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Schöner wohnen an der Bergkette?

Wendthagen und andere Stadtteile Schöner wohnen an der Bergkette?

Schön gelegen sind die Stadthäger Ortsteile an der Bergkette. Wer Nähe zur Natur sucht, ist hier richtig. Wer allerdings Milch, Kaffee oder Windeln braucht, muss einige Kilometer fahren, denn Geschäfte sind rar gesät.

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Schön anzusehen ist die Bergkette in jedem Fall.

Quelle: rg

Stadthagen. Bis auf einen Bäcker in Wendthagen, der freitags bis sonntags einige Stunden geöffnet hat, und ein Restaurant gibt es weit und breit nichts mehr. Busse fahren zwar, aber für Senioren sind die Wege bis zu den Haltestellen häufig zu weit. Alles könnten Gründe für einen hohen Leerstand in den fünf Dörfern sein – aber weit gefehlt.
Nach wie vor sei die Bergkette beliebt, erklärt Immobilienmakler Carsten Winkelhake: „Alles am Gebrauchtmarkt wird gut angenommen.“
Die Nachfrage sei auch deutlich größer als in den Orten nördlich von Stadthagen wie Lauenhagen oder Nordsehl. Und das, obwohl die Häuser dort deutlich günstiger seien. Während Immobilien in gutem Zustand an der Bergkette für mehr als 200 000 Euro gehandelt würden, sei eine solche Summe in Lauenhagen schwer zu erzielen.

Häuser gehen relativ schnell weg

Der Immobilienexperte hat aber einen Widerspruch festgestellt: „Während Häuser relativ schnell vermarktet werden, ist der Grundstücksmarkt viel verhaltener.“ Die wenigen Grundstücke und Baulücken, die es in dem Bereich gebe, würden über einen langen Zeitraum angeboten. Das sei auch für ihn als Makler verwunderlich, zumal die durchschnittlichen Quadratmeterpreise zwischen 50 und 60 Euro für voll erschlossene Grundstücke deutlich günstiger seien als etwa in der Sandkuhle in Stadthagen.
Dort – drei Kilometer entfernt – koste der Quadratmeter knapp 100 Euro. So habe es beispielsweise bei den Grundstücken in Krebshagen, die die Stadt selbst angeboten hat, „ewig lange gedauert“, bis es zu Abschlüssen gekommen sei.
Es seien vor allem Familien mit kleinen Kindern, die an die Bergkette zögen. Dabei spiele der gute Ruf der Grundschule Obernwöhren eine große Rolle – und das Thema Naherholung. Weniger ins Gewicht falle offenbar die schlechte Infrastruktur. Dass nur vereinzelt Busse fahren und es keine Einkaufsmöglichkeiten gebe, werde in Kauf genommen. Die jüngeren Leute seien ohnehin mobil, sodass die weiteren Wege in Kauf genommen würden – solange die Wege der Kinder kurz sind.

Probleme für Alteingesessene

Während Mobilität für die jüngeren Bürger kein Thema ist, wird es für die Alteingesessenen langsam zum Problem. Auch für Gerhard Bolte steht es ganz oben auf der Agenda. Für die vielen älteren Bewohner der Bergkette werde es verstärkt eine Rolle spielen, wenn sie denn in ihren Häusern wohnen bleiben wollen, ist der Ortsvorsteher von Hörkamp-Langenbruch überzeugt. Er befürchte auch, dass die aktuelle noch hohe Nachfrage den steigenden Leerstand irgendwann nicht mehr werde decken können.
Für Familien mit Kindern sei es natürlich „top“, dass es noch eine Schule, Kita und Spielkreis gebe. Aber „motorisiert“ müssten die Leute sein.
Eine beim Kreis angesiedelte Mobilitätszentrale, wie sie der Seniorenbeirat der Stadt anstrebe, sieht Wendthagens Ortsvorsteherin Ulrike Koller als eine Lösung, die Bergkette „näher“ an die Stadt zu bringen. Eine ganz neue Möglichkeit, individuell mobil zu werden, stelle das Carsharing – also das miteinander Teilen eines Autos – dar. Ein Fahrzeug dafür steht bereits am Feuerwehrgerätehaus.
Für jüngere sei das vielleicht eine Option, aber für ältere, die sich das Autofahren einfach nicht mehr zutrauten, nicht, meint hingegen Ortsvorsteher Bolte. Da müssten neue Lösungsansätze her.

