bei Radrennfahrern. „Leider fehlt uns ein kombiniertes Fuß- und Radweg. Das ist gefährlich, das weiß ich selbst, wenn ich mit unseren Enkeln zum Spielplatz möchte.“ Der Ausbau der Landesstraße 444 ist weitgehend abgeschlossen, während bei der Landesstraße 447 noch immer der Bürgersteig fehlt. Aber dafür habe bereits ihr Vorgänger Erich Lockemann, der mehr als 30 Jahre Ortsvorsteher war, gekämpft. „Wie es aussieht, wird die Umsetzung jetzt konkret, die Vorplanungen sind abgeschlossen.“

Gleich vier Betriebe „sind innerhalb der Kurve an der Heuerßer Straße“ angesiedelt: ein forstwirtschaftlicher Betrieb, Garten-, Land- und Forsttechnik, ein Kfz-Betrieb sowie ein IT-Unternehmen. Außer dem Gut Remeringhausen – „unserem touristischen Glanzpunkt“ – gibt es heute keinen landwirtschaftlichen Betrieb zum Haupterwerb mehr. col

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