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„Man geht halt zur Wahl“

Wahlhelfer Rudolf Krewer „Man geht halt zur Wahl“

Wo er am 24. September und 15. Oktober sein wird, ist für Rudolf Krewer klar: im Wahllokal. So wie die meisten der Wahlsonntage der vergangenen 40 Jahre. Denn der Obernwöhrener ist leidenschaftlicher Wahlhelfer. „Das ist doch der kleinste Beitrag, den man für die Demokratie leisten kann“, sagt der 74-Jährige sehr überzeugend.

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Rudolf Krewer ist seit der Bundestagswahl 1976 Wahlhelfer. 

Quelle: col

OBERNWÖHREN. Man müsse sich doch bloß einmal in der Welt umschauen: USA, Türkei, Ungarn... „Dagegen leben wir doch in einem Paradies.“ Natürlich gebe es auch in Deutschland Probleme, „aber wo sind die Zustände denn besser?“ Deswegen könne er auch nicht nachvollziehen, dass sich viele Menschen vor dem Dienst als Wahlhelfer drücken wollen. „Ich empfinde das nicht als verlorene Zeit.“ Und das nicht, seitdem der ehemalige Schulleiter pensioniert ist.

„Man lernt hier so viele verschiedene Menschen kennen und es ist einfach ein spannender Tag“, macht Krewer Wahlkampf für die Wahl. Und weil er nun schon so lange dabei ist – mittlerweile trägt er als Wahlvorsteher die Verantwortung für sein Wahllokal – hat sich auch schon ein kleines Ritual eingespielt: „“Wir geben Prognosen zum Wahlergebnis ab und werfen jeder fünf Euro in den Topf. Der Gewinner darf die anderen dann einladen.“ Denn der gemeinsame Ausklang in einer Gaststätte gehöre zu einem Wahltag dazu.

Gespannt auf die Stimmen für die AfD

1974 ist Klewer mit seiner Frau nach Obernwöhren gezogen, und nur einige Jahre später hatte ihn der damalige Bürgermeister angesprochen, ob er sich nicht als Wahlhelfer zur Verfügung stellen würde. „So bin ich reingerutscht und es hat mir immer Spaß gemacht.“ Vielleicht habe er ein oder zwei Wahlen verpasst, aber ansonsten habe er bei allen Bundes-, Landtags- und Kommunalwahlen teilgenommen. „So hat man einfach mehr vom Wahltag.“

Die siebenköpfige Gruppe teilt sich den Wahltag in zwei Schichten auf. Morgens sorgt Krewers Frau für Kaffee, die Mittagsgruppe kommt in den Genuss von Kuchen. Kurz bevor das Wahllokal um 18 Uhr schließt, kommen alle Helfer wieder zum Auszählen zusammen. Dabei sei es schlichtweg wichtig, dass man genau arbeite. „Auch wenn ich über den jahrelangen NPD-Stamm schon nicht schlecht gestaunt habe.“ Er sei auch jetzt sehr gespannt, wie viele Stimmen die AfD erhalten werde.

Lieber wählen statt zu demonstrieren

Ansonsten gebe es „auf dem Dorf“, wie der 76-Jährige sagt, wenig Aufsehenerregendes. „Natürlich kommt es immer wieder mal vor, dass jemand seinen Stimmzettel absichtlich ungültig macht, indem er einfach alles ankreuzt. Ich frage mich immer, warum sich die Leute die Mühe machen, und nicht einfach länger im Bett bleiben.“ Einmal habe er einer Partei, die verbotenerweise noch vor dem Wahllokal mit Plakaten für sich geworben hat, mit der Polizei gedroht. Die seien dann aber freiwillig abgezogen.

Für Krewer gilt noch der Standpunkt: „Man geht halt zur Wahl.“ Wohin es führe, dass vor allem viele Junge eine gewisse Wahlmüdigkeit zeigten, habe sich ja beim Brexit und seinen katastrophalen Folgen gezeigt. „Die Jungen hatten es als selbstverständlich hingenommen, dass ihre Stimme nicht zählt. Leider bringt das Demonstrieren hinterher dann nichts mehr.“ col

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Verpflichtung

Sowohl für die Bundes- als auch für die Landtagswahl werden in Stadthagen 119 Wahlhelfer benötigt. Jeder Wahlberechtigte kann in einem Wahlvorstand helfen – nur Kandidaten und deren Vertrauenspersonen sind von der Funktion ausgeschlossen. Zur Übernahme eines solchen Ehrenamtes ist jeder Wahlberechtigte verpflichtet. Eine Ablehnung kommt nur aus einem wichtigen Grund in Betracht. Wahlvorstände bestehen für jeden Wahlraum aus einem Wahlvorsteher, einem Stellvertreter sowie aus weiteren drei bis sieben Beisitzern. In 17 Wahlbezirken stehen den Bürgern entsprechend 17 Wahllokale zur Verfügung. 25 Euro Aufwandsentschädigung gibt es für den Arbeitstag, aufgrund der besonderen Verantwortung und der Arbeitslast erhalten die Wahlvorsteher grundsätzlich je 35 Euro. Wer Wahlhelfer werden möchte, kann sich bei der Verwaltung melden. Kontaktperson ist Gerhard Bock, Telefon (05721) 782176, E-Mail: g.bock@stadthagen.de.

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