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Immer geradeheraus

40 Jahre SN: Rudolf Krewer im Porträt Immer geradeheraus

Bereits früh ist Rudolf Krewer mit den Schaumburger Nachrichten in Kontakt gekommen. „1975 war nicht nur die Geburtsstunde der Zeitung, der damalige Schulrat fragte mich, ob ich beim Vorbereitungsteam für die Orientierungsstufe mitmachen will“, erinnert sich der heute 72-Jährige.

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Rudolf Krewer im Porträt.

Quelle: bes

Obernwöhren (bes). Da die SN intensiv über die Einführung der neuen Schulform berichtete, habe es einen steten Kontakt gegeben, erinnert sich Krewer. „Seitdem kennen wir uns“, sagt er und lacht augenzwinkernd, hatten die Redakteure doch immer wieder Fragen zum Zwischenstand der Vorbereitungen.

Mediale Aufmerksamkeit wurde dem Obernwöhrener auch im Jahr 2002 zuteil, als er Schulleiter der Haupt- und Realschule der Schule Am Schlosspark war. „Damals, im März, kam eine Kollegin zu mir und fragte mich, ob ich von der Geburtstagsprügel gehört habe. Ihr habe eine Schülerin davon erzählt“, erinnert sich Krewer. „Ich wusste nichts darüber. Bei der nächsten Gesamtkonferenz habe ich das Thema angesprochen und die Lehrer sensibilisiert.“ Schon bald erschien ein Kollege mit ein paar Schülern im Schlepptau bei ihm. „Der Kollege hatte gesehen, wie sie einen anderen Jungen verprügelt haben und eingegriffen“, erzählt der heute 72-Jährige.

Da die Eltern des Opfers von einer Anzeige absahen, wandte sich Krewer an die Polizei. „Ich hatte einen guten Draht zu den dortigen Verantwortlichen und habe gefragt: ,Ich ist das ein Fall für euch?‘. Die Antwort war ein kurzes ,Ja‘.“

Der Schulleiter und die Beamten entwickelten für die folgenden Tage eine Strategie. „Ich hatte in der Klasse mit den vermeintlichen Tätern Unterricht. Kurz nach Schulanfang kamen die Beamten mit zwei Bullis und in voller Ausrüstung vorgefahren und in die Klasse“, schildert Krewer die Szene. „Mit den Polizisten im Rücken habe ich nur gesagt, dass die Beteiligten aufstehen sollen. Fünf Jungen sind schließlich aufgestanden“, blickt der damalige Schulleiter zurück. „Die Sternstunde war allerdings, als zwei Mädchen sagte, dass jetzt auch die Feiglinge, die auf ihrem Platz geblieben seien, sich melden sollten. Ansonsten würden sie die Namen nennen“, erzählt Krewer.

Auch wenn der ehemalige Schulleiter damals hoffte, mit diesen Schritten sowie der frühzeitigen Einbeziehung von Kollegium und Elternschaft die Lage zu entspannen, war das Interesse der Medien geweckt, hatten die Schaumburger Nachrichten nach Rücksprache doch am Beginn der Sommerferien über diese Vorfälle berichtet. „Am Ende dieser sechs Wochen hatte wohl eine Agentur die Geschichte wieder aufgegriffen“, glaubt der Obernwöhrener. In der Folge hätten alle großen Zeitungen, Zeitschriften und Fernsehsender von Flensburg bis nach Österreich und in die Schweiz darüber berichtet.

Doch auch in dieser Situation wählte Krewer den offenen Umgang mit den Problemen, bezieht den Schulelternrat und andere gesellschaftliche Akteure ein. Der Schulleiter bekam sogar Unterstützung vom damaligen Justizminister Christian Pfeiffer. „Er hat bei seinem Vortrag alle Tabus gebrochen und im positiven Sinn für einen Dammbruch gesorgt“, erklärt Krewer. Am Ende wurden 35 Jugendliche vor den Jugendrichter zitiert. Trotz dieser Vorfälle seien die Jahre an der Schule Am Schlosspark „eine tolle Zeit gewesen“, blickt Krewer zurück.

Dass sich das Engagement des gebürtigen Luxemburgers nicht auf die Arbeit für die Schule beschränkte, zeigte er Mitte der neunziger Jahre: Gemeinsam mit dem Gewerkschafter Detlef Kunkel, mit dem Stadthäger Stadtdirektor Dieter Kuckuck, Kreisdezernentin Ursula Müller-Krahtz und einem Dutzend weiterer Mitstreiter hob er die Schaumburger Initiative gegen Arbeitslosigkeit (Siga) aus der Taufe. „Mittlerweile haben wir 140 Mitarbeiter, davon 40 Festangestellte, sechs Geschäfte und vier Werkstätten“, zeigt sich Krewer mit der Entwicklung der Einrichtung zufrieden.

Geburtshelfer war der heute 72-Jährige auch bei der Bürgerstiftung Schaumburg. Zusammen mit Sparkassen-Chef Rolf Watermann, Landrat Heinz-Gerhard Schöttelndreier und dem früheren Oberkreisdirektor Klaus-Henning Lemme diskutierte er über die Einrichtung von Bürgerstiftung in mehreren Schaumburger Kommunen. Schließlich wurde allen klar, dass viele kleinere Stiftungen zu wenig Kraft entwickeln können. Also wurde eine Bürgerstiftung für den gesamten Landkreis ins Leben gerufen. „Ich war jedoch nicht nur Mitbegründer, sondern wurde kurzerhand auch der stellvertretende Vorsitzende“, erinnert sich Krewer. Vor zwei Jahren wechselte er schließlich in den Stiftungsrat. „Die Bürgerstiftung hat sich toll entwickelt und in den vergangenen Jahren viel bewegt“, zeigt sich Krewer stolz auf das Erreichte.

Doch auch in den Pfarrgemeinderat brachte sich der 72-Jährige aus Obernwöhren ein, war einige Jahre dessen Vorsitzender. Derzeit ist Krewer auch im Diözesanrat engagiert und arbeitet in der Ökumenischen Kommission mit.

„Ich kann schlecht ertragen, wenn Dinge nicht so laufen, wie sie es könnten“, beschreibt Krewer ein Motiv für sein vielfältiges Engagement und sein berufliches Durchsetzungsvermögen. Zudem haben ihn sein Elternhaus und seine Zeit bei der Marine in seiner Wertvorstellung geprägt, zumal der Kapitän zur See der Reserve die Marine als „seine zweite Heimat“ bezeichnet. Mit dieser Haltung und dem offenen Umgang mit Problemen sei er so manches Mal bei seinen Vorgesetzten angeeckt, erinnert sich Krewer mit einem Lachen. Doch schließlich liefen die Dinge bisweilen nicht so, dass er sie ertragen konnte. Seine Verbundenheit zur Marine zeigt Krewer auch darin, dass er nicht ohne Stolz betont, Leiter von drei Schulen gewesen zu sein, eine davon die Marineunteroffiziersschule in Plön.

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