Anruf- oder Bürgerbusse gefordert

Bolte zielt damit auf die Möglichkeit eines Anruf- oder Bürgerbusses und hat in Dieter Dönges einen Mitstreiter. Der Ortsvorsteher Krebshagens erinnert sich, dass es bereits den Versuch gegeben habe, einen Anrufbus zu installieren, dieser aber gescheitert sei. Bei einer solch alten Bevölkerung sei diese Variante, bei der die Bürger an der Haustür abgeholt würden, jedoch das einzig Vernünftige.
Andreas Ahnefeld, gebürtiger Obernwöhrener und frisch im Amt des Ortsvorstehers, will gemeinsam mit seinen Kollegen die Frage angehen: „Wie können wir es schaffen, dass die Menschen in ihren eigenen vier Wänden bleiben können?“ Schließlich habe in den siebziger Jahren bei Bau der Häuser niemand an altersgerechtes Wohnen gedacht. Nachbarschaftshilfe könne da ein Stichwort sein, meint der 32-Jährige.
Auch Ortsvorsteherin Ute Hartmann-Höhnke kennt immer mehr gerade alleinstehende Frauen, die sich überfordert fühlten und in die Stadt ziehen. Um Reinsen zu verjüngen, wünsche sie sich die Ausweisung eines Neubaugebiets.
Dass die Nachfrage in Reinsen laut Immobilienmakler Winkelhake eher verhalten sei im Vergleich zu den anderen Ortsteilen, sieht die Ortsvorsteherin auch dem geringen Angebot geschuldet. Ihrem Kenntnisstand nach gebe es aktuell fünf Baugrundstücke, die allerdings nicht vermarktet würden.
Die Ausweisung eines Neubaugebiets sei von ihr im Bau- und Planungsausschuss bereits angesprochen worden. Eine Entscheidung sei aber auf Wunsch der Verwaltung zurückgestellt worden, um eine Bedarfserhebung für die Stadt zu erstellen.
Hartmann-Höhnke: „Ich bin schon häufiger von Paaren angesprochen worden, die aus Reinsen wegziehen mussten, weil es hier keine Häuser oder Grundstücke gab.“ Die Mehrheit ziehe nach Wendthagen, was zeige, „dass die Bergkette attraktiv ist“.

Junge Familien siedeln sich an

Keine überraschende Aussage für Ortsvorsteherin Koller. Dass Wendthagen als Wohnort gefragt sei, belegten zwei neue, inzwischen ausverkaufte Baugebiete. Vor allem junge Familien hätten sich angesiedelt, deren Kinder den städtischen Kindergarten in Wendthagen oder die Einrichtung der PLSW nutzten. Dass die Kinder außerdem im Nachbarort Obernwöhren die Grundschule besuchen können, begünstige die Entscheidung, sich in Wendthagen niederzulassen.
Koller will sich dafür einsetzen, dass es noch besser wird. Dass nun endlich schnelles DSL kommen soll, bewertet die überzeugte Wendthägerin als sehr wichtig, vor allem für kleine Start-up-Unternehmen.
Damit die Orte an der Bergkette attraktiv bleiben und nicht von der Kernstadt abgehängt werden, müsse die Stadt auf jeden Fall in die Infrastruktur an der Bergkette investieren. Dazu zählten die Grünpflege und der Straßenausbau.
Die ruhige Lage am Wald, der Bückeberg als Naherholungsgebiet aber auch funktionierende Vereine im Ort, dazu der Sportplatz, das Schützenhaus und der Bolzplatz: „Wir haben Pfunde, mit denen wir wuchern können“, sagt Koller, sieht aber auch, dass in der Versorgung Wichtiges abhandengekommen ist. Es bestehe kaum Aussicht, wieder einen Einkaufsladen zu installieren.

Dorfladen oder Café als Treffpunkt

Erstaunlich findet es hingegen Immobilienmakler Winkelhake, dass es keine einzige Einkaufsmöglichkeit in dem Bereich gibt. Er sei überzeugt, dass sich ein kleines Geschäft für die Betreiber rentieren würde. Dies würde sich auch Hartmann-Höhnke wünschen. Sie träume schon lange von einem Dorfladen oder einem Café, das als Treffpunkt dienen könnte. Doch leider gebe es keinen Ortsmittelpunkt.
Das sei die Krux an der Sache. Jeder wolle gern ein Geschäft vor der eigenen Haustür, aber eingekauft werde dann eben doch woanders, weil das Angebot dort größer sei und die Öffnungszeiten besser zum eigenen Alltag passten, so Ahnefeld. Er habe sich bereits über Dorfläden wie sie in andere Orten etwa als Genossenschaft geführt werden, informiert. Bevor er so etwas in Angriff nehmen würde, müsste bei den Bürgern die Akzeptanz abgefragt werden, auch wenn es um Themen wie Bürgerbus oder Mitfahrbänke gehe.
Eine Art Dorfgemeinschaft werde durch die freiwilligen Feuerwehren am Leben erhalten, für die alle Ortsvorsteher voll des Lobes sind. „Sie halten das Gemeinwohl zusammen“, sagt Bolte. Dieter Dönges ist als stellvertretender Ortsbrandmeister der Ortsfeuerwehr Krebshagen-Hörkamp-Langenbruch mittendrin. „Wir versuchen etwa mit dem Osterfeuer, die Gemeinschaft zusammenzuhalten.“
Aber auch die Ehrenamtlichen haben Sorgen, wie Ahnefeld erzählt. Wie in vielen anderen Gemeinden gebe es auch an der Bergkette Nachwuchsmangel. Um die Bergkette am Leben zu erhalten, müsse eine Verjüngung stattfinden, also die Orte so attraktiv gehalten werden, dass immer Leute nachziehen, so Hartmann-Höhnke. Sie blicke gespannt auf den Feuerwehrbedarfsplan und die Frage, inwieweit Mittel für das Gerätehaus in Reinsen eingeplant sind. col, sk

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