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Schmaler Streifen ohne schnelles Netz

Ortsspaziergang: Krebshagen Schmaler Streifen ohne schnelles Netz

Nicht einzigartig, aber absolut typisch für ein Schaumburger Hagenhufendorf, ist die lange Kette alter niederdeutscher Hallenhäuser entlang der Kreisstraße – sie bildet den 700 Jahre alten Ortsteil Krebshagen mit rund 440 Einwohnern.

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Das Rad der über 150 Jahre alten Krebshäger Mühle steht schon lange still. Dieter Dönges und Gerrit Brandtmann gehen auf Erkundungstour im Ortsteil (kleines Bild).

Quelle: geb

Krebshagen. Angefangen bei „Cropeshagen“ erlebte die Ortschaft zahlreiche Schreibweisen bis zu der heutigen. Der Orts-Chronik zufolge setzte hier wahrscheinlich der erste Siedler einen Akzent: Der Begriff „Krebs“ bezeichnete auch einen mittelalterlichen Plattenpanzer aus Eisen – ein damals kostspieliges Rüstungsteil. Als Beiname geführt, wies die Silbe auf Wohlstand und Einfluss seines Trägers hin. „Hagen“ bezeichnete Hecken oder geflochtene Zäune, die zum Schutz der Höfe angelegt wurden. Die frühen Siedler wollten in der Namensgebung vermutlich ihre Wehrhaftigkeit widerspiegeln.

Südlich der Bundesstraße gelegen, fassen Krummer Bach und Kreisstraße die Backsteinhöfe auf einer Länge von 1,5 Kilometern ein, auf der Ostseite der Straße liegen die Felder. Auch das Neubaugebiet im Norden hat die historische Siedlungsstruktur nicht ganz aufgebrochen. Ein richtiges Zentrum fehlt dem Ortsteil bis heute, auch die letzten Kneipen sind verschwunden. Die gemeinsame Freiwillige Feuerwehr mit Hörkamp-Langenbruch sorge für etwas dörflichen Zusammenhalt, erklärt Dieter Dönges. „Von Ende Oktober bis Anfang April wollen wir bei regelmäßigen Stammtischen im Gerätehaus unsere Belange besprechen“, kündigt der seit 2016 amtierende Ortsvorsteher an.

Der letzte vollerwerbliche Landwirt ist Dieter Baust, andere bewirtschaften ihre Felder noch als Nebenerwerb. Mit 45 Kühen ist Baust auch der größte Tierhalter. Fünf Kälber im Alter von bis zu einem Jahr leben momentan in der Kinderstube des Hofes. Bei vielen anderen Gehöften blicken Pferde über den Zaun, auch eine Reithalle und die Pferdezucht von Friedrich-Wilhelm Koller finden sich an der Kreisstraße. Die Pferdezucht hatte hier schon zu Zeiten des Bergbaus vergangener Jahrhunderte einen besonderen Stellenwert. Ein Bauer Hasse soll bis zu 60 Grubenpferde gehalten haben, die unter Tage die Loren ziehen mussten. Die letzten Spuren des Bergbaus sind die Birken bewachsenen Kummerhügel auf den Ackerflächen zwischen Getreide, Raps und Mais. Vor über 300 Jahren entstanden sie aus dem Abraum der Steinkohleförderung. Nach damals geltendem Bergrecht gehörte die Steinkohle dem Landesfürsten und die Bauern mussten sich die Bergehalden auf den Feldern wohl oder übel gefallen lassen. Der Streit um die Aufschüttung soll für einen Krebshäger gar einmal tödlich ausgegangen sein.

Ein anderes Relikt vergangener Betriebsamkeit ist die Wassermühle am Krummen Bach. 1864 ging die Getreidemühle in Betrieb und tat über hundert Jahre ihren Dienst. Nun verstopfen Treibholz und Gestrüpp das eiserne Mühlrad und den Eigentümern bleibt trotz Unterstützung eines Fördervereins nicht viel mehr, als den Verfall des Bauwerks aufzuhalten.

Regenerative Energien haben die Krebshäger aber nicht aufgegeben: „Fast auf jedem zweiten Dach sind Photovoltaik-Panele installiert“, schätzt Dönges. Auf nachhaltigen Pfaden in der Landwirtschaft bewegt sich Ute Strakerjahn mit ihrem Biolandhof, auf dem sie Gemüse und Blumen westlich des Baches anbaut. Hier verläuft auch ein Abschnitt des 300 Kilometer langen Pilgerweges Loccum-Volkenroda in Richtung Bückeberge. Idyllisch ist der schmale Pfad an schönen Tagen, doch bei starkem Regen hat sich der kleine Bach schon zum reißenden Strom verwandelt. „Vor etwa zehn Jahren kam es hier zur Überschwemmung“, erinnert sich Dönges. Auch der Körsebach, der quer durch das Neubaugebiet fließt, wo er auf den Krummen Bach trifft, trat über seine Ufer. Der Ortsvorsteher habe sich bei der Stadt schon länger darum bemüht, dass der zugewucherte Bachlauf freigeräumt wird, scheitert aber an den Zuständigkeiten. „Es ist ein Ping-Pong aus Landkreis, Stadt und Unterhaltungsverband.“ Eigentlich sollte das Problem durch Rückhaltebecken auf dem Bückeberg gelöst werden.

Mehr noch als an gelegentlichen anschwellenden Wasserläufen stören sich die Krebshäger am kümmerlichen Datenstrom. Denn auf der aktuellen Breitbandausbau-Karte der Telekom ist die Ortschaft ein großer weißer Fleck. Wer also wie Dönges als Projektleiter in seinem heimischen Büro auf schnelle digitale Kommunikation angewiesen ist, muss bislang mit dem LTE-Netz vorliebnehmen. „Entlang der Bergkette steckt der Landkreis Geld in den Ausbau, hier gucken wir in die Röhre“, ärgert sich der Ortsvorsteher und will dem Problem nachgehen.

